Kommentar zur Jugendgewalt in Bonn: Kein neues Phänomen

Kommentar zur Jugendgewalt in Bonn : Kein neues Phänomen

Dass Oberbürgermeister Ashok Sridharan so schnell gehandelt hat und noch im Mai viele Vertreter von Stadt, Polizei und Kirchen an einen Tisch gebracht hat, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Auch das Maßnahmenpaket liest sich gut: Ein Grünschnitt am Rondell an der Rheinallee, mehr Licht, die Umgestaltung des Areals in Bahnhofsnähe, die Aussicht auf mehr Videoüberwachung, mehr Polizei- und Ordnungsamtspräsenz und ein stadtweites Konzept zur Gewaltprävention werden mit Sicherheit dazu beitragen, dass Bonn im Allgemeinen und Bad Godesberg im Speziellen (zumindest ein wenig) sicherer werden – wenn die Vorschläge denn tatsächlich umgesetzt werden.

Es bleibt ein fader Beigeschmack

Doch obwohl es viel zu loben gibt, bleibt ein fader Beigeschmack. Warum treffen sich die Protagonisten erst jetzt? Warum musste erst ein 17-Jähriger ums Leben kommen, um festzustellen, dass es im Bonner Stadtgebiet – und nicht nur im Bezirk Bad Godesberg – Probleme gibt?

Auch wenn nun an vielen Ecken zu hören ist, dass früher alles besser war: Jugendkriminalität, Gewalt unter jungen Menschen, gesellschaftliche Konflikte und Spannungen unter verschiedenen Kulturen sind kein neues Phänomen. Auch in Bonn nicht.

In einem Interview, das der General-Anzeiger 1990 mit dem damaligen Vorsitzenden der Bonner Gewerkschaft der Polizei führte, war zu lesen, dass „Bürger zunehmend über Kriminalität eingewanderter Volksgruppen“ klagen.

1997 gab es Überschriften wie „Jugendkriminalität auf dem Vormarsch“ und „Zunahme von Gewalt von Kindern“. Die Schlägerei, die zur Zwei-Welten-Diskussion in Bad Godesberg führte, liegt mittlerweile neun Jahre zurück. Es ist unbestritten, dass sich seitdem einiges getan hat. Aber es war offensichtlich nicht genug. Sonst wäre es nicht nötig gewesen, einen Runden Tisch ins Leben zu rufen. Nun bleibt zu hoffen, dass den Worten endlich Taten folgen.

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