Bonner Busse und Bahnen: Kameras entlarven Taschendiebe

Bonner Busse und Bahnen : Kameras entlarven Taschendiebe

Auch Diebe fahren mit Bus und Bahn. Anfang Mai häuften sich Polizeimeldungen über Taschendiebstähle im öffentlichen Verkehrsmitteln. Polizei und Stadtwerke setzen bei der Aufklärung vor allem auf Videoüberwachung in Bussen und Bahnen.

An einem Montag Anfang Mai wurde innerhalb von sechs Stunden drei Senioren in Bussen mit unterschiedlichem Ziel die Geldbörse aus Taschen oder Rucksäcken gestohlen. Tags darauf entwendeten zwei Frauen in einem Bus der Linie 609 einer dritten Frau Geld und Ausweispapiere. Zwei Tage später hatte es eine Frau am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) auf die Handtasche eines weiteren Opfers abgesehen. In diesem Fall war die Gegenwehr allerdings erheblich. Selbst als die angegriffene Frau dabei zu Boden stürzte, ließ sie nicht los. Stattdessen schlug sie die Diebin mit energischen Fußtritten in die Flucht.

Ob Diebstähle in öffentlichen Verkehrsmitteln tatsächlich vermehrt vorkommen, kann die Bonner Polizei nicht sagen. „Wir führen darüber keine Statistik“, sagt Hauptkommissar Simon Rott von der Polizeipressestelle. Oft falle den Opfern der Verlust ihrer Wertsachen erst einige Zeit nach dem Diebstahl auf. Der tatsächliche Tatort sei damit schwer zu ermitteln.

Taschendiebe suchten allerdings bevorzugt die Enge, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Bonner Polizei. Sie „treten besonders im Gedränge auf, so zum Beispiel auch beim Ein- und Aussteigen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch im Innenbereich von gut gefüllten Bussen und Bahnen.“ Eine typische Masche: Die Täter setzen oder stellen sich dicht neben ihr Opfer und verwickeln es zur Ablenkung sogar oft gezielt in Gespräche.

Bei den Bonner Stadtwerken (SWB) kennt man das Problem. Inzwischen seien deshalb in allen Bussen und fast allen Stadtbahnen Überwachungskameras installiert, berichtet Unternehmenssprecher Werner Schui. Deren Aufnahmen würden jeweils für 48 Stunden gespeichert und bei konkreten Anfragen der Polizei oder Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt. „Das kommt in den meisten Wochen mehrere Male vor“, sagt Schui. Auch die Gesichter der beiden Frauen, die im Bus 609 zuschlugen, wurden so in Farbe aufgezeichnet.

Die SWB-Mitarbeiter selbst hätten keinen Zugriff auf diese Daten, sagt Schui. Die Kameras sind auch – anders als viele Fahrgäste glauben – nicht direkt mit der Leitstelle verbunden. Opfer können also nicht darauf hoffen, dass jemand ihre missliche Lage direkt verfolgt und Hilfe schickt.

Anders ist das in den unterirdischen Haltestellen der Stadtbahn. Dort hängen seit ihrem Bau in den 70er Jahren Kameras, die ihre Live-Bilder direkt in die SWB-Leitstelle senden. „Außerdem gibt es an den Haltestellen Panikknöpfe“, berichtet Schui. Wird dort Alarm ausgelöst, richtet sich eine Kamera direkt auf den um Hilfe Rufenden. Ein Mitarbeiter der Leitstelle kann im Ernstfall entsprechend schnell Polizei oder Rettungsdienst verständigen.

An den Bushaltestellen und den oberirdischen Haltepunkten der Stadtbahn ist die Videoüberwachung hingegen stark eingeschränkt oder nicht möglich. Das Datenschutzrecht setzt Privatunternehmen wie den SWB im öffentlichen Raum enge Grenzen. Schließlich hat jeder Bürger das Recht, sich unbeobachtet durch die Stadt zu bewegen. Nur an Schwerpunkten der Kriminalität kann die Kommune in Abstimmung mit der Polizei Überwachungskameras installieren.

Wie oft die Überwachung tatsächlich hilft, Täter dingfest zu machen, ist höchst umstritten. Auch in Bonn gibt es dazu keine validen Daten. Weder Polizei noch SWB können oder wollen gegenüber dem GA die Anzahl der Bildauswertungen beziffern. Die Foto-Fahndung nach den beiden mutmaßlichen Diebinnen im Bus 609 hatte Erfolg. Die vermeintlichen Täterinnen wurden identifiziert, teilte die Polizei inzwischen mit. Verurteilt sind die Frauen damit freilich noch nicht. Die Ermittlungen dauern an.

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