Kommentar: Kaum Chance für Tangente

Kommentar : Kaum Chance für Tangente

Deutschlands Verkehrsinfrastruktur bröckelt vor sich hin. 20 Prozent der Autobahnen und 40 Prozent der Bundesstraßen haben von Gutachtern Bewertungsnoten zwischen "ausreichend" und "ungenügend" bekommen.

Und dass Autobahnbrücken wie die bei Leverkusen oder eben die Bonner Nordbrücke derart in die Jahre gekommen sind, hängt damit zusammen, dass sie in den 1960er Jahren geplant wurden. Damals hat kein Mensch mit einem derart massiven Schwerlastverkehr gerechnet, von der geöffneten Mauer und dem stark angewachsenen Ost-West-Verkehr mal ganz abgesehen. Der Tausendfüßler wurde übrigens 1959 fertiggestellt.

Die 1960er und 70er Jahre waren die Zeit der kühnen Verkehrsprojekte. Die Sauerlandlinie mit den 62 Talbrücken wäre heute gar nicht mehr umsetzbar. In unserer Region wurde die Meckenheimer Autobahn, die Verbindung der A61 bis Bonn-Nord 1974 freigegeben. Die Anschlussstelle Poppelsdorf sollte eigentlich in einen "Reutertunnel" münden, der den Verkehr an die damals ebenfalls geplante Stadtautobahn B9n geführt hätte.

Und bei Ückesdorf, wo jetzt noch völlig unvermittelt ein Brückenbauwerk steht, sollte ein Autobahnkreuz entstehen. Dort sollte die Südtangente quer übers Katzenlochbachtal durch den Venusberg und Dottendorf zur Südbrücke, über den Rhein durch den Ennert und das Siebengebirge zur A3 führen. Wäre das heute noch möglich?

Das ist schwer vorstellbar. Nicht nur die Kosten wären immens, der Widerstand der betroffenen Bevölkerung dürfte enorme Ausmaße annehmen. Zählt man eins und eins zusammen, also die nötigen Milliarden Euro für die Sanierung der vorhandenen Straßen - die Daehre-Kommission rechnet mit jährlichen Kosten von sieben Milliarden Euro - und berücksichtigt die Uneinigkeit der Region sowie die Auswirkungen auf die Natur, dann stehen die Chancen für die Südtangente äußerst schlecht. Den Befürwortern muss man indes in einem recht geben: Alternativen sind nie ernsthaft in Angriff genommen worden. Und das wird sich rächen.