Tausendfüßler-Baustelle: Keine Genehmigung für Einsätze zwischen 22 und 6 Uhr

Tausendfüßler-Baustelle : Keine Genehmigung für Einsätze zwischen 22 und 6 Uhr

Die Bauarbeiter am Tausendfüßler müssen leise sein - sonst droht Verkehrschaos. Weil bei der Stadt kein Antrag auf Nachtarbeiten eingegangen ist, dürfen sie auf der Brücke der Autobahn 565 während der Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr keinen Lärm machen.

"Aber wenn wir nachts nichts tun können, müssen wir tagsüber eine Spur sperren", sagt Bauleiter Herbert von Heel vom Landesbetrieb Straßen NRW. Wie sich dann der Verkehr staut, konnte man am vergangenen Samstag sehen. Wegen dringend notwendiger Arbeiten war da nur eine Spur je Richtung frei.

In den nächsten Nächten sollen Betonplanken an den Fahrbahnen umgeräumt werden. "Wir müssen die Verkehrsführung ändern, weil ein neuer Bauabschnitt beginnt", sagt von Heel. Deswegen war die beauftragte Baufirma in den vergangenen Nächten bereits aktiv.

Als der GA darüber berichtete, tauchten jedoch Vertreter des städtischen Umweltamtes an der Baustelle auf und wiesen auf die fehlende Genehmigung hin. "Den Antrag hätte die Baufirma stellen müssen", erklärt Norbert Cleve, Pressesprecher beim Landesbetrieb. Allerdings würden die geplanten Nachtarbeiten ohnehin kaum Lärm verursachen.

Davon geht auch die Stadtverwaltung aus. Sollte es aber doch zu laut sein, werde man einschreiten, kündigt Marc Hoffmann aus dem Presseamt an. Aktiv kontrollieren werde die Stadt nicht. "Wir sind keine Baustellenaufsicht und verlassen uns auf die Erfahrungen des Landesbetriebs", betont Hoffmann. Warum man erst gestern hinterfragte, ob eine Genehmigung für die Nachtarbeit vorliegt, konnte er nicht beantworten. Sollte noch ein Antrag gestellt werden, wolle ihn das Umweltamt binnen weniger Tage bearbeiten.

[kein Linktext vorhanden]Auch im zweiten Bauabschnitt werden Löcher in den Tausendfüßler gebohrt, insgesamt über 360 Stück. Durch sie stecken die Arbeiter rund 2,20 Meter lange und dreieinhalb Zentimeter dicke Eisenstäbe, die an beiden Enden verschraubt werden. Unten mit Stahlträgern, die wie Klammern an der Brücke haften. Oben mit Stahlplatten, die im Asphalt liegen. "Jeder Stab drückt den Beton mit bis zu 80 Tonnen zusammen, wenn wir die Schrauben anziehen", erklärt Polier Volker Fest.

Dadurch wird die Brücke stabiler. Zu vergleichen ist das Prinzip mit einem Stapel Papier, den man zwischen beiden Händen hält. Wird er nur aufgelegt, hängen die Blätter durch, und die Ränder verschieben sich. Packt man die Papierenden so fest, dass sie sich nicht bewegen können, ist auch der Stapel stabil. "Anstatt mit Händen machen wir das mit den Eisenstäben", sagt Bauleiter von Heel.

Dieses simple Verfahren wendet der Landesbetrieb in Bonn das erste Mal an. Am liebsten wäre es den Statikern gewesen, eine komplett neue Brücke zu bauen. "Dafür gab es aber nicht genug Platz", so von Heel. Als der Tausendfüßler 1959 fertiggestellt wurde, hatten die Planer nicht mit dem heutigen Verkehrsaufkommen von mehr als 100.000 Fahrzeugen pro Tag gerechnet. Binnen eines Jahrzehnts, so der Plan, soll die Brücke jedoch neu gebaut werden.

Während die außen liegenden Stahlträger des ersten Bauabschnitts 200 Kilogramm wiegen, sind die an der Innenseite rund 600 Kilogramm schwer. Mit Hubwagen wuchten die Männer sie an die Unterseite der Brücke. "Wir haben wenige Millimeter Spielraum, da muss alles passen", sagt Fest.

Auch im Inneren der Autobahnbrücke wird gearbeitet: Die Brüder Leutrin und Arben Shabani klettern in die längs verlaufenden Hohlräume, um die Eisenstäbe zu kontrollieren und Löcher im Beton abzudichten. Kein angenehmer Arbeitsplatz: Die Decke ist einen Meter hoch, bei Sonne herrschen 40 Grad, der Verkehr dröhnt. "Da ist man abends platt", sagt Leutrin Shabani. Zehn Stunden sind sie auf der Baustelle, manchmal länger. "Das hängt davon ab, wie es läuft", sagt Polier Volker Fest. Er setzt alles daran, dass die Baustelle bis September fertig wird.

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