Kommentar zum Bonner Münster: Konflikten vorgebeugt

Kommentar zum Bonner Münster : Konflikten vorgebeugt

Dass sich nach diversen anderen Bauprojekten in Bonn nun auch die Arbeiten am Münster verzögern, ist ärgerlich, meint GA-Redakteur Matthias Kirch. Dass der neue Stadtdechant Wolfgang Picken jedoch bei Veränderungen genau Kosten und Nutzen abwägt löblich.

Bauverzögerung – der Begriff hat das Potenzial, zum Bonner Unwort des Jahres gekürt zu werden. Nach den Pannen auf der Baustelle Beethovenhalle, die – Stand jetzt – erst eine Wiedereröffnung frühestens im Jahr 2022 möglich machen, nun also auch das Bonner Münster. Erst kürzlich getroffene Entscheidungen über die Innengestaltung führen dazu, dass die Sanierung der fast 1000 Jahre alten Basilika statt Ende 2020 erst im Frühjahr des darauffolgenden Jahres abgeschlossen werden kann. Immerhin: Die Kosten sollen trotz der Verzögerung die gesetzte Marke von 20,22 Millionen Euro nicht übersteigen. Ob dieses Ziel bei Abschluss der Sanierung erreicht ist, bleibt abzuwarten.

Grundsätzlich ist es positiv zu bewerten, dass bei den diskutierten Veränderungen im Inneren des Münsters offensichtlich genau Kosten und Nutzen abgewägt worden sind. Kirchliche Investitionen und ihr Sinn sind bekanntlich ein sensibles Thema: Es gibt genug Fälle aus der Vergangenheit, bei denen es den Menschen zu Recht an Verständnis für üppige Ausgaben fehlte. Dass sich Stadtdechant Picken also gegen die mit neuen Kosten und vermutlich einer noch größeren Verzögerung verbundene Versetzung der Barockkanzel entschieden hat, beugt solchen Konflikten vor.

Schwieriger fällt die Beurteilung des nun nicht geplanten Aufzugs an der Außenfassade des Münsters aus. Auch in diesem Fall waren die Kosten ausschlaggebend dafür, von einem Bau, der auch aus Gründen des Denkmalschutzes schwierig gewesen wäre, abzusehen. Über den Nutzen der Baumaßnahme lässt sich dagegen kaum streiten: Der Aufzug wäre ohne Frage eine Wohltat für alle Gehbeeinträchtigten gewesen, die für Messen oder andere Veranstaltungen das Münster besuchen. Für sie muss nun eine andere Lösung her.

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