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Kritik an zu wenig Kitaplätzen: Jugendamt verspricht mehr Kitaplätze für Bonn

Kritik an zu wenig Kitaplätzen : Jugendamt verspricht mehr Kitaplätze für Bonn

Laut Jugendamt gibt es in Bonn genug Kitaplätze für Kinder über drei Jahre. Die Fachstelle für interkulturelle Bildung sieht das anders: Sie beklagt, dass nicht genug Plätze zur Verfügung stehen.

Laut Jugendamt stehen in Bonn rechnerisch mit einer Quote von 98 Prozent ausreichend viele Betreuungsplätze für Kinder über drei Jahre zur Verfügung. Die Planung gehe von einer Inanspruchnahme durch alle Kinder aus. „Aber noch immer wünschen nicht alle Eltern einen Kindergartenplatz für ihre Kinder“, antwortet das Jugendamt auf Anfrage des General-Anzeigers.

Im nächsten Kindergartenjahr steige die Quote auf 100,9 Prozent. Der GA hatte über die Ergebnisse des neusten städtischen Sprachstandtests „Delfin 4“ berichtet. Danach weisen über 53 Prozent der Vierjährigen ohne Betreuung in einer Kindertagesstätte (Kita) Sprachförderbedarf auf, und zwar durchaus auch Kinder aus deutschsprachigen Familien. Die Verwaltung hatte im Schulausschuss berichtet, dass für alle über Dreijährige Kita-Plätze zur Verfügung stünden.

Problematisch mit Blick auf ältere Vorschulkinder

Marlies Wehner und Soukaina Nouri von der Fachstelle für interkulturelle Bildung und Beratung (FiBB) hatten sich daraufhin mit der Meinung an den GA gewandt, „dass es der Stadt nicht gelinge, für alle Kinder über drei Jahre rechtzeitig einen Kita-Platz anzubieten, obwohl dazu ein Rechtsanspruch besteht.“ Als Beraterinnen im Haus Vielinbusch in Tannenbusch erführen sie, dass auch das städtische Familienbüro auf „die schwierige Situation“ verweise, „dass zurzeit im gesamten Stadtgebiet keine freien Kita-Plätze zur Verfügung stehen.“

Dies sei besonders problematisch mit Blick auf ältere Vorschulkinder. „Wir haben mehrere Fälle dokumentiert, in denen Eltern für vier- oder gar fünfjährige Kinder verzweifelt irgendwo in Bonn einen Kita-Platz suchen, damit ihre Kinder die ihnen zustehende Förderung erhalten“, so Wehner und Nouri. Wenn Kinder jedoch nicht rechtzeitig eine Kita nutzen könnten, fehlten ihnen die notwendigen Grundlagen für den späteren Schulerfolg.

In Bonn würden neue Kitas grundsätzlich so aufgestellt, dass sie allen Kindern vom ersten Lebensjahr an die Möglichkeit bieten, bis zum Beginn der Schulpflicht in ihrer Kita zu bleiben, nimmt wiederum das Jugendamt dazu Stellung. „Es werden also immer auch neue Plätze für Kinder ab dem dritten Lebensjahr geschaffen.“

Lösung liege im weiteren Ausbau der Kita-Plätze

Unter anderem führten aber permanent steigende Kinderzahlen, Platzreduzierungen nach Aufnahme von Kindern mit Förderbedarf und Rückstellungen von Kindern von der Schulpflicht dazu, dass Kinder vor allem im bereits laufenden Kindergartenjahr keinen geeigneten Platz fänden. Dabei spiele auch eine Rolle, dass das Finanzierungssystem des Kinderbildungsgesetzes die Belegung aller Plätze bereits zum Beginn des jeweils neuen Kindergartenjahrs vorsehe.

Hinzu komme, dass längst nicht alle Eltern für ihre Kinder einen Platz in der Kita ihres Wohnquartiers wünschten. Eltern mit geringerer Mobilität fänden deshalb unter Umständen keinen Platz in der Nähe ihrer Wohnung. Dem Amt sei dies bewusst. Die Lösung liege allein im weiteren Ausbau der Kita-Plätze und, für die Kinder unter drei Jahren, der Tagespflege. „Dazu werden alle Anstrengungen bei gleichzeitig enormen Schwierigkeiten, Grundstücke für Neubauten zu finden, und nicht ausreichend vielen Erziehern am Arbeitsmarkt unternommen“, so das Jugendamt.