In Tannenbusch festgenommener Salafist: Koray D. wollte Polizist werden

In Tannenbusch festgenommener Salafist : Koray D. wollte Polizist werden

Der radikale Salafist Koray D., den die Polizei am Mittwoch vergangener Woche mit drei weiteren Islamisten festgenommen hat, wollte Polizist werden. Nach Auskunft der Bremer Behörde hatte sich der 24-Jährige 2011 für den Polizeivollzugsdienst in Bremen beworben.

Zunächst sah es so aus, als könnte sein Wunsch Wirklichkeit werden: Er absolvierte das Auswahlverfahren erfolgreich und bekam eine Einstellungszusage für Oktober 2011. Doch dann ergaben sich durch weitere Überprüfungen in Zusammenarbeit mit der nordrhein-westfälischen Polizei, die bei den Bewerbern durchgeführt werden, Anhaltspunkte dafür, "dass der Bewerber dem extremistischen Milieu zuzurechnen ist", so die Bremer Polizei.

Doch das war noch nicht alles. Die Ermittler stellten zudem fest, dass Koray D., der lange Jahre in einem Essener Schießsportverein aktiv war, den Waffenschein für eine Selbstladepistole beantragt hatte. Dies begründete er damit, dass dies "zur Wahrnehmung seines zukünftigen Berufes dringend erforderlich sei", heißt es von den Bremer Ermittlern. Das sah das Land Bremen anders: Die Einstellungszusage wurde zurückgezogen, dieses Vorgehen später vom Verwaltungsgericht Bremen bestätigt.

Wie berichtet, soll Koray D. zusammen mit seinen drei Komplizen Mark-René G., Enea B. und Tayfun S. Anschläge auf Markus Beisicht, den Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Pro NRW, konkret vorbereitet und Angriffe auf weitere Pro-NRW-Mitglieder geplant haben. Die Salafisten waren in der Nacht zum 13. März festgenommen worden.

Der Bonner Mark-René G. wurde in Leverkusen gefasst; Koray D., der aus Aachen stammt und in Bonn studiert hat, wurde in Mark-René G.s Wohnung am Memelweg in Tannenbusch angetroffen und ebenfalls festgenommen. Er hatte eine scharfe Waffe bei sich, außerdem fanden die Ermittler in der Wohnung sprengfähiges Ammoniumnitrat, das wohl dem Sprengstoff gleicht, der beim versuchten Bombenanschlag am Bonner Hauptbahnhof verwendet wurde.

Nun hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen im Fall der vier Salafisten übernommen. Es besteht der Verdacht auf Bildung einer terroristischen Vereinigung. Auch bei dem versuchten Bombenanschlag am Bonner Hauptbahnhof gehen die Ermittler nach GA-Informationen von einem radikal-islamistischen Hintergrund aus. Ob beide Fälle zusammenhängen, wird geprüft.

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer dankte am Dienstag der Polizei für die Aufmerksamkeit bei der Überprüfung von Koray D.. "Der Sorgfalt der Bremer Polizei und der guten Zusammenarbeit mit der Polizei in NRW und dem Bundeskriminalamt" sei es zu verdanken, dass "einem Salafisten" der Zugang zum Polizeiberuf verwehrt werden konnte. "Es darf Terroristen nicht gelingen, sich in die Polizei einzuschleichen." Der Vorgang zeige, wie wichtig ein zuverlässiges Kontroll- und Überprüfungsinstrumentarium für die Einstellung von Polizeibeamten ist.

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