GA-Serie: "Bonn schreibt ein Kinderbuch": Kapitel vier: Wie Toffy mir meine Angst nahm

GA-Serie: "Bonn schreibt ein Kinderbuch" : Kapitel vier: Wie Toffy mir meine Angst nahm

Hunde auf dem Schulweg. Hauptfigur Sima, die mit der Familie ihres Onkels aus Syrien nach Bonn geflüchtet ist, erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht.

In Syrien kam mir auf dem Weg zur Schule einmal ein zerzauster Hund entgegen und knurrte mich an. Er versuchte sogar, mich anzuspringen! Erschrocken rannte ich damals so schnell ich konnte nach Hause. Seitdem hatte ich Angst vor Hunden.

In Syrien hatten die meisten Kinder Angst, wenn sie schon dieses Wort hörten: Hunde! Es gab dort viele wilde Hunde. Sie streunten völlig frei herum, fast wie Wölfe. Hier in Deutschland war das anders. Die Hunde liefen nie alleine herum, man sah sie immer zusammen mit ihren Besitzern.

Das war neu für mich, und so richtig konnte ich es auch nicht verstehen. Als ich erfuhr, dass meine neue Schule hier einen eigenen, großen Schulhund hat, erschrak ich. Er war sogar von weitem ziemlich groß! Vor ihm hatte ich ganz besonders große Angst. Es musste sich aber immer jemand um den Schulhund kümmern.

Ich hoffte, ich käme nicht dran, da ich noch ganz neu war. Doch heute verkündete der Hausmeister in unserer Klasse: „Sima, heute darfst du den Hund versorgen.“ Was? Ich sollte alleine zu dem riesigen Hund gehen? Vor Angst war ich ganz still. Alle starrten mich an. Dann stotterte ich: „Angst – Syrien wilde Hunde!“

Doch dann meldete sich Paula: „Darf ich Sima helfen?“ Der Hausmeister nickte. „Das kannst du gerne machen, Paula. Dann kümmert ihr euch heute zusammen um Toffy.“ So hieß der Hund nämlich.

Ich war sehr erleichtert darüber, dass ich das nicht alleine machen musste.

Es klingelte, und wir hatten Schulschluss. So holten wir Toffy ab und gingen Richtung Park. Ich überließ Paula die Leine und hielt immer einen kleinen Sicherheitsabstand. Im Park angekommen, musste Toffy erst mal sein Bein heben.

Ich fand es seltsam, dabeizustehen, das kannte ich von zu Hause nicht. Paula fragte mich, ob ich Toffy ein Leckerli geben wollte. Ich schüttelte den Kopf. Lieber wollte ich den Sicherheitsabstand einhalten.

Dann trafen wir einen anderen Hund mit seinem Besitzer. Toffy bellte und ich zuckte zusammen. Zum Glück lief der Hund schnell weiter. „Das ist mein Schulweg“, erklärte Paula, als wir weitergingen. „Und da vorne ist unser Haus!“ Als wir ankamen, reichte sie mir Toffys Leine. „Ich bin gleich wieder da!“

Ganz steif vor Schreck hielt ich die Leine in der Hand. Ich war nun allein mit Toffy. Er spielte mit einem Stock und reichte ihn mir mit seiner Schnauze immer wieder an. Ob er spielen wollte?

Ich löste die Leine vorsichtig von seinem Halsband. Dann warf ich den Stock auf die Wiese vor uns. Toffy rannte sofort hinterher. Er brachte mir den Stock, ich nahm ihn vorsichtig aus seinem Maul und warf ihn noch mal. Das Spielchen wiederholten wir mehrmals.

Ich bekam langsam Spaß daran, mit ihm zu spielen, und meine Angst verschwand immer mehr. Vom vielen Werfen war ich ganz schlapp und setzte mich auf eine Bank vor dem Haus. Da sprang Toffy neben mich und legte seinen Kopf auf meinen Schoß. Das fand ich schön. Behutsam streckte ich meine Hand aus, und begann, ihn zu streicheln.

Als Paula wieder aus dem Haus kam, staunte sie, wie wir beide da so saßen. „Na, ihr beide seid aber schnell Freunde geworden!“

Ich musste grinsen, denn sie hatte Recht. Noch vor ein paar Stunden hatte ich große Angst vor Hunden wie Toffy gehabt, die jetzt völlig verschwunden war.

Auf dem Rückweg zur Schule sagte ich: „Später Haus, auch Hund. Aber kleiner!“ Paula lachte, und Toffy bellte laut dazu.