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Szenen aus der Bonner Innenstadt: Kirschblüte und Sonnenwetter lockten viele Menschen ins Freie

Szenen aus der Bonner Innenstadt : Kirschblüte und Sonnenwetter lockten viele Menschen ins Freie

Die Worte des Bonner Oberbürgermeisters Ashok Sridharan waren deutlich: Die getroffenen Einschränkungen müssen weiter beachtet werden. Dennoch konnten viele nicht widerstehen und tummelten sich draußen bei sonnigem Frühlingswetter. Nicht alle hielten sich an die Abstandsregeln.

Mit eindringlichen Worten hatte sich Oberbürgermeister Ashok Sridharan mit Blick auf das sonnige Kirschblütenwochenende an die Bonner gewandt: „Bisher ist es uns nicht gelungen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Bitte halten Sie sich daher an die Einschränkungen.“ Ein sonntäglicher Spaziergang – natürlich mit ausreichendem Sicherheitsabstand – zeigt: Trotz Einhaltung der Maßnahmen ist Bonn von einer Geister-Altstadt weit entfernt. Kontrollen von Ordnungsamt und Polizei seien aber „nicht überpräsent“, sagt die Inhaberin des Eislabors, Petra Recker. Auch politische Aktivisten der Seebrücke nutzten das Wochenende, um ihre Botschaft zu verbreiten.

„Es ist viel, viel leerer als sonst“, sagt die 13-jährige Flora, die mit ihrem neunjährigen Bruder Theo durch die Breite Straße läuft. Seit sie denken kann, ist sie bei der Kirschblüte dabei und erinnert sich: „Letztes Jahr lagen hier gefühlt 1000 Leute auf dem Boden und haben Fotos gemacht.“ Das ist heute anders. Im Wesentlichen scheint das Kontaktverbot eingehalten zu werden, mehr als zwei Personen sind selten zusammen zu sehen. Vor dem Wochenende hatte die Stadt bereits angekündigt, verstärkt in der Altstadt zu kontrollieren. Monika Hörig, Pressesprecherin der Stadt Bonn, ließ am Freitag wissen: „Wir bringen alles auf die Straße, was Beine hat.“ Von Kontrollen durch das Ordnungsamt oder die Polizei ist während des Spaziergangs aber nicht viel zu sehen – bloß ein Streifenwagen begegnet Spaziergängern auf der Höhe des Stadthauses, muss seine Fahrt aber nicht unterbrechen. Die Stadt teilte am Sonntagnachmittag allerdings mit, dass sehr viele Besucher der Kirschblüte nicht die notwendigen Abstände eingehalten hätten.

Die siebenköpfige Familie Jonas genießt die warmen Frühlingstage in der Altstadt. Die ganze Familie wohnt in einem Haushalt, ein gemeinsamer Spaziergang ist daher zulässig, sagen sie. „Normalerweise hat man hier nicht mal fünf Minuten seine Ruhe“, lacht Razma Jonas. Ihr Mann Manuel betont, dass aber auch Familien größtmögliche Acht geben sollten, wenn sie gemeinsam unterwegs sind: „Wir haben immer darauf geachtet, dass wir nur zu zweit gehen.“ Ab und zu hätten die Spaziergänger aber dennoch kritische Kommentare zu hören bekommen. „Wir nehmen das alles nicht auf die leichte Schulter“, versichert der Bonner und seine Familie stimmt ihm nickend zu.

Razma Jonas sorgt sich auch um die angrenzenden Cafés und Bars. Für die Besucher der Kirschblüte sei es sonst attraktiv, nach der Tour gemeinsam etwas essen zu gehen oder den Musikern in den Straßen zu lauschen. Darauf werde in diesem Jahr „natürlich aus guten Gründen“ verzichtet. Und das bekommen die Inhaber der Geschäfte deutlich zu spüren, so auch Petra Recker und Michael Weiss, Inhaber des Eislabors. „Es ist kein Vergleich zu dem, was sonst los ist“, sagt Recker. Die Einbußen aus der Frühlings- und Sommerzeit werden das Ehepaar „das ganze Jahr über begleiten“. Recker hofft, „dass wir die Kosten tragen können“. Lobende Worte findet sie für ihre Gäste, die kurzerhand nicht nur die Abstandsmarker auf dem Boden vor dem Laden beachten, sondern eine ganz eigene Schlange mit wesentlich größerem Abstand gebildet haben. „Die machen das richtig klasse“, sagt Recker beeindruckt. Eigentlich, so Weiss, wollte das Eislabor in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiern. Das wird nun schwierig.

„Wegen der Coronakrise sollen und dürfen keine Demos stattfinden, das unterstützen wir natürlich. Aber es ist mindestens genauso gefährlich, nicht auf die Situation in den Flüchtlingslagern in Griechenland und an der Grenze aufmerksam zu machen“, sagt die 23-jährige Studentin Lailah Atzenroth, die sich bei der Seebrücke engagiert. In den Lagern seien die Menschen ganz besonders Corona-gefährdet.

Mit anderen Bonner Aktivisten beteiligte sie sich am Sonntag an der Aktion „Spuren hinterlassen“ und nutzte auch das Treiben in der Altstadt, um mit Bannern und auf Autos liegenden Flugblättern auf die „verheerenden Folgen“ aufmerksam zu machen, die Corona für die Menschen in den Lagern bald haben könnte.