Kommentar: Keinen blassen Dunst

Kommentar : Keinen blassen Dunst

Wenn Mitarbeiter trotzdem meinen, in dieser Zeit rauchen oder Kaffee kochen zu müssen, ist das sicher nicht im Sinne der existierenden Dienstanweisung und erst recht nicht im Sinne der Bürger. Deshalb ist es an dieser Stelle völlig berechtigt, Klartext zu reden. Ein Kommentar.

In einem Punkt hat Stadtdirektor Wolfgang Fuchs Recht: Wenn sich im Stadthaus das Publikum knubbelt, müssen alle Mitarbeiter an Bord sein und ihren Job machen.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wie in nahezu jedem Unternehmen auch. Wenn Mitarbeiter trotzdem meinen, in dieser Zeit rauchen oder Kaffee kochen zu müssen, ist das sicher nicht im Sinne der existierenden Dienstanweisung und erst recht nicht im Sinne der Bürger. Deshalb ist es an dieser Stelle völlig berechtigt, Klartext zu reden - im Interesse aller Mitarbeiter.

Denn die Stadt Bonn hat im Vergleich zu Köln in der Tat eine sehr großzügige Regelung der Arbeits- und Pausenzeit für ihre Mitarbeiter eingeführt. In der Domstadt ist zum Beispiel das Rauchen während der Publikumszeit strikt untersagt.

Indes: An den Rauchern unter den Mitarbeitern des Dienstleistungszentrums liegt es bestimmt nicht, dass es dort immer noch an allen Ecken und Enden brennt. Die Probleme sind entschieden vielschichtiger und wohl vor allem struktureller Natur.

Es fehlt an Personal, und das ist besonders spürbar im Dienstleistungszentrum. Aber nicht nur dort. Allein die Tatsache, dass Schwerbehinderte, wie gestern berichtet, gut fünf bis sechs Monate auf ihre Behindertenausweise warten müssen, ist ein Armutszeugnis. Und so gibt es noch viele weitere Beispiele, die zeigen, wie Bürger in der Verwaltung in der Warteschleife hängen, weil es an Mitarbeitern an den richtigen Stellen mangelt.

Angesichts der städtischen Finanzmisere hat wohl kaum einer im Stadthaus einen blassen Dunst, wie man das ändern kann. Im Gegenteil: Die immer höheren Personalkosten zwingen dazu, weiter an Personal zu sparen. Die Folge: Immer mehr Leistungen für die Bürger fallen weg. Ein Dilemma.