Köln: Mutter und Baby tot - Bonner Apotheker rätseln über Todesfälle

Mutter und Baby gestorben : Bonner Apotheker rätseln über Todesfälle in Köln

Eine Woche ist vergangen, seitdem eine junge Mutter und ihr Säugling in Köln durch vergiftete Glukose aus einer Apotheke gestorben sind. Bonner Apotheker rätseln über die Todesfälle.

Bevor eine Arznei in die Hände eines Patienten gelangt, muss sie viele Kontrollschritte durchlaufen. "Die mehrfache Protokollierung ist sehr komplex", sagt die Pharmazeutin Andrea Forst-Raasch. In ihrer Apotheke am Hofgarten ist der Vorfall in Köln, bei dem eine Mutter und ihr Kind starben, kein Thema. "Wir hatten weder Rückfragen von Kunden, noch von Ärzten", erklärt sie. Auch in anderen Bonner Apotheken scheint es kaum Verunsicherung zu geben. Dennoch hatte man sich darauf vorbereitet. Der Apothekerverband hofft auf eine schnelle Aufklärung.

Was genau in der Kölner Apotheke passiert ist, und wie es zu dem tragischen Vorfall kommen konnte, darüber gibt es bislang wenig Erkenntnisse. "Das, was man wohl sagen kann, ist, dass lediglich etwas abgefüllt und nicht selbst hergestellt worden ist", sagt Forst-Raasch, die auch im Apothekerverband Bonn/Rhein-Sieg tätig ist. Als sie die Meldung erreichte, ließ sie sofort die Ware, die auch ihre Filiale vom Hersteller geliefert bekommen hatte, in die Quarantäne stellen.

"Wir hatten sie schon vorher nach unseren Vorgaben untersucht, da war sie unauffällig. Das bestätigte sich auch nach einer weiteren Untersuchung", betont Forst-Raasch In den meisten Apotheken der Region ist die Reaktion gleich: "Das ist ja ein Einzelfall. Eigentlich ist das ein sicheres System. Deshalb kann ich nicht verstehen, wie so was überhaupt möglich war", sagt ein Apotheker in Siegburg; ein Kollege aus bad Godesberg ist der gleichen Auffassung.

Keine Verunsicherung bei Kunden

Unter den Kunden scheint das Vorkommnis nicht für Verunsicherung zu sorgen. "Ich bin bisher von niemandem darauf angesprochen worden", sagte eine andere Apothekerin. "Menschen machen Fehler", hieß es in der nächsten Apotheke.

Forst-Raaschs Hofgarten-Apotheke hat, so wie alle anderen auch, ein eigenes Labor, in dem Arzneien hergestellt werden. Das können Lösungen und Salben sein, aber auch Tabletten und Zäpfchen. "Es kommt darauf an, was die umliegenden Ärzte von uns anfordern", so Forst-Raasch. Manche Pharmazeuten seien beispielsweise darauf spezialisiert, Infusionen herzustellen. Oftmals würden aber auch einfach nur größere Gebinde von Arzneimitteln in kleinere Mengen abgefüllt. "Das kann bei einem Pulver der Fall sein, das aufgelöst wird. Es ist jedenfalls immer eine Bereicherung für die Therapie, wenn Apotheken das noch machen und nicht nur Ware verkaufen."

Egal, um welche Stoffe es dabei geht: Alles, was in der Apotheke verarbeitet wird, durchläuft strenge Kontrollen, wie auch der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, Thomas Preis, erläutert. "Selbst Kamillenblüten, die ja eigentlich einfach als solche zu erkennen sind, werden nach strengen Vorschriften geprüft." Dafür gibt es spezielle Laborausrüstungen, mit denen die chemische Zusammensetzung genau bestimmt werden kann. Erst, wenn klar ist, ob der Stoff, der auf dem Zertifikat steht, auch enthalten ist, geht er in die weitere Verarbeitung.

Es gilt das Vier-Augen-Prinzip

"Dabei gehen wir nach dem Vier-Augen-Prinzip vor", sagt Forst Raasch. Die Apotheker und Pharmazeutisch-Technischen Assistenten sind stets zu zweit, wenn etwas gemischt wird. Es werde nicht nur auf die genaue Zusammensetzung geachtet, sondern auch geguckt, ob der Arzt, der das Rezept ausgestellt hat, keine Fehler gemacht hat - der sogenannte Plausibilitätscheck. "Entweder wissen wir es selbst oder schauen im Computer nach, ob die verordnete Menge des Arzneimittels richtig ist." Jeder dieser Schritte wird dokumentiert - und kann somit auch Aufschluss darüber geben, ob Fehler gemacht wurden.

"Die Apothekerschaft ist sehr betroffen. Wir hoffen und setzen alles daran, dass die Ermittlungsbehörden schnellstens feststellen, wie der tragische Vorfall hat stattfinden können", sagt Preis. Forderungen nach erweiterten Kontrollen, die nun aufkommen, hält er nicht für zielführend. "Das System ist schon jetzt sehr engmaschig."

Mehr von GA BONN