Kommentar zur Baustelle Nordbrücke: Kleine Baumaßnahme zieht sich

Kommentar zur Baustelle Nordbrücke : Kleine Baumaßnahme zieht sich

Ein Hauptproblem, weshalb die Bonner Nordbrücke nicht rechtzeitig fertig wird, sind laut Auftraggeber Straßen NRW Planänderungen während der Bauphase. Allerdings schaffen private Investoren es in den meisten Fällen, rechtzeitig fertig zu werden.

Die Baustelle an und auf der Nordbrücke wird Autofahrer aus und Pendler nach Bonn noch mindestens bis zum Herbst behindern. Bei einer verhältnismäßig kleinen Maßnahme wie dem Ausbau eines Standstreifens und der Oberflächenentwässerung sind 15 Monate Bauzeit schon ein herber Schlag gegen einen flüssigen Verkehr. Für kommende Sanierungsprojekte lässt das nichts Gutes ahnen. Dass die Landesverwaltung mit Prämien und Strafen die Bauunternehmen wenn schon nicht zur Eile, so doch wenigstens zur Termintreue antreibt, ist ein guter Schritt. Zusammen mit einer engmaschigen Bauaufsicht lassen sich womöglich schlimmste Überraschungen wenigstens verringern.

Das Hauptübel dürfte indessen in Planänderungen während der Bauphase liegen. Natürlich ist es „vor der Schippe dunkel“, wie die Bauplaner gerne sagen. Unwägbarkeiten lassen sich nicht gänzlich ausschließen. Es muss allerdings schon verwundern, wie jahrelang mit großem finanziellem und personellem Aufwand geplante Bauvorhaben während der Ausführung plötzlich unter ganz anderen Vorzeichen stehen. Komischerweise schaffen es private Investoren in den meisten Fällen ja auch, ihre Bürotürme so zu planen, dass sie anschließend ohne größere Anpassungen hochgezogen werden können.

Wieso das bei einer Spundwand für eine Autobahnbrücke nicht geht, entzieht sich dem Verständnis eines Laien. Als Erklärung scheint eigentlich nur plausibel, dass bei vielen öffentlichen Bauvorhaben im Vorfeld schlampig geplant wird, um zeitlich begrenzte Fördertöpfe noch anzapfen zu können. Oder es wird durchaus mit unausgesprochener Absicht klein geplant, um Kosten und Aufwand und damit Widerstände gering zu halten. Ist die Baustelle einmal eingerichtet – das zeigt sich aktuell sehr anschaulich im Fall der Beethovenhalle – scheuen politische Vertreter die Reißleine wie der Teufel das Weihwasser. Wer als Bürger das Auto nicht zwingend braucht, sollte sich für die kommenden Jahre jedenfalls lieber aufs Rad setzen.