Interview mit Litzmann und Schwaderlappen: "Karneval muss gar nicht richtig lustig sein"

Interview mit Litzmann und Schwaderlappen : "Karneval muss gar nicht richtig lustig sein"

Der Bierernst steht den notorischen Vereinsmeiern Fritz Litzmann (Rainer Pause) und Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) ins Gesicht geschrieben. Aber wenn sie Gott, die Welt und Bonn gegen den Strich bürsten, wird klar: Die beiden können Humor.

Unter uns Experten. Wie lustig ist der Bonner Karneval?

Fritz Litzmann: Karneval muss gar nicht richtig lustig sein. Das ist eine ganz falsche Herangehensweise. Er muss geordnet sein! Und das wurde er schon 1823 durch das Festordnende Komitee. Vorher war es reine Anarchie. Da wurden am Rosenmontag Menschen erstochen und Geschäfte geplündert, und so lustig wollten es die Preußen nicht haben. Also haben sie es geordnet, und seitdem machen wir Rheinländer das in diesem Sinn. Ganz ordentlich. Humor muss verwaltet werden.

Hermann Schwaderlappen: Der Bonner Karneval zeichnet sich dadurch aus, dass er stattfindet, ohne dass man viel Spaß dabei hat.

Litzmann: Das ist das Schöne, diese Freiheit, die man hat. Man muss nicht über alles lachen, was hier im Karneval passiert. Zum Lachen ist doch meist nur das, was außerhalb des Karnevals passiert!

Was hat Bonn, was andere Städte nicht haben?

Schwaderlappen: Einen schönen Balkon mit Sicht auf das Siebengebirge. Das kann man aber nur von der richtigen, also der linken Rheinseite, aus sehen.

Litzmann: Und vor allem: kein Nachtleben! Es ist ungerecht, wenn es heißt, Bonn wäre doppelt so tot wie der Friedhof in Chicago, aber doppelt so groß. Nein, Bonn ist größer und das Nachtleben mindestens viermal so tot.

Welches Amt hätten Sie gern in Bonn?

Litzmann: Das kann ich genau sagen. Das, was ich die ganze Zeit schon habe: Hofnarr. Da kann man sagen, was man will. Man kriegt natürlich ab und zu mal einen Tritt – vom König. Aber man tritt dann auf seine Art zurück.

Schwaderlappen: Wird man dafür bezahlt?

Litzmann: Nein, in dem Fall eben nicht von der Stadt, aber vom Volk zuzusagen. Insofern sind wir nicht Hof- , sondern Volksnarren.

Schwaderlappen: Also, ich wär schon gern Oberbürgermeister. Aber ehrenamtlich. In dem Sinn, dass ich letzten Endes nicht haftbar gemacht werde, weil ich das ja nur ehrenamtlich mache.

Litzmann: Und ich bleibe Hofnarr, und trete dich die ganze Zeit.

Schwaderlappen: Das bin ich seit vielen Jahren schon gewöhnt.

Die Stadt hat die Mäuse nicht in der Kasse, aber im Stadthaus ...

Litzmann: Das ist gut so. Es gibt nämlich 142 000 Fehltage wegen Krankheit in der Stadtverwaltung. Das sind 600 Stellen, die immer nicht besetzt sind. In den Schreibtischen stehen dann die ganzen Süßigkeiten und die Liköre rum. Gut, dass die Mäuse für Ordnung sorgen und das beseitigen. Vielleicht sollte man noch ein paar Katzen anstellen. Dann bekommt der OB jeden Morgen sozusagen Mäuse auf den Tisch serviert.

Kann man über das städtische Dienstleistungszentrum auch was Positives sagen?

Litzmann: Ich war da. Zweieinhalb Stunden. Eine Bombenstimmung. Alle waren nett zu mir und sagten: Sie müssen ja genauso warten wie wir! Warten ist etwas ganz Demokratisches. Das macht man gern gemeinsam. Klar, kürzer wär' schöner. Aber so fühlt man sich eben wie im Osten

Schwaderlappen: Vielleicht ist das ein Relikt von vor der Wiedervereinigung …

Litzmann: Ja, manchmal gibt’s Reisepässe, manchmal keine. Manchmal muss man warten, bis es wieder Pässe gibt. Vielleicht gibt es an manchen Tagen keine Pässe, sondern Schwimmausweise. Den nimmt man dann sicherheitshalber, damit man was hat.

Schwaderlappen: Und dann beantragst du einen Schwimmausweis und bekommst auf der Stelle einen Reisepass ausgehändigt.

Bonn diskutiert dem Beethoven-Jubiläum entgegen. Rund 30 Millionen Euro für die Festspiele, mehr als 100 Millionen Euro für die Beethovenhalle. Was kriegen wir hin?

Schwaderlappen: Vielleicht sollten wir einen Sponsor gewinnen. Dann heißt es vielleicht Verpoortenhalle.

Litzmann: Ich finde das sehr vernünftig, wenn die Beethovenhalle erst nach dem Fest fertig wird, dann wird sie beim Jubiläum nicht so abgenutzt. Sehr clever!

Und wie würden Sie das Beethovenfest planen?

Litzmann: Wir würden gleich sagen, es kostet 500 Millionen Euro. Und dann kostet es auch 500 Millionen Euro. Nicht sagen, es kostet nur 30 Millionen Euro, und man braucht dann trotzdem 200 Millionen Euro. Da muss man gleich mit raus. Gut, es kann sein, dass die Leute sagen, dann machen wir keins. Dann eben nicht.

Schwaderlappen: Beethoven-Festspiele – das ist schwierig. Weil der ja nur eine Oper geschrieben hat. Die spielen die Sinfonien rauf und runter, womöglich nur mit 'nem anderen Dirigenten, also immer nur die Orchestermusik, und irgendwann halt immer gleich.

Litzmann: Das Dumme ist: Beethoven hat ja nix Neues mehr geschrieben. Deswegen muss man immer die alten Sachen nehmen. Du kannst ja nix Neues erfinden.

Schwaderlappen: Doch. Mankann lügen.

Litzmann: Ja, das wäre eine Sensation, wenn jemand zufällig jetzt noch 20 Opern von Beethoven finden würde. Oder ein ganz anderes Konzept. Beethoven ist nach Wien gegangen. Warum gehen wir nicht auch alle nach Wien und feiern dort? 50 Millionen Euro werden ja mindestens verballert. Dann nehmen wir 50000 repräsentative Bonner Bürger, denen stecken wir 1000 Euro in die Tasche und feiern in Wien mit den Wienern zusammen. Großartige Idee. Ich wäre dabei!

Schwaderlappen: Aber es könnte doch billiger gehen mit einer Bonner Delegation: Die Pressesprecherin, der OB und vielleicht Frau Wagner fahren zu allen Beethovenkonzerten in der Welt, geben da 'ne Tüte Gummibärchen aus und sagen: Das ist ein Teil unseres Bonner Beethoven-Dingens.

Litzmann: … und berichten dann immer per Handy oder so. #/War wieder mal schön …

Schwaderlappen: Dat wär günstiger, glaube ich.

Litzmann: Ich glaub auch. Aber nicht, wenn wir beide vom Heimatverein Rhenania das machen. Dann wird’s wieder teuer. Weil wir als Vorstand natürlich höhere Auslagen haben!

Blick in die Zukunft: Die Uni-Tiefgarage ist zum Museum erklärt worden. Rheinaue und Alter Zoll stehen unter Denkmalschutz. Haben wir ein Problem mit der Vergangenheit?

Litzmann: Im Grunde ist das ganze linke Rheinufer mehr oder weniger denkmalgeschützt. Kaum kratzt man an der Erdkrume, kommt da so’n Römerarm raus und sagt: He, ich will freigepinselt werden. Dann kommt der Archäologe, und dann ist die Sache schon gelaufen. Das ist ja das Schlimme: Der Archäologe ist der natürliche Feind des Bestatters. Da hat die rechte Rheinseite einen Standortvorteil. Alle Großbauprojekte gehören in Zukunft auf die rechte Rheinseite, weil da früher kein Römer begraben werden wollte.

Schwaderlappen: Das ist ein geschichtsfreier Boden, in dem man ausschachten kann, bis es qualmt. Und wenn mal was gefunden wird, sollte man einfach mit dem Bagger drüberfahren, bisschen Beton drauf, dann ist dat fott. Dann muss man eine Garage nicht extra zum Museum machen. Wir sind ja hier nicht in Neapel.

Litzmann: Was heißt das denn jetzt?

Schwaderlappen: In Neapel ist die U-Bahn seit 35 Jahren im Bau. Alle paar Meter kommen fünf römische Säulen zum Vorschein. Die kommen nie voran.

Litzmann: Aber die sind doch janz anders dran. Die haben ständig die Asche vom Vesuv dabei. Wir sind ja nur potenziell Opfer eines Vulkans, in Maria Laach. Aber wenn der ausbricht, was wollen die dann später ausgraben? Die Beethovenhalle?

Großes Thema in Bonn sind die Bäder. Was läuft da schief?

Litzmann: Da kann ich den OB gut verstehen. Ich wüsste auch nicht, was ich machen soll! Zentralbad oder nicht? Es gibt so viele Bäder. Soll man alle erhalten? Soll man Ja sagen oder Nein? Der Rheinländer kann sich doch nie so richtig entscheiden. Lösung A, Lösung B? Warum kann man nicht einfach mal sagen AB? Wie bei der Blutgruppe. Vielleicht hat der OB ja AB.

Schwaderlappen: Das Rheinwasser ist so sauber, wie alle möglichen Seen, in die wir in Italien und Frankreich immer so reinhüpfen. Warum nicht ein Rheinschwimmbad? Am Ufer mit einem Seilchen absperren, das ist billiger. Es müssen natürlich ein paar Bademeister dabei sein, ist klar.

Litzmann: Das hatten wir doch schon, eines der ersten riesigen Bäder im Rhein. Das war berühmt. Also, da war ich noch sehr jung; so vor 120/130 Jahren.

Schwaderlappen: Das wäre wunderschön und auch billiger. Und du hast wirklich viel Wasser.

Litzmann: Aber das ist eben das Kritische. Wenn Wasser da wäre. Der Rhein verabschiedet sich doch gerade. Dann stehste da und hast ein Luftbad.

Schwaderlappen: Das ist aber auch schön. Es gibt Luftkurorte. Warum soll es nicht Luftbaden im Rhein geben? Das wäre die Zukunft.

Im Gegensatz zum Rheinwasser ist die Bonner Luft gar nicht so schön sauber, wird jedenfalls behauptet. Fahrverbote für Diesel und ältere Autos drohen. Wie sind die Verkehrsvisionen eines künftigen möglichen ehrenamtlichen OB?

Schwaderlappen: Ich sage nur Seilbahn!

Litzmann: Ja, aber das setzt voraus, dass man auch zur Seilbahn kommt. Da hat die Stadtverwaltung einige raffinierte Entscheidungen getroffen. Bei der Renovierung der Kennedybrücke beispielsweise haben wir erwartet, jetzt kommen statt vier sechs oder acht Fahrspuren. Es wurden nur zwei. Und das hat natürlich den Verkehr richtig zum Erliegen gebracht. Da wird man sich erst bewusst, dass eine Brücke ja eigentlich immer nur ne Schummelei ist. Die tut so, als wenn eine Grenze nicht existieren würde. Der Rhein war Tausende Jahre lang Grenze. Aber jetzt wird sie wieder anerkannt. Man kann in Beuel Parkhäuser bauen, die in der Innenstadt werden geschlossen. Dann muss da auch kein Verkehr mehr hin. Alle gehen von Beuel zu Fuß über die Brücke und, wenn kein Rhein da ist, durchs Flussbett. Und dann wird Bonn eine der ersten autofreien Städte.

Schwaderlappen: Und es ist auch gesund. Zwei, drei Kilometer laufen ist einfach ein Gesundheitsprogramm, das ich nicht nur vorschlagen, sondern vorschreiben möchte.

Litzmann: Dann wird Bonn ein Luftkurort und ist mit der Seilbahn stets erreichbar. Luftkurort mit Luftbad und Seilbahn – also schöner kann es gar nicht werden.

Sie sind mit dem Pantheon vom Westen in den Osten gezogen. Ist das schön so?

Schwaderlappen: Osten, das ist der Russe. 70 Jahre war der Osten die große Gefahr. Wir sind im Osten und es ist nicht einfach. Das muss man sagen. Es gibt hier Menschen, das will ich gar nicht infrage stellen, die saufen auch wie die Russen. Insofern ist es schön hier.

Welche Religion hat der Karneval?

Schwaderlappen: Wenn man die Religion zu ernst nimmt, ist man selbst schuld – und Protestant.

Litzmann: Also, jetzt sind wir kurz davor, wo der Karneval aufhört: Aschermittwoch. Gut, dass man mit dem Nubbel einen Prügelknaben hat, der für alle Sünden herhalten muss. Schwaderlappen: Das Stellvertreterprinzip ist das Katholische, und das ist das Richtige.

Litzmann: Sonst wird man die Sünden ja nie los. Fott damit. Aschenkreuz. Wunderbar. Also wenn du Religion ernst nimmst, beginnt die Leidenszeit. Wenn nicht, läuft die Session im Grunde weiter. Es kann sein, dass mir das auf Dauer doch zu viel wär. Wie gesagt: In der sessionsfreien Zeit hat man oft mehr zum Lachen!

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