Brandschutz bedroht Bibliothek: Kein Platz für Bücher in der Bonner Uni

Brandschutz bedroht Bibliothek : Kein Platz für Bücher in der Bonner Uni

Die Universität Bonn steht unter Druck. Brandschutzauflagen für das Hauptgebäude, die es zu erfüllen gilt, ein umfassendes Sanierungsprogramm und auch der Raum fehlt - nicht nur für Seminare und Vorlesungen, sondern insbesondere für Bücher.

Der Kanzler der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Reinhardt Lutz, hatte kürzlich nicht ohne Grund in einem Brief an Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und den Stadtrat auf die Dringlichkeit hingewiesen.

Die Universität wartet auf die Bebauung des Viktoriakarrees, um sich dort mit rund 6500 Quadratmetern einzumieten. Dort will die Uni ihre Philologische Bibliothek einrichten, also die Institutsbüchereien verschiedener sprachwissenschaftlicher Fachbereiche aus dem Universitätshauptgebäude in dem Neubau zusammenlegen. Lutz will einen Umzug bis "spätestens Mitte 2018". Diesen Termin wollte er von der Stadt zugesichert haben, andernfalls werde man sich nach Alternativen umschauen, sagte er. Nach GA-Informationen sind die Denkspiele mit anderen Optionen schon recht fortgeschritten.

"Es würde uns diese Terminleiste schon genug Einfallsreichtum und Geduld abverlangen, einen so langen Überbrückungszeitraum unter zunehmend schlechteren bibliothekarischen und neu hinzugetretenen problematischen feuerpolizeilichen und statischen Arbeitsbedingungen hinnehmen zu müssen", hatte Lutz in seinem Brief an Nimptsch geschrieben. "Die Situation ist kompliziert, eigentlich wie bei einem Schiebepuzzle, bei dem man erst bestimmte Teile so hin- und herversetzt, bis am Ende die Lösung stimmt", sagt Uni-Sprecher Andreas Archut.

"Es gibt Brandschutzmaßnahmen und Sanierungsarbeiten, die erst getan werden können, wenn wir Rochaderäume haben. Denn wir wissen teilweise gar nicht, wohin mit den Büchern." Regale, die in Fluren standen, wurden schon aufgrund der Fluchtwegeproblematik in die Keller oder Professorenzimmer verbannt. "Und das ist einfach kein akzeptabler Zustand - weder für Studierende noch Professoren. In manchen Instituten sind wir schon aufgrund der Statik am Ende der Fahnenstange angelangt."

Beim Brandschutz sei die Universität im engen Dialog mit der Feuerwehr, die vorgibt, welche Auflagen sofort umgesetzt werden müssen und für welche die Uni noch Zeit hat. Oder der Betrieb wird aufgrund von Einschränkungen erlaubt. So darf die Hochschule beispielsweise im Hauptgebäude nicht alle Hörsäle und Aula gleichzeitig nutzen, weil die Fluchtwege im Notfall nicht breit genug wären. Im Kunsthistorischen Institut etwa ist ein neues Treppenhaus geschaffen worden, wodurch Büros wegfielen.

Die Lösungen sind nicht immer so unkompliziert - auch wegen Denkmalschutzauflagen. Man kann eben nicht einfach eine Nottreppe an die Fassade bauen. Auch für die Brandmeldeanlage muss ein Netzwerk aus zahlreichen Sensoren aufgebaut werden, die im Falle eines Brandes Nachricht an einen zentralen Rechner schicken. Der ruft nicht nur Alarm aus, sondern würde auch Feuerschutztüren, die teilweise schon eingesetzt wurden, schließen.

Die Sensoren werden nicht nur sichtbar an den Decken angebracht: In dem ehemaligen Schlossgebäude gibt es zwischen abgedeckten Decken Hohlräume von gut zwei Metern, die ebenfalls elektronisch kontrolliert werden müssen. Zu alledem kommen noch umfangreiche Sanierungsarbeiten an den Dächern und an der Bausubstanz. Die Elektroleitungen müssten dringend auf den modernen Stand gebracht werden. Sie stammen zum Teil noch aus den 1950er Jahren. Ein Problem: Sobald etwas verändert wird, muss es nach heutigen Auflagen abgenommen werden, was die Arbeiten noch aufwendiger macht. Archut: "Die Zeit drängt wirklich sehr."

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