Debatte über Kinderarmut im WOKI: Jedes fünfte Bonner Kind lebt in relativer Armut

Debatte über Kinderarmut im WOKI : Jedes fünfte Bonner Kind lebt in relativer Armut

Der Verein Lucky Luke diskutiert mit der Bonner Sozialdezernentin Carolin Krause, der Bundestagsabgeordneten Katja Dörner (Grüne) und Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werks über Kinderarmut in Bonn. Angestoßen wurde die Debatte von einem Kurzfilm.

Der Kurzfilm, der künftig deutschlandweit in den Kinos vor dem Hauptfilm zu sehen sein wird, setzt zwei Kinderwelten nebeneinander: In der einen spielt ein Mädchen in einem schicken Kinderzimmer mit Holzschiffen. In der anderen ist es ein karger Raum, die Schiffe sind aus Papier gefaltet, im Hintergrund bricht die Wand weg und offenbart eine triste Hochhauskulisse. Es geht um Kinderarmut, und diese war Thema bei einer Veranstaltung am Dienstag im Woki, wo dieser Spot gezeigt wurde.

Der Abend unter dem Titel „Kinder- und Familienarmut betrifft uns alle“ wurde vom Runden Tisch gegen Kinder- und Familienarmut in Bonn sowie federführend vom Buschdorfer Kinder- und Jugendverein Lucky Luke ausgerichtet. Neben Grußworten vom Bonner Caritas-Chef Jean-Pierre Schneider und Oberbürgermeister Ashok Sridharan sowie einem Auftritt der Trommelkids aus dem Dransdorfer Familienzentrum im Vogelsang gab der ehemalige Sozialdezernent von Bornheim, Markus Schnapka, einen Überblick über Statistiken zur Kinderarmut, die die Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht hat: Danach lebt jedes fünfte Bonner Kind in relativer Armut, also am unteren Ende der Verteilungsskala, und erlebt soziale Ungleichheit im Umfeld. „Das ist eine Zahl, die einen gesellschaftlichen Skandal darstellt in einem reichen Land“, so Schnapka. „Und Bonn ist eine reiche Stadt.“

Grüne fordern Kindergrundsicherung

Dann wurde diskutiert: Moderator Schnapka hatte die Bonner Beigeordnete und Dezernentin für Jugend, Soziales und Bildung, Carolin Krause, die Bundestagsabgeordnete Katja Dörner (Grüne) und Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werks in Bonn zu Gast, denen auch das Publikum Fragen stellen konnte. Krause betonte, dass die Bonner Stadtverwaltung das Thema Kinderarmut als sehr wichtig erachte: „Wir müssen erkennen, dass die Schere weiter auseinandergeht.“ Dörner brachte die von ihrer Fraktion ausgearbeitete Kindergrundsicherung ins Gespräch, ein vom Einkommen der Eltern unabhängiger Ersatz für Kindergeld und Kinderfreibetrag mit Sonderregelungen für Geringverdienende. „Wir müssen die Familienförderung vom Kopf auf die Füße stellen.“ Dazu gehöre zum Beispiel, dass das Kindergeld nicht mehr auf die Sozialleistungen angerechnet werden dürfe.

Hamacher wünschte sich diese Grundsicherung schon 2020. Die Bundesregierung habe bislang nichts getan, um Kinderarmut zu bekämpfen, sondern nur an den Folgen „rumgedoktort“. Er forderte deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum, bessere Ausstattung der Bildungseinrichtungen mit Personal und Sachmitteln, mehr Geld und „politische Kraft“. Außerdem wünschte er sich als Moderator des Runden Tisches einen intensiven Dialog mit der Stadt Bonn. Man müsse alles dafür tun, sagte Krause, „um die Chancengleichheit in Bonn und Deutschland deutlich zu erhöhen“.

Mehr von GA BONN