Erinnert an ein Mausoleum: Kiosk-Entwurf am Remigiusplatz hat wenig Fans

Erinnert an ein Mausoleum : Kiosk-Entwurf am Remigiusplatz hat wenig Fans

Eher wie ein Mausoleum wirke der geplante Kiosk auf dem Remigiusplatz - überspitzt gesagt. Der Entwurf stieß deshalb in der Bonner Bezirksvertretung auf wenige Gegenliebe.

Eigentlich war die Sitzung der Bezirksvertretung Bonn am Dienstagabend fast schon zu Ende. Der letzte Punkt auf der Tagesordnung allerdings bot dann doch noch Potenzial. Es ist die Planung für den neuen Kiosk, der demnächst auf dem Remigiusplatz entstehen soll – und offenbar nicht recht den Farbgeschmack der Kommunalpolitik trifft. Mandatsträger erwirkten, dass sie über das Thema in ihrer Julisitzung noch einmal beraten werden – übrigens zum erkennbaren Verdruss der anwesenden Vertreter der Verwaltung. Die nämlich hatten zuvor ausgeführt, wie sehr ihnen bereits jetzt ein enger Zeitplan im Nacken sitzt.

Der Begriff „Mausoleum“, überspitzt vorgebracht aus den Reihen der Grünen, trifft in etwa das, woran sich die Politiker stoßen. Es ist das „Dunkelanthrazit“ der Außenwand, mit dem die Planer den Kiosk in den „Beethoven-Rundgang“ anlässlich des Jubiläumsjahres 2022 einbetten wollen. Die Beethoven-Gesellschaft soll den Bau auch finanzieren. „Die Farbe orientiert sich an den Stelen, die den Rundgang kennzeichnen“, erklärte Programmreferent Johannes Plate.

Vor den Außenwänden würden Glasscheiben montiert, die mit weißem Text zum Beethoven-Jubiläumsjahr bedruckt werden, erläuterte Plate den beabsichtigten Effekt. „Eigentlich müssten wir das jetzt in Auftrag geben“, verdeutlichte er den Politikern seine Lage – allerdings vorerst vergeblich. Der Kiosk werde dem Stadtbild der Innenstadt länger erhalten bleiben als das Beethovenjahr, warf etwa Hartwig Lohmeyer (Grüne) ein. Man habe in Bonn in Sachen Farbgestaltung „schon einiges erlebt“, meinte etwa Elmar Conrads-Hassel (FDP). Lediglich Wolfgang Maiwald (CDU) mahnte dazu, sich das gesamte Ensemble vor Augen zuführen. Das werden die Ratsfraktionen nun mutmaßlich im Juli tun: Bezirksbürgermeisterin Birgitta Poppe-Reiners wird auf entsprechenden Antrag eine Dringlichkeitsentscheidung vorbereiten lassen. Und das ist noch nicht alles: Auch Alternativvorschläge wollen die Kommunalpolitiker sehen.

Damit endete die Sitzung für die Verwaltung ähnlich unglücklich, wie sie begonnen hatte. Denn dass 14 Tagesordnungspunkte ohne Beratung vertagt werden mussten, weil noch keine Stellungnahme der Verwaltung vorlag, stieß den Ratsmitgliedern übel auf. Von einer „Vertagungs-Orgie“ sprach Rolf Beu (Grüne) und ermunterte die Kollegen, in solchen Fällen eben ohne Votum zu beraten und zu entscheiden. Die Bezirksbürgermeisterin erinnerte jedoch an einen eigenen Beschluss des Gremiums, demzufolge ein Punkt vertagt wird, wenn kein Verwaltungspapier vorliegt. Erst vor wenigen Wochen hatte es in der Bezirksvertretung aus demselben Anlass Ärger gegeben: Eine eigene Sondersitzung hatte man gänzlich den liegengebliebenen Bürgeranträgen eingeräumt; doch auch hier mussten dann viele Punkte vertagt werden, weil die Stellungnahme der Verwaltung nicht vorlag.

Die soll nun auch in einem anderen Punkt nachsteuern und klären, ob zumindest für einen Teil der Mauer des Alten Friedhofs Fördergelder beantragt werden können. Wie berichtet, stoßen sich viele Bonner an deren Zustand. Ähnlich, so die Befürchtung der Politiker, könnte es vielen auswärtigen Gästen gehen, die im Beethovenjahr das Grab der Mutter des Komponisten besuchen werden. Wenigstens das dortige Teilstück der Friedhofsmauer, so die Meinung im Ausschuss, sollte dann repräsentabel sein. Dass der entsprechende Bürgerantrag bereits aus dem Dezember stammt und bis dato nichts passiert ist, passte am Dienstag für manchen Bezirksverordneten ins Gesamtbild.