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Bonner Loch: Kiosk verkauft legal Drogenbesteck

Bonner Loch : Kiosk verkauft legal Drogenbesteck

Andreas F. nimmt einen Schluck Billigbier und hält die angebrochene Flasche demonstrativ in der Hand. Seine Haare sind zerzaust, er redet fahrig und bewegt sich unkoordiniert.

"Ich bin ganz schön aufgeregt", gesteht er und geht hinab ins Bonner Loch. Dass er sich unwohl in seiner Haut fühlt, das ist ihm deutlich anzumerken. Aber diese Angelegenheit ist ihm viel zu wichtig, um die Augen davor zu verschließen. "Ich muss mich selbst davon überzeugen", schüttelt er ungläubig den Kopf. Andreas F. ist Mitarbeiter im Drogenkonsumraum beim Verein für Gefährdetenhilfe (VFG). Im Haus an der Quantiusstraße hatten mehrere Klienten berichtet, dass verschiedene Kioske im Bonner Loch Drogenbestecke und andere Utensilien für den Konsum verkaufen. Deshalb startet Andreas F. jetzt einen Selbstversuch. "Hoffentlich erkennt mich niemand aus der Szene", schaut er sich verlegen um.

Schokoriegel, Zeitungen und ein paar Spritzen dazu? Auch Nelly Grunwald, Geschäftsführerin Soziales beim VFG, hat in den letzten Tagen davon gehört. "Ich bin wirklich entsetzt", empört sie sich. "Wenn das stimmt!" Gemeinsam mit Streetworkern beobachtet sie die Aktion aus sicherer Entfernung. Keine zwei Minuten später kommt Andreas F. aus dem Kiosk in unmittelbarer Nähe zur Polizeiwache GABI. Ein kurzes Kopfnicken, schon verlassen alle getrennt das Bonner Loch. In der Quantiusstraße angekommen, kann Nelly Grunwald ihr Entsetzen nicht zurückhalten. "Und es war wirklich kein Problem? Du hast wirklich alles sofort bekommen", vergewissert sie sich, während Andreas F. seine Tasche leert. Nadel, Kolben, ein Stück Alufolie und ein Tütchen billiges Vitamin C hat er gerade für 1,80 Euro gekauft - als Suchtkranker hätte er bei sozialen Einrichtungen dafür maximal 35 Cent bezahlt oder die Artikel sogar kostenlos erhalten. "Nee", erzählt Andreas F. weiter. "Das ging alles problemlos.

Nicht allein die Tatsache, dass Drogenkonsumartikel genau dort verkauft werden, wo sich die Szene regelmäßig trifft, macht Grunwald so wütend. "Dass die Händler keine Hemmungen haben, mit der Krankheit anderer satte Gewinne zu machen", empört sie und rechnet nach. "Bei diesem Preis streicht der Kiosk für eine Rolle Alufolie, die im Handel für rund 1,50 Euro zu haben ist, 75 Euro ein.

Wir versuchen alles, um den Abhängigen zu helfen, und die Geschäftsleute lachen sich ins Fäustchen." Derzeit bietet jedoch nicht nur ein Kiosk im Bonner Loch die entsprechenden Utensilien an. "Die gibt es auch in anderen Läden hier unten", wissen Wachleiter Siegfried Vogel und seine Kollegen von der Polizeiwache GABI. Mit ihm hatte die VFG die Aktion zuvor abgesprochen. "Aber wenn der Verkauf nicht verboten ist, können wir nichts unternehmen", erklärt Vogel, der Verständnis für die Empörung der Sozialarbeiter hat.

Die Stadt bestätigt ebenfalls, dass es keine "gesetzlichen oder sonstige Bestimmungen" gibt, die den Verkauf verbieten. "Im Übrigen können die aufgeführten Artikel auch für andere Zwecke als für den Drogenkonsum genutzt werden. Insoweit sehen wir keine Ermächtigung für ein ordnungsbehördliches Einschreiten", so Marc Hoffmann vom Presseamt.

Nicht allein die Tatsache, dass Profit mit der Sucht anderer gemacht wird, stößt beim VFG auf Wut und Unverständnis. "Dieses Zitronensaftkonzentrat, das als Ersatz für Ascorbinsäure verkauft wird, ist ein absolutes Billigprodukt, das sich zudem nicht dosieren lässt", so Grunwald. "Es ist einfach unmoralisch, dass die Wirtschaft immer neue Nischen findet, um Reibach auf Kosten Schwächerer zu machen", ergänzt Andreas F. und wünscht sich, dass hier die Politik tätig wird.

Der Besitzer des betroffenen Kiosks war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er befindet sich im Ausland, sein Verkaufsmitarbeiter wollte sich zudem gegenüber dem GA nicht zu dem Vorgang äußern.