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Bonner Polizei: So viel Personal wie in keinem anderen Deliktsfeld: Kampfansage an Einbrecher

Bonner Polizei: So viel Personal wie in keinem anderen Deliktsfeld : Kampfansage an Einbrecher

Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, Brechstange in der Hand, einen Rucksack für den Abtransport der Beute!? "So sieht längst kein Einbrecher mehr aus", weiß Anca Lehmann, Leiterin des Einbruchskommissariats bei der Bonner Polizei. "Wir haben es heute mit seriös gekleideten Frauen, Kindern und Jugendlichen sowie Herren im besten Rentenalter zu tun. Einen Einbrecher erkennt man nicht an seinem Äußeren."

Allein am Wochenende registrierte die Bonner Polizei 38 Wohnungseinbrüche. Aufs ganze Jahr betrachtet, scheitert jeder zweite Einbruchsversuch, mit Beginn der dunklen Jahreszeit hat der Kampf gegen Eigentumsdelikte oberste Priorität. Dafür werden seit Oktober zusätzliche Mitarbeiter aus anderen Bereichen eingebunden.

"Neben der Bündelung der Ermittlungen in einem eigenen Kriminalkommissariat, einer qualifizierten Spurensuche und einem schnellen Informationsaustausch mit anderen Polizeibehörden, setzen wir dafür so viel Personal ein wie in keinem anderen Deliktsfeld."

Diese Strategie geht offenbar auf. Dass eine routinemäßige Beobachtung schließlich zur Überführung von Tätern führt, das zeigt ein aktuelles Beispiel. Einer Streifenwagenbesatzung waren an einem Parkplatz in Bad Godesberg zwei Fahrzeuge aufgefallen, die auffallend langsam fuhren und die Gegend offenbar ganz genau erkundeten. Die Beamten überprüften die Männer, notierten Personalien sowie Kennzeichen und ließen sie schließlich weiterfahren. Alle Informationen wurden jedoch in einer entsprechenden Mitteilung im Computer gespeichert.

"Wir zeigen Präsenz"

Als dann zwei Tage später in der Umgebung ein großer Einbruch verübt wurde und im Zuge der Ermittlungen eines der beiden Kennzeichen auftauchte, war alles nur noch ein Kinderspiel. "Treffer", freut sich Ulrich Sievers, Leiter der Kriminalinspektion Allgemeine Massenkriminalität, über den Erfolg dieser Strategie.

Rund 20 bis 30 solcher kleinen Berichte werden nach routinemäßigen Kontrollen pro Tag an die zuständige Dienststelle geschickt und sind im Computer jederzeit abrufbar. "Unsere Polizisten und Kollege Computer sind ein unschlagbares Team", lobt Lehmann.

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Als Kampfansage gegen Haus- und Wohnungseinbrüche hat die Bonner Polizei verschiedene Strategien in einer "Besonderen Aufbauorganisation" (BAO) gebündelt. Dazu gehören auch die Brennpunktstreifen. "Wir zeigen Präsenz", erläutert Anca Lehmann. Damit wolle man nicht nur potenziellen Verbrechern demonstrieren, dass die Polizei vor Ort ist, sondern "wir wollen auch dem Bürger vermitteln, dass wir jederzeit angesprochen werden wollen". Als weitere Maßnahme ist die "Umfeldbefragung" ausgebaut worden.

Unmittelbar nach einem Einbruch werden in der Nachbarschaft Hinweise gesammelt, die schließlich in ein Puzzle eingefügt werden. "Jede noch so kleine Beobachtung nehmen wir ernst", so die Kommissarin. Zudem findet an jedem Tatort eine qualifizierte Spurensicherung statt. Denn: "Jeder Einbruch, den wir verhindern können, ist besser als einen aufzuklären."

30 Sekunden bis maximal eine Minute Zeit kalkuliert ein Dieb, um in eine Wohnung zu kommen

Rund 30 Sekunden bis maximal eine Minute Zeit kalkuliert ein Dieb, um in eine Wohnung zu kommen. Scheitert er innerhalb dieser Zeit, gibt er sein Vorhaben meist auf. Hat er sich allerdings Zutritt verschafft, dann ist er auch schnell wieder draußen. "Die meisten Opfer machen es ihm wirklich leicht", beobachtet Ulrich Sievers immer wieder.

Gleich im Flur würden sie oftmals eine Handtasche mit Portemonnaie, Handy und einem Autoschlüssel finden. Vielen reiche das als Beute. Den Kontakt mit ihren Opfern würden Diebe jedoch scheuen. "Einbrecher sind Fluchttäter. Das heißt: Sie wollen schnell rein, Beute machen und schnell wieder raus", so die Polizistin.

Dabei kann jeder dazu beitragen, seine eigenen vier Wände vor unliebsamen Besuchern zu schützen: Haus- und Wohnungstüren sollten stets abgeschlossen und nicht nur zugezogen werden, der Einbau abschließbarer Fenstergriffe sowie umlaufende Pilzkopfverriegelungen stellen ebenfalls ein Hindernis dar. [kein Linktext vorhanden]

Wer über die Feiertage verreist, der sollte vortäuschen, dass sein Heim bewohnt ist. Das kann man schon durch die geschickte Einstellung verschiedener Zeitschaltuhren erreichen. Auch das tägliche Leeren des Briefkastens ist im Idealfall geregelt. "Aber bitte nicht schon Tage zuvor die Mülltonnen herausstellen. Dann weiß wirklich jeder, dass niemand zu Hause ist", appelliert Lehmann, die bei längerer Abwesenheit auch gerne eine Fernsehlicht-Attrappe einschaltet.

Nicht den Helden spielen, sondern Hilfe holen, appelliert die Polizei. Wer Verdächtiges beobachtet hat, der kann sich entweder an das Servicetelefon der Polizei unter 0228/15 76 76 (während der normalen Bürozeiten) oder über den Notruf 110 melden.