Schwimmbad in Bonn: Klägliche Resonanz auf Bürgerinformation

Schwimmbad in Bonn : Klägliche Resonanz auf Bürgerinformation

Der Rahmen für das neue Bad steht: Die Stadtwerke wollen auf den Freibadteil verzichten. Das Fußballfeld muss aber für eine Liegewiese weichen.

„Hier sind ja mehr Offizielle und Presseleute als Bürger.“ Mit dieser Feststellung brachte es ein Besucher am Donnerstagnachmittag auf den Punkt, wie die Resonanz auf das Informationsangebot der Stadt zum geplanten Bäderneubau in Dottendorf war.

In der Tat verliefen sich nur wenige Menschen in den Gangolf-Saal des Münster-Carrés. Bestes Indiz: An der Stellwand für Anregungen pappten nach drei Stunden erst fünf Kärtchen. Das war Anfang November bei der Bürgerwerkstatt auf dem Münsterplatz noch ganz anders gewesen. Da kamen 2500 Bürger, und es wurden Hunderte Ideen notiert und an die Wände geklebt.

Viele der dort gemachten Vorschläge sind im bisherigen Konzept berücksichtigt worden. Geplant ist neben dem Heizkraftwerk Süd ein Familienbad mit vielfältigen Schwimm- und Erlebnisbecken, mit Rutschen und Sprungbecken, mit Tribüne und Lehrschwimmbecken, mit Sauna und Gastronomie. Einen Freibadteil wird es nicht geben, wohl aber eine Schleuse zu einem kleinen Außenpool. Die Entscheidung gegen ein Kombibad (mit Freibadteil) hat auch technische Gründe: Da dort eine 16 Meter tiefe ehemalige Kiesgrube existiert, müsste ein großes Außenbecken technisch aufwendig im Untergrund abgestützt werden. „Es gab bei der Bürgerwerkstatt aber auch nicht so viel Interesse an einem Freibad“, sagte Stadtplaner Hermann Ulrich

Allerdings: Die Fläche des heutigen Kleinspielfeld-Fußballplatzes des SC Fortuna Bonn beansprucht das neue Zentralbad trotzdem, und zwar als Liegewiese. Diese Entscheidung ist offenbar im Lenkungsausschuss schon festgezurrt worden.

Für den dort heimischen Sportverein ist das zunächst mal ein Schlag ins Kontor. Dennoch sagt Fortuna-Vorsitzender Dieter Ritter: „Wenn hier ein neues Schwimmbad errichtet wird, ist das eine außerordentlich positive Infrastrukturmaßnahme für den Bonner Sport.“ Er deutete an, dass es womöglich eine Ersatzlösung für das Kleinspielfeld im wenig genutzten Wasserland-Stadion geben kann. Dazu sei bereits ein Gespräch mit Ulrich vereinbart worden.

Zurück zur Bürgerinformation im Münster-Carré: Sie ist im Zuge der Aufstellung des Bebauungsplans als Beteiligung der Öffentlichkeit vorgeschrieben. Dabei sollen Ziele und Zwecke des Vorhabens vorgestellt werden – was am Donnerstag letztlich zu einer Schwimmbad-Werbeveranstaltung geriet.

Vor der Tür des Münsters verteilte die Bürgerinitiative „Kurfürstenbad bleibt!“ an zwei Stehtischen Flyer und Argumentationspapiere, warum das Godesberger Hallenbad erhalten werden sollte. Dagegen hielt die CDU jetzt: „Wer den Neubau will, muss mit Nein im Bürgerentscheid stimmen.“ Auch Michael Scharf (Stadtsportbund) ist auf dieser Linie: „Wenn wir die Chance zum Schwimmbadbau jetzt nicht ergreifen, geht das Zeitfenster womöglich für 20 Jahre zu“, sagte er. Der Neubau erfülle alle Wünsche des Bonner Sports und sei deshalb alternativlos.

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