Kommentar zu Grünen-Politikerin: Katja Dörner hat Chancen auf OB-Posten

Kommentar zu Grünen-Politikerin : Katja Dörner hat Chancen auf OB-Posten

Als Grüne hat Katja Dörner gute Chancen, als Oberbürgermeisterin 2020 das Stadthaus zu übernehmen. Doch Oberbürgermeister Ashok Sridharan genießt den Bonus des Amtsinhabers, meint unser Autor.

Den Bonnern blüht ein spannendes Wahlkampfjahr. Die grüne Bundestagsabgeordnete Katja Dörner wird es Oberbürgermeister Ashok Sridharan nicht leicht machen, sein Amt im Herbst 2020 zu verteidigen. Nie standen die Chancen für die Grünen besser, das Stadthaus zu übernehmen. Klimaschutz und Nachhaltigkeit werden seit den „Fridays for Future“-Demos auch bei Menschen zum Thema, die sich bisher kaum damit beschäftigt haben. Der Bundestrend ist im Moment ein Freund der Grünen. Und bei der Europawahl im Mai waren sie sogar stärkste Kraft in der Stadt und konnten die Bonnerin Alexandra Geese nach Brüssel schicken.

Was Dörner zweifellos fehlt, ist Expertise im Führen eines – manchmal behäbigen – Apparates wie der Stadtverwaltung mit ihren mehr als 6000 Mitarbeitern. Es bleibt auch abzuwarten, wie ihre Ankündigung, den Verkehr mehr auf Fußgänger und Radler auszurichten, bei den Bonner Autofahrern ankommt. Der Straßenraum der Stadt ist knapp – gewinnt der eine, verliert der andere. Nachteilig könnte für Dörner zudem die Abschaffung der Stichwahl sein, die CDU und FDP im Landtag gekippt haben: Von der bisherigen Regelung profitierten eher die kleineren Parteien im Wettstreit mit den CDU-Kandidaten.

Doch unterschätzen sollte man Dörner, die leise auftritt, aber effektiv an politischen Hebeln ziehen kann, auf keinen Fall.

Mit ihrer Kandidatur dürfte es in der Ratskoalition mit CDU und FDP künftig noch stärker knirschen. Und sollten die Freidemokraten einen eigenen Kandidaten küren, muss sich OB Sridharan ernsthaft Sorgen machen. Zwar genießt er den Bonus des Amtsinhabers.

Je mehr Konfliktthemen im Wahljahr aufflammen, umso mehr kann der aber auch zur Bürde werden – von der unsäglichen Bäderdebatte über das Beethovenhallendebakel und mögliche Diesel-Fahrverbote bis zu neuen Spardiskussionen um den Haushalt für das Jahr 2021, in dem Bonn eine schwarze Null schreiben muss. Diese Themen schlagen auch auf Dörner zurück, weil die Grünen im Rat seit Jahren mitregieren. Die personifizierte „Stadt“ allerdings ist: Ashok Sridharan.

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