"Bogida" und "Bonn stellt sich quer": Konfrontation am Kaiserplatz

"Bogida" und "Bonn stellt sich quer" : Konfrontation am Kaiserplatz

Rund 200 Teilnehmer einer Kundgebung der Protestbewegung Pegida, knapp 3000 Gegendemonstranten auf Seiten des Bündnisses "Bonn stellt sich quer", dazwischen rund 600 Polizeibeamte.

Das war die Ausgangslage, wie sie sich gestern Abend auf dem Kaiserplatz darstellte. Für die Dauer der Demonstrationen kam der Verkehr zwischen Hauptbahnhof und Hofgarten weitgehend zum Erliegen. Gar nicht erst in Bewegung kam der von Pegida angemeldete Umzug durch die Innenstadt, weil Gegendemonstranten ihnen den Weg versperrten. So verharrten beide Lager mehr als zwei Stunden auf dem Kaiserplatz. Dort blieb die Lage gewaltfrei, die Stimmung aber vereinzelt aggressiv. Bis Redaktionsschluss blieb es jedoch bei vereinzelten Rangeleien zwischen Gegendemonstranten und der Polizei.

Während die neue, deutschlandweite Protestbewegung "Pegida - Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" in Bonn unter dem lokalen Etikett Bogida eigenen Angaben zufolge "gegen Islamisten, Salafisten und für eine konsequente Anwendung des geltenden Asylrechts" auf die Straße ging, warfen ihr Gegendemonstranten wie das Bündnis "Bonn stellt sich quer" vor, in Wirklichkeit der Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie das Wort zu reden.

Bereits um 17 Uhr war zu erahnen, dass sich die Polizei auf einen größeren Einsatz eingestellt hatte. 40 Einsatzwagen reihten sich allein in Höhe der Kreuzkirche im Hofgarten aneinander. Dem Vernehmen nach sollen rund 600 Beamte die Veranstaltungen gesichert haben. Einige von ihnen erlebten um kurz nach 17 Uhr erste Rangeleien mit Gegendemonstranten. Die hatten sich geweigert, die Fläche vor der Bahnunterführung zur Poppelsdorfer Allee zu verlassen und sich auf den für die Gegendemonstration vorgesehenen Platz am Übergang zur Kaiserstraße zu begeben.

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Dabei blieben sie auch, so dass sich - nicht zuletzt aufgrund der großen Menge der Demonstranten - der untere Teil des Kaiserplatzes immer mehr füllte und sich die Masse der Gegendemonstranten Schritt für Schritt auf die Bogida-Kundgebung, an der auch einzelne Angehörige der Neonaziszene teilnahmen, zubewegte. Schließlich hielt eine dichte Polizeikette beide Lager knapp 50 Meter auseinander. Die Bogida-Kundgebung, auf der als bekanntester Redner der Bonner Autor Akif Pirincci sprach, blieb dabei auf die Fläche um den Brunnen am oberen Rand des Kaiserplatzes konzentriert.

Unterdessen hatte eine etwa 30 Personen starke und teils vermummte Gruppe der "Antifaschistischen Aktion" auf der Straße Am Neutor eine Blockade gebildet und damit den Weg für den ursprünglich geplanten Demonstrationszug von Bogida versperrt. Die Einsatzkräfte ließen sie gewähren und überwachten das Ganze. Auch Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa machte sich vor Ort ein Bild von der Situation. Nach Angaben der Polizei einigte man sich in Absprache mit den Bogida-Veranstaltern darauf, es anstelle des Umzugs bei einer Standkundgebung zu belassen, weil auch dies dem Demonstrationsrecht genüge tue.

Wie Polizeisprecher Robert Scholten später erläuterte, basierte die Entscheidung auf der Einschätzung, dass ein friedlicher Verlauf der Veranstaltungen so am ehesten zu gewährleisten war, zumal auch im weiteren Verlauf des Zugweges die Gegendemonstranten starke Präsenz gezeigt hätten. Gegen 20.30 Uhr waren beide Versammlungen beendet, die Polizei überwachte den Abmarsch und begleitete Teilnehmer aus dem Bogida-Lager ein Stück des Wegs. Bei der Abfahrt kam es zu einem Unfall mit Blechschaden, als eine Fahrerin einigen Demonstranten auswich.

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