Graffiti in Bonn: Kein Kavaliersdelikt: Immense Kosten für Stadt, SWB und Hausbesitzer

Graffiti in Bonn : Kein Kavaliersdelikt: Immense Kosten für Stadt, SWB und Hausbesitzer

Dieser "Dumme-Jungen-Streich" wird teuer. Auf rund 10.000 Euro beziffern die Stadtwerke Bonn den Schaden, den offensichtlich zwei 14- und 15-Jährige verursacht haben. Mit wilden Malereien und unerkennbaren Schriftzügen (sogenannten "Tags") beschmierten sie 19 Straßenbahnwaggons im Depot der Stadtwerke in Beuel.

Auch wenn in diesem Fall schnell zwei Jugendliche von der Polizei gestellt wurden, nicht immer können die Sprayer zur Rechenschaft gezogen werden. "Graffiti sind für uns ein großes Problem", stellt Veronika John von den Stadtwerken fest. Denn Haltestellen, Busse und Bahnen werden von den illegalen Sprühern offensichtlich besonders gerne als Leinwand benutzt. Mit kostspieligen Konsequenzen.

"Allein im vergangenen Jahr haben wir rund 700.000 Euro für die Beseitigung von Vandalismusschäden bezahlt. Die Entfernung von Graffiti gehört dazu", so John. Zur Kasse werden die Stadtwerke auch einen 26-Jährigen bitten, der am Mittwochabend dabei beobachtet wurde, als er eine Bushaltestelle am Flodelingsweg in Endenich besprühte. Noch in Tatortnähe lief er der Polizei in die Arme, die in seinem Rucksack gleich mehrere Farbdosen und Filzmarker fand.

Die Bonner Polizei registriert jedoch einen Rückgang dieser Form der Sachbeschädigung in ihrem Zuständigkeitsbereich: Während 2011 noch 1121 Delikte angezeigt wurden (die Aufklärungsquote lag bei 20,8 Prozent), waren es ein Jahr später 886 Vergehen (Aufklärungsquote von 17,9 Prozent). Im Bonner Stadtgebiet gab es 2012 insgesamt 593 Anzeigen. Die Zahlen für 2013 liegen allerdings noch nicht vor.

Dennoch: "Graffiti sind keine Kavaliersdelikte sondern Straftaten, die entsprechend geahndet werden. Die Polizei verfolgt konsequent alle angezeigten Schmierereien. Auf die Täter kommen neben den strafrechtlichen auch erhebliche zivilrechtliche Konsequenzen zu", klärt Polizeisprecherin Daniela Lindemann auf.

Nicht nur die 800 Bus- und 81 Bahnhaltestellen sowie die 99 Schienenfahrzeuge und 190 Busse sind immer wieder Ziel der Sprayer, auch Unterführungen, Hauswände und Schulgebäude werden regelmäßig verunstaltet. Ein Problem, mit dem sich auch die Verwaltung beschäftigen muss.

In der Zeit von Dezember 2011 bis Ende Juli 2013 bezahlte die Stadt rund 120.000 Euro allein für die Beseitigung. Besonders betroffen ist dabei die Martin-Luther-King-Straße in Bad Godesberg. "Viele verschiedene Schäden hatten wir in der Vergangenheit in der Rheinaue", so Stefanie Zießnitz vom Bonner Presseamt. Allein dort betrugen die Reinigungskosten rund 4100 Euro. Außergewöhnlich häufig trifft es die Schulgebäude.

Für die Reinigung der Wände an der Gottfried-Kinkel-Realschule in Kessenich waren bis Juli 2013 rund 3000 Euro fällig, für die am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium knapp 2500 Euro und für die Elisabeth-Selbert-Gesamtschule 1200 Euro. Ärgerlich sind allerdings auch die kleineren Schmierereien wie die an der Kreuzbergschule oder der Carl-Schurz-Realschule.

Immer wieder Ziel von Anschlägen war auch das Viktoriabad (1153 Euro), mehrmals die Brückenrampe der Kennedybrücke (insgesamt 2330 Euro) sowie das VHS-Gebäude in der Wilhelmstraße und die Beethovenhalle. Von Januar bis 30. Juli 2013 ließ die Verwaltung Schmierereien an insgesamt 47 verschiedenen Flächen in Bonn beseitigen.

Die Mitarbeiter des Stadtordnungsdienstes (Streifendienst, Bezirksdienst und Verkehrsaußendienst) achten deshalb bei ihren täglichen Kontrollfahrten darauf, ob neue Graffiti an städtischen Gebäuden, Denkmälern und Bauwerken entstanden sind. Bei Bedarf beseitigt eine "Schnelle Eingreiftruppe" kleinere Schmierereien sofort. Wer Verunreinigungen an städtischen Gebäuden entdeckt, kann diese der Graffiti-Hotline des Städtischen Gebäudemanagements (Rufnummer: 0228/775576) melden.

Seit März 2011 existiert zudem die Kooperation "Gemeinsam gegen Graffiti". Unter Leitung der Stadt entwickeln Polizei Bonn, Bundespolizeidirektion Köln, Deutsche Bahn und der Verein Haus & Grund gemeinsam Strategien gegen den Vandalismus. Helmut Hergarten, Hauptgeschäftsführer Bonner Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer, rät betroffenen Privatpersonen zur gleichen Vorgehensweise: "Fotos machen, Anzeige erstatten und schnell entfernen."

Ansprüche gegen Sprayer gelten 30 Jahre lang

Als Graffiti werden die "Malereien im öffentlichen Raum, mit Spraydosen auf Wandflächen, an Bussen und Bahnen an denen der Sprayer keine Rechte hat" bezeichnet. Ein Graffito besteht im Allgemeinen aus dem Namen oder dem Namenskürzel (Tag), einem Logo sowie Begriffen, mit denen der Sprayer sein Anliegen repräsentiert. Illegale Graffiti bleiben ein teures Vergnügen.

Der oder die Verursacher machen sich nicht nur strafbar, sondern sie verursachen schnell einen Schaden von mehreren Tausend Euro. Wer beispielsweise mit 16 Jahren beim illegalen Sprayen erwischt wird, läuft Gefahr, bis zu seinem 46. Lebensjahr dafür zur Kasse gebeten zu werden. Denn die zivilrechtlichen Ansprüche des Geschädigten gegenüber dem Täter gelten 30 Jahre lang.