Blutspende am Uniklinikum: Klara überlebt dank einer Blutspende

Blutspende am Uniklinikum : Klara überlebt dank einer Blutspende

Klara hatte Glück im Unglück: Bereits vor der Geburt wurde bei ihr eine lebensbedrohliche Blutarmut entwickelt, die von einer Mutter-Kind-Blutgruppenunverträglichkeit herrührte.

Dabei entwickelt die Mutter gegen mindestens ein Blutgruppenmerkmal ihres Kindes Abwehrstoffe - bei Klara waren es gleich drei. Heute ist das sieben Monate alte Mädchen putzmunter. Eine Blutspende, die sie noch im Mutterleib erhielt, rettete ihr das Leben.

Für den Spender war das eine bemerkenswerte Bestätigung seines Engagements. Seit 30 Jahren gibt Michael H. einen Teil seines Blutes im Uniklinikum ab, meistens viermal im Jahr. Dafür wurde er kürzlich auch geehrt. Eines Tages klingelte sein Telefon, und er wurde gefragt: "Können Sie bitte noch heute zur Blutspende kommen?" Er gehörte zu den wenigen Spendern, die in Frage kamen.

"Wir haben etwa 6000 regelmäßige Mehrfachblutspender, einer von 300 erfüllt die Voraussetzungen, also etwa 20 Kandidaten", sagt Johannes Oldenburg, Direktor des Instituts für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum.

Die Mutter-Kind-Blutgruppenunverträglichkeit kommt laut Oldenburg etwa zustande, wenn die Mutter Rhesus negativ ist, das Kind aber vom Vater das Merkmal Rhesus positiv erbt. Dann bildet die Mutter dagegen Antikörper, welche die Blutkörperchen des Kindes, auf denen dieses Blutgruppenmerkmal sitzt, zerstören.

Aufgrund der Rhesusprophylaxe seien solche Fälle heute vergleichsweise selten: Pro Jahr gebe es etwa 1000 "Sensibilisierungen", also Antikörperbildungen, von denen aber nur etwa 100 die sogenannte Intrauterine Transfusion erforderten. Diese wird seit Anfang der 1980er Jahre am Uniklinikum durchgeführt und ist kompliziert: Unter Ultraschallsicht wird mit einer hauchdünnen Nadel die Nabelschnur punktiert. Um die Bewegungen des Ungeborenen während der Transfusion besser ausgleichen zu können, versuchen die Experten, dieses kleine Objekt möglichst am Ansatz zu treffen.

Das Blutpräparat ist laut Jochen Hoch, Oberarzt am Institut für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin, zudem "ein absolut individuelles Produkt". Auf der einen Seite müsse es hochkonzentriert, auf der anderen Seite dürfe es aber nicht zu dickflüssig sein. "Das dicke Blut durch die dünne Nadel zu drücken, ist schon extrem anstrengend. Da braucht man Kraft in der Hand", weiß Annegret Geipel, Leiterin des Bereiches Pränatalmedizin. Bis heute wurde in Bonn bei etwa 1000 Ungeborenen im Mutterleib auf diese Weise Fremdblut übertragen.

Für Klaras 30-jährige Mutter Sabine, die bereits eine dreijährige Tochter hat, war es diesmal keine einfache Schwangerschaft: "Wir haben große Angst gehabt. Aber es sind Top-Ärzte auf dem Venusberg, die genau wissen, was sie machen." Und Klara hat einen Freund fürs Leben gewonnen. Insgesamt 13 Mal musste Michael H. auf den Venusberg fahren, um kleine Mengen seines Blutes zu spenden, jeweils etwa 20 bis 30 Minuten. "Jetzt Klara zu sehen, ist das höchste emotionale Motiv. Toll, was die eigene Blutspende bewirken kann."

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