Bonner Verkehrsplanung: Kein Platz für Radfahrer in Bonn

Bonner Verkehrsplanung : Kein Platz für Radfahrer in Bonn

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub kritisiert, dass die Bonner Verkehrsplanung vorwiegend auf Autos ausgelegt ist. In Kopenhagen und den Niederlanden ist das anders.

Es ist eine dieser Alltagssituationen, in denen sich Max Matta die Haare raufen könnte. Der Student radelt über die Bonner Viktoriabrücke, die gerade wegen Bauarbeiten stark verengt ist. Auf der Straße die Autofahrer, auf dem Weg daneben Fußgänger und Radfahrer. „Das ist total gefährlich“, sagt Matta. Denn permanent kommen sich Radfahrer und Fußgänger in die Quere. Und wenn es gar nicht passt, weichen die Radfahrer eben auf die Straße aus – obwohl sie es nicht dürfen und ihnen Autos entgegenkommen.

Geht es nach Matta, müssten Fahrräder mit Autos gleichgestellt werden, müssten sie den gleichen Raum im täglichen Straßenverkehr bekommen. „So, wie es Städte wie Kopenhagen vormachen“, erzählt der Geografiestudent. Woher er das weiß? Erst vor wenigen Wochen war er in der dänischen Hauptstadt auf Exkursion. Dort gibt es gerade im Hafenbereich viele kleine Inseln, die die Verwaltung mit Radwegen hat verbinden lassen. Jede Stunde nutzen Hunderte Radler die Wege. Autofahrer bleiben draußen. Es scheint: Sind die Angebote nur attraktiv genug, werden sie auch angenommen. Denn während die Quote derjenigen, die das Fahrrad nutzen, in Bonn zwischen zwölf und 20 Prozent liegt, erreicht sie in Kopenhagen mehr als 50 Prozent.

Ergebnis beim Fahrradklimatest ist schlechter geworden

„Es wird viel geredet, aber es gibt keine Fortschritte“, sagt Werner Böttcher von der Verkehrsplanungsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) in Bonn. Das zeigt auch der aktuelle Fahrradklimatest. Die Gesamtbewertung nach Schulnoten hat sich in den vergangenen zwei Jahren von 3,9 auf 4,06 verschlechtert. Rangierte Bonn damals in der Kategorie von über 200.000 Einwohnern auf Platz 18, ist es jetzt Platz 22. Und das, obwohl die Stadt erklärt hat, bis 2020 „Fahrradhauptstadt“ werden zu wollen.

Doch woran liegt das? Warum sind die Radfahrer unzufrieden? Schließlich wurden in den vergangenen Jahren jeweils mehr als drei Millionen Euro in Radinfrastruktur investiert und sollen auch weiterhin investiert werden. „Bonn hält einfach nicht Schritt mit den Anforderungen des stetig wachsenden Fahrradverkehrs“, erklärt Böttcher. Setzt man die Bundesstadt in den Vergleich mit Hochburgen wie Kopenhagen, zeigt sich der gravierende Unterschied.

Pro Kopf und Jahr investiert man dort knapp 30 Euro in den Radverkehr. Bonn kommt auf 8,50 Euro. „Die sind uns 20 Jahre voraus und wir holen immer noch nicht auf. Die Verkehrsplanung ist hier auf den Autoverkehr ausgerichtet“, sagt Böttcher. Die Stadtverwaltung gibt dagegen an, dass ihr das Personal fehle, um Projekte umzusetzen. Zudem läge das schleppende Vorgehen häufig an politischen Entscheidungen.

Die Kritikpunkte sind durch den Fahrradklimatest und den gerade gestarteten Rad-Dialog bekannt. Baustellenmanagement: Stichwort Viktoriabrücke. Radfahrer müssen sich den zu schmalen Weg mit den Fußgängern teilen. Radschutzstreifen: Sind zu schmal, werden zugeparkt und die Falschparker nicht ausreichend geahndet.

Radstellplätze: Gibt es zu wenig, vor allem am Hauptbahnhof. Und lässt man das Rad stehen, wird es auch noch überdurchschnittlich oft geklaut. „Ein generelles Problem ist, dass Radfahrer von Autofahrern oft ignoriert werden“, sagt Böttcher. Aber nicht weil sie um die Straße kämpften, sondern weil die Wahrnehmung fehle. „In den Niederlanden läuft das ganz anders, da gibt es naturgemäß mehr Radfahrer, die dann auch eher beachtet werden.“

Mut für wirklich große Schritte fehlt

Was aus Sicht des ADFC gut läuft, ist die Öffnung der Einbahnstraßen für Radfahrer. Die bewerten auch die Radler mit der Note 2,6. „Doch auch hier bleibt die Umsetzung halbherzig. Die Streckenführung ist oft unübersichtlich, die Kennzeichnung mangelhaft“, sagt Böttcher. Ein gutes Beispiel für den Radverkehr könnte der Umbau der Viktoria-Unterführung zwischen Altem Friedhof und Endenich werden. Wird sie wie geplant auch für Radfahrer gut passierbar sein, ist sie eine ideale Verbindung, um von der Weststadt schnell ins Zentrum zu kommen.

Über mehr solcher Projekte würde sich auch Max Matta freuen. „Radfahrer können den Verkehr in den Städten entlasten“, sagt er. Natürlich dürfe man Autofahrer nicht aus den Städten verbannen. Aber das Umsteigen auf das Rad müsste den Verkehrsteilnehmern leichter gemacht werden. „Es fehlt bisher nur der Mut für wirklich große Schritte.“

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