Standort für Innovation in Bonn: Klinik-Gelände an Adenauerallee soll Campus werden

Standort für Innovation in Bonn : Klinik-Gelände an Adenauerallee soll Campus werden

Das Klinik-Gelände an der Adenauerallee soll offenbar als Campus genutzt werden. Offiziell wollen die Verantwortlichen aber noch keine Stellung zu dem Projekt beziehen.

Noch hüllen sich die Verantwortlichen offiziell in Schweigen. Doch vieles spricht dafür, dass für das Gebäude der Universitätskinderklinik an der Adenauerallee eine neue Nutzung gefunden ist. Es soll offenbar den Innovationscampus zum Thema Nachhaltigkeit beherbergen.

„Da wenden Sie sich besser an die Universität“, sagt eine freundliche Sprecherin im Wissenschaftsministerium in Düsseldorf. „Die Entscheidung über die Nutzung des Geländes trifft das Land“, heißt es indes seitens der Universitätspressestelle. Und der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes NRW wiederum teilt auf Anfrage vielsagend mit: „Derzeit konkretisiert die Universität ihre Bedarfe und wird diese in ein Raum- und Funktionsprogramm überführen“. Das wiederum bestätigt auch die Universität, bleibt im Hinblick auf die Kinderklinik jedoch vage: „Das Areal Kinderklinik ist für die universitäre Entwicklung vorgesehen“, teilt Uni-Sprecher Andreas Archut mit. Eine Ursache für die Vielstimmigkeit liegt in den komplexen Zuständigkeiten: Besitzer der Immobilie ist der BLB, wirtschaftlicher Eigentümer die Universität.

Innovations-Campus geplant

In Kreisen der Universität gilt der freistehende Bau mit seinem parkähnlichen Grundstück zwischen B9 und Rhein als prädestinierte Heimstatt der neuen Bonner Forschungsallianz. Deren Förderung hatte erst kürzlich die Landesregierung bekannt gegeben: Sie will für den Innovations-Campus Bonn eine Anschubfinanzierung von 1,35 Millionen Euro bereitstellen. Die neue Institution soll universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen in Bonn enger vernetzen und bestehende wissenschaftliche Kompetenzen in der Nachhaltigkeitsforschung bündeln.

Bereits zum aktuellen Wintersemester 2018/19 soll demnach eine W3-Professur eingerichtet werden, erklärte das Ministerium. Die Professur und den Posten als wissenschaftlicher Direktor der Allianz soll Jakob Rhyner übernehmen, der derzeit noch Vize-Rektor für Europa der Universität der Vereinten Nationen ist. Zudem wird den Angaben nach eine Geschäftsstelle eingerichtet, die gemeinsame Projekte der Partner organisatorisch umsetzt und die Kooperation vorantreibt. „Mit diesem Engagement leistet Nordrhein-Westfalen einen wichtigen Baustein für die Belebung des Berlin-Bonn-Ausgleichs“, sagt Annette Storsberg, Staatssekretärin im Wissenschaftsministerium. Bonn solle als UN-Standort und Ort internationaler Nachhaltigkeitsforschung weiter gestärkt werden. Zugute kommt dem Vorhaben die Lage mit schnellem U-Bahn-Anschluss zu Uni-Hauptgebäude und UN-Campus.Nicht zuletzt die Universität hatte bereits vor eineinhalb Jahren Interesse an der weiteren Nutzung des Areals angemeldet – und zwar ausdrücklich mit dem erklärten Ziel, das Gelände „als Scharnier zwischen Uni und UN zu nutzen“.

Schwerpunkte Digitalisierung und KI

Genau das könnte nun gelingen: Träger des Innovations-Campus sind die Universität Bonn, das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE), die Universität der Vereinten Nationen, das Bonn International Center for Conversion (BICC) und die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Forschungsschwerpunkte sollen Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Mobilität und Migration sowie Bioökonomie sein. Der Innovations-Campus schaffe eine Schnittstelle für den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, hieß es. Vorrang vor dem räumlichen Standort des Campus genießen dort offenbar aber zunächst einmal die inhaltlichen Strukturen und Zuschnitte, an denen dem Vernehmen nach hinter den Kulissen bereits gearbeitet wird.

Noch steht das Gebäude übrigens nicht leer: So war der Umzug der Kinderklinik ins neue Eltern-Kind-Zentrum auf dem Venusberg eigentlich für Ende 2018 vorgesehen, wird sich laut Andreas Archut aber ins nächste Jahr verzögern. Das Klinikgebäude gilt als sanierungsbedürftig. Welche potenziellen Investitionskosten damit einhergehen, ist bislang nicht bekannt. Auch die Möglichkeit studentischen Wohnens hatte die Uni seinerzeit ins Spiel gebracht.

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