Flüchtlinge kochen Gerichte aus der Heimat: Kartoffelsalat mit Hühnchen

Flüchtlinge kochen Gerichte aus der Heimat : Kartoffelsalat mit Hühnchen

Der Teig, den Aziz Al Rashedi in der Hand hält, sieht aus wie eine kleine Blume. In der Mitte hat er eine Kuhle geformt, die Ränder sind nach außen hin platt gedrückt.

In die Kuhle streut er Hackfleischfüllung aus Lamm und Rind. Dann wird die Teigtasche verschlossen, landet auf einem Tablett und später in der Bratpfanne. "Kibeh" heißt das Gericht aus Syrien, das er beim Kochen der Soroptimistinnen Bonn-Siebengebirge im Haus Mondial zubereitet.

Damit der Teig nicht austrocknet, muss Mustafa Al Ali ihn immer wieder kneten. Sonst würde er zu hart werden und man könnte ihn nicht mehr formen. Das gibt er aber nicht mit Worten, sondern mit Händen zu verstehen. Der Flüchtling lebt erst zwei Monate in Deutschland und lernt nun langsam die fremde Sprache. Trotzdem traute er sich mit seinem Freund unter zehn Frauen aus Syrien, Tschetschenien und dem Iran. Noch einmal so viele Soroptimistinnen schwirren um ihn herum.

"Wir wollen mit dem, was hier im Topf landet, ein neues Kochbuch herausgeben", sagt Präsidentin Ute Pauling. Nicht so wie die schmalen Fächer der vergangenen Jahre, in denen die Mahlzeiten kurz erklärt und schnell gemacht sind. "Was hier gekocht wird, braucht lange, weil es für die Menschen aus diesen Regionen einen ganz anderen Stellenwert hat."

Deshalb sind die Rezepte meist aufwendig. Und für die Soroptimistinnen schwer zu notieren. "Es gibt keine genauen Mengenangaben, die Frauen und Männer machen das nach Gefühl", sagt Gabriele Rentrop. Deshalb steht eine Waage bereit, im Messbecher werden die Flüssigkeiten abgefüllt. Aber auch die Kombination der Zutaten sind untypisch für die deutsche Küche. So ist unter den Kartoffelsalat, der in der Schüssel kaum vom rheinischen zu unterscheiden ist, Hühnchenfleisch gemengt. So wird daraus mit ein paar orientalischen Gewürzen der iranische "Salat Olvie".

Dass im Haus Mondial gemeinsam gekocht wird, hat auch einen sozialen Hintergrund. "Die Flüchtlinge kommen mit schlimmen Erlebnissen hierhin, sich zu öffnen fällt ihnen schwer", sagt Pauling. Davon ist in der Küche allerdings nichts zu merken, trotz Sprachbarrieren unterhält man sich. Baraa Al Ali, die seit einem Jahr in Bonn lebt, ist froh, nicht wie ein typischer Flüchtling behandelt zu werden, sondern selbst helfen zu können. Was sie zubereiten, wurde beim Muttertags-Benefizkonzert in der Bonner Uni serviert. Zum anderen wird der Erlös des späteren Kochbuchs gespendet.

Rezept für "Koko"

Einen Teig anrühren aus zwölf geriebenen rohen Kartoffeln, sieben Eiern, 1 bis 2 Esslöffel Kurkuma, 3 Esslöffel Mehl, fünf Zwiebeln,

etwas schwarzer Paprika und etwas Minze. Kleine Fladen kneten und die iranischen Reibekuchen in Öl braten. Dazu Reis und Gemüse servieren.

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