Deutsche Post plant Bürohaus mit 2500 Arbeitsplätzen: Jamaika-Koalition verzögert Großprojekt im Bonner Bundesviertel

Deutsche Post plant Bürohaus mit 2500 Arbeitsplätzen : Jamaika-Koalition verzögert Großprojekt im Bonner Bundesviertel

Die Gespräche über ein Großprojekt der Deutschen Post DHL Group sind vorerst auf Eis gelegt. Der Konzern plant im Bundesviertel einen Büroneubau, für den mehrere städtische Grundstücke benötigt werden.

Die Stadtverwaltung, die das Projekt befürwortet, wollte sich am Donnerstagabend im Wirtschaftsausschuss die Genehmigung für den Beginn von Verkaufsverhandlungen holen. Doch CDU, Grüne und FDP stellten im nichtöffentlichen Teil der Sitzung überraschend einen Vertagungsantrag.

Nach einer kontroversen Diskussion wurde die Beschlussvorlage ohne Votum in den Planungsausschuss geschoben, der nächste Woche tagt. „Dadurch gibt es keine zeitliche Verzögerung und hoffentlich auch kein falsches Zeichen nach außen“, sagte Guido Deus (CDU), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, am Freitag. „Die CDU steht den DHL-Plänen positiv gegenüber, und wir wären gemeinsam mit der FDP entscheidungsfähig gewesen.“ Die Grünen hätten aber noch „Gesprächsbedarf reklamiert“.

Doch die Post muss sich offenbar bis zum Herbst gedulden. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung hervor, die CDU, Grüne und FDP am Freitag verbreiteten. Es gebe einen klaren Beschluss der Koalition, dass die Stadt nach der Sommerpause eine Rahmenplanung für das gesamte Bundesviertel vorlegen solle. Dabei werde auch die Verkehrssituation berücksichtigt. „Auf dieser Grundlage werden weitere Entscheidungen getroffen“, heißt es in der Erklärung. Auch die Linkspartei unterstützt diese Position. „Für das Bundesviertel existiert eine ganze Reihe von Bauwünschen in zum Teil erheblichem Umfang, die nicht nur einzeln betrachtet werden können“, so Planungssprecher Holger Schmidt. Es stelle sich die Frage, „ob es für die Stadtentwicklung gut ist, auf ein monokulturelles Büroviertel hinzuarbeiten“.

Empört reagierte die SPD auf die neue Entwicklung. „CDU, Grüne und FDP gefährden die Zukunft Bonns durch ihren kleinmütigen Koalitionsknatsch“, ärgert sich der wirtschaftspolitische Sprecher Dieter Schaper. Statt das Engagement der Post zu würdigen, baue man Hürden auf. Victoria Appelbe, Chefin der Wirtschaftsförderung, habe in der Sitzung vergeblich versucht, „dieses unsägliche Vorgehen“ zu verhindern.

Der Konzern will in den Neubau zusammen mit Partner Ten Brinke mehr als 100 Millionen Euro investieren. Ziel ist, die 8000 Bonner Mitarbeiter, die bisher auf 20 Standorte verteilt sind, im Bundesviertel zu konzentrieren. Dazu will die Post auch ein Hochhaus mieten, das Investor Marc Asbeck genau gegenüber dem Post Tower plant. Asbeck braucht deshalb die Zustimmung des Rates, das Gebäude mit 17 statt der genehmigten neun Etagen zu errichten. Auch diese Entscheidung hat die Koalition vertagt.

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