Kommentar zur Stadtentwicklung: Keine rosigen Aussichten für Bonn

Kommentar zur Stadtentwicklung : Keine rosigen Aussichten für Bonn

Ein knappes Jahr vor der Kommunalwahl zieht Ashok Sridharan eine selbstbewusste Bilanz seiner Arbeit. GA-Redakteur Andreas Baumann findet, das Bonn blüht, aber auch viele Baustellen hat.

Da ist sie wieder, die „ultima ratio“. Das allerletzte Mittel, von Politikern gern zitiert, wenn es um mögliche Steuererhöhungen geht. Auch Oberbürgermeister Ashok Sridharan lehnt eine Anhebung von Grund- und Gewerbesteuern im GA-Interview zwar ab, hält sich mit der „ultima ratio“ aber eine Hintertür offen. Aus gutem Grund.

Denn die finanzielle Zukunft der Stadt ist düster. Gewaltige Summen muss sie allein schon in die Sanierung von Beethovenhalle und Godesberger Stadthalle, von Oper und Stadthaus, von Schwimmbädern und Schulen stecken. Dazu kommen explodierende Ausgaben für Sozialleistungen und eigenes Personal. Das weiß Sridharan, der Kämmerer in Königswinter war, genau. Ihm muss klar sein, wie stark die Finanznot den Handlungsspielraum der Kommune beschneidet. Was nützt es, wenn der Rat den Klimanotstand ausruft, das Geld für konkrete Maßnahmen – ein vernünftiges Radwegenetz wäre ja schon einmal ein Anfang – aber fehlt? Und doch unternimmt der OB keine erkennbaren Anstrengungen, den steten Anstieg der Mitarbeiterzahl in der Verwaltung zu bremsen. Die Personalkosten, auch das weiß er, sind eine tickende Zeitbombe für den Haushalt.

Ein knappes Jahr vor der Kommunalwahl zieht Sridharan eine selbstbewusste Bilanz seiner Arbeit. Und ja: Bonn ist eine blühende Stadt, in der immer mehr qualifizierte Jobs entstehen. Es ist aber auch eine Stadt, die im Autoblech erstickt. Die einen dysfunktionalen Öffentlichen Nahverkehr hat. In der nicht annähernd genug Häuser gebaut werden, um den riesigen Bedarf an Sozialwohnungen zu decken. An Ideen mangelt es nicht – von der Seilbahn auf den Venusberg bis hin zu einer städtischen Entwicklungsgesellschaft, die Wohnungsbauprojekte umsetzen könnte. Aber: Es dauert.

Auch ein OB stößt an Grenzen. Die vermeintliche Lösung für die leidige Bäderfrage etwa haben die Bonner ihrem Stadtoberhaupt mit dem Bürgerentscheid gegen den geplanten Wasserland-Neubau förmlich vom Tisch gefegt. Und doch muss man festhalten, dass Sridharan mit einer starken Ratskoalition im Rücken eigentlich gute Voraussetzungen hatte, viel zu erreichen. Die größten Bonner Probleme sind zweifellos zu komplex, um sie in einer Wahlperiode in den Griff zu bekommen. Man darf gespannt sein, ob die Wähler dem Amtsinhaber 2020 die Chance geben, erfolgreicher zu sein als bisher.

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