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Personalnot in Bonner Kindergärten: Kita in Dransdorf wegen Personalmangels im Krisenmodus

Personalnot in Bonner Kindergärten : Kita in Dransdorf wegen Personalmangels im Krisenmodus

Eltern der Einrichtung an der Mörikestraße in Dransdorf suchen fieberhaft nach Alternativen. Dort läuft seit Wochen nur ein Notbetrieb. Und auch in anderen Kindergärten gibt es Engpässe

Krisenstimmung bei den Eltern der städtischen Kita an der Mörikestraße in Dransdorf: In dem erst vor drei Jahren eröffneten Kindergarten herrscht große Personalnot. Mit der Folge, dass die Einrichtung in dieser Woche nahezu komplett schließen musste. Und auch in den Monaten zuvor standen die Eltern oft vor dem Problem, dass sie ihre Kinder wieder mit nach Hause nehmen mussten oder erst gar nicht bringen durften. Und auch in anderen Kitas sind die Leitungen offensichtlich aufgrund von Personalmangel immer öfter gezwungen, Notgruppen einzurichten oder Eltern zu bitten, ihre Kinder zu Hause zu lassen.

Lisa Paap weiß nicht mehr ein noch aus. Die Mutter einer anderthalbjährigen Tochter ist auf die Betreuung in der Kita angewiesen: Die Vertriebsangestellte ist seit September wieder berufstätig, ihr Mann arbeitet unter der Woche auswärts und Familie ist nicht vor Ort. „Ich kann froh sein, eine verständnisvolle Chefin zu haben, aber auf Dauer ist das doch kein Zustand“, sagt sie.

Seit Sommer, also seitdem die Tochter die Kita Mörikestraße besucht, sei kaum eine Woche vergangen, in der die Einrichtung nicht eine Notgruppe einrichten oder gar schließen musste, weil die Personaldecke zu dünn war. „Oft erfährt man erst morgens, wenn man vor der Tür steht, dass nichts mehr geht und man sein Kind wieder mit nach Hause nehmen muss.“ Dabei gehe die Kleine sehr gerne in die Dransdorfer Kita. „Die Kita ist richtig toll ausgestattet, sie fühlt sich sehr wohl dort.“ Doch weil das Kind immer wieder herausgerissen werde, wolle es mittlerweile gar nicht mehr dorthin.

Ähnliche Klagen hört man auch von anderen Eltern. Katharina Funke ist ebenfalls betroffen. Die junge Mutter wohnt in der Weststadt und war froh, in der Kita Mörikestraße im vorigen Sommer endlich einen Platz für ihre Tochter – ebenfalls anderthalb Jahre alt - gefunden zu haben. Sie muss zwar mit dem Auto fahren, „aber das sind nur zehn Minuten. Außerdem ist es eine sehr schöne Einrichtung.“ Gefühlt sei sie aber seit Beginn des Kindergartenjahres 2019/20 ein, höchstens zwei Wochen kontinuierlich für alle Kinder geöffnet gewesen, meint Funke. „Ich habe noch das Glück, dass unsere Eltern in der Nähe wohnen, die im Notfall einspringen könne“, sagt sie. Aber auch das habe Grenzen.

Stephan Dorten stößt in dasselbe Horn. Der Vater hat seinen dreijährigen Sohn ebenfalls in der Kita an der Mörikestraße untergebracht und ist stocksauer, dass er nach wie vor seinen vollen Kitabeitrag zahlen muss, obwohl die Betreuungszeiten ständig gekürzt würden. „Man hat mir im Jugendamt gesagt, man könne höchstens beim Essengeld Beiträge erstatten“, ärgert er sich. Denn er zahle den Höchstbeitrag, das mache bei ihm mit Essensgeld immerhin rund 600 Euro im Monat aus. Dorten ist selbstständig und kennt die Probleme, die Arbeitgeber haben, wenn ihre Mitarbeiter ständig ausfallen. „Wir haben eine Kitamutter, die uns berichtet hat, dass sie kurz vor der Kündigung steht, weil sie wegen der Kitaprobleme zu oft fehlt.“

Auf GA-Nachfrage räumt die Stadt Bonn die Probleme mit der Kita Mörikestraße ein. „Es ist leider richtig, dass der Kindergarten in der Mörikestraße seit längerer Zeit immer wieder erhebliche personelle Engpässe hat, die eine verlässliche und sichere Betreuung aller Kinder nicht mehr zugelassen haben“, sagte Jugendamtsleiter Udo Stein. Nach wie vor seien zwei Stellen nicht besetzt und zwei Kollegen längerfristig erkrankt. „Eine Vertretungskraft, die in der Kita eingesetzt wurde, war selbst krank.“

Da es in sehr vielen städtischen Kitas Personalengpässe gebe und auch in den Reihen der Springerkräfte Krankheitsfälle zu verzeichnen seien, könne leider niemand zusätzlich im Kindergarten Mörikestraße eingesetzt werden. Gleichwohl würden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um so viele Kinder wie möglich zu betreuen.

„Im Vordergrund aller Bemühungen steht aber immer das Kindeswohl! So wird auch geprüft, ob Kinder in umliegenden Kindergärten vorübergehend Aufnahme finden können. Zurzeit werden Mitarbeiterinnen, die sich in Elternzeit befinden, gefragt, ob sie vorübergehend arbeiten, oder frühzeitiger aus der Elternzeit zurückkehren möchten“, erklärte Odo Stein außerdem. Später teilte er dem General-Anzeiger mit, dass jetzt wohl doch die Chance bestehe, zwei vakante Stellen in der Kita ab März wieder besetzen zu können.

Der Personalmangel im Erzieherbereich, ausgelöst durch einen strukturellen Fachkräftemangel, betreffe aber fast alle Kitas, weiß der Jugendamtsleiter. Stellen könnten deshalb nicht immer zeitnah besetzt werden. Dadurch fehle Personal in den Kitas. Zusätzlich komme es gehäuft zu Erkrankungen. Stein: „So entstehen in Bonner Kitas unabhängig von der Trägerschaft immer wieder Situationen, in denen nicht alle Kinder betreut werden können oder in denen nicht der volle Betreuungsumfang angeboten werden kann.“

Sowohl die freien und kirchlichen Träger von Kindertageseinrichtungen als auch die Kommunen und das Land begegneten dem Personalmangel mit unterschiedlichen Maßnahmen. So werden Stein zufolge die Ausbildung für pädagogische Fachkräfte verändert und die Ausbildungskapazitäten erhöht. „Leider greifen die meisten Maßnahmen erst mittelfristig.“