Mit Schere und Kamm: Iranischer Flüchtling in Röttgen will Friseur werden

Mit Schere und Kamm : Iranischer Flüchtling in Röttgen will Friseur werden

Eine Röttgener Friseurmeisterin hat einem iranischen Flüchtling eine berufliche Perspektive gegeben. Wenn der junge Iraner die Einstiegsqualifikation schafft, kann er im nächsten Jahr mit der Lehre beginnen.

Gerade hat Farhad Habibi die frisch gewaschenen Handtücher zusammengelegt und weggeräumt, da schnappt er sich schon einen Besen und kehrt die Haare vom Boden. „Egal was er tut, er macht es immer mit einem Lächeln“, freut sich Ellen Hufschlag-Nellner. „Farhad ist mit so viel Freude bei der Sache, dass es uns allen Spaß macht, mit ihm zusammenzuarbeiten“, ergänzt die Friseurmeisterin, die einen Salon in Röttgen betreibt. Zwar bildet sie seit 21 Jahren aus, doch mit Farhad Habibi geht sie erstmals einen ganz neuen Weg. Denn wenn der junge Iraner die Einstiegsqualifikation in ihrem Salon erfolgreich absolviert, dann kann er im nächsten Jahr mit einer Lehre beginnen. „Das wäre mein größter Traum“, erzählt der 28-Jährige.

2015 ist er gemeinsam mit seiner Frau Fahimeh und der damals einjährigen Tochter Helia aus dem Iran geflohen. Zu Fuß war die kleine Familie zwei Monate unterwegs, bis sie schließlich in Europa ankam. Im September 2016 landete sie in Bonn – zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft, seit ein paar Monaten bewohnen sie aber eine Wohnung am Belderberg.

Beim Einkaufen in einem Drogeriemarkt mit ihrer Mutter bandelte Helia dann mit der Poppelsdorferin Sigrid Taraz an. „Sie lächelte mich an und verfolgte genau, was ich machte, winkte mir zu und lächelte erneut“, erinnert sich Taraz. „Liebe auf den ersten Blick sozusagen.“ Schnell kamen die beiden Frauen ins Gespräch und Fahimeh Habibi erzählte von ihrer Flucht und dem Neuanfang in Bonn. „Da war mir klar, dass ich die junge Familie unterstützen will“, erzählt Taraz. Ihr Freundeskreis sammelte Möbel sowie Wäsche. Taraz begleitete das Paar bei Behördengängen und war Ansprechpartnerin in allen Belangen. „Bei einem Treffen hat mir Farhad dann erzählt, dass er im Iran als Friseur gearbeitet hat und hier gerne eine Ausbildung in diesem Beruf machen würde.“

Mit Ellen Hufschlag-Nellner fand die engagierte Poppelsdorferin dann eine Friseurmeisterin, die Farhad Habibi eine Chance geben wollte. „Ganz einfach war das natürlich nicht“, erinnert sich die Inhaberin des Salons „Hair Cut Bonn“. Gemeinsam mit Handwerkskammer, Ausländerbehörde sowie dem Arbeitsamt wurden die Voraussetzungen geschaffen, damit Farhad seinem Traum ein Stück näherkam. „Er hat mich bei unserem ersten Treffen überzeugt“, freut sich Hufschlag-Nellner über den neuen Mitarbeiter. „So viel Engagement und Flexibilität erlebe ich sonst nicht von jungen Bewerbern.“

Allerdings interessierte die Expertin auch, welche Frisur iranische Männer bevorzugen. Dafür kam Farhad Habibi an einem Trainingsabend mit einem Freund in den Salon und griff zur Schere. „Nun, das Ergebnis war vielleicht nicht nach dem Geschmack deutscher Kunden, doch ich habe genau gesehen, dass Farhad Talent und Geschick hat.“ Vor wenigen Tagen durfte er dann erstmals eine Kundin die Haare färben „und alle Mitarbeiter im Salon waren wirklich begeistert, wie gut er das gemacht hat“, lobt die Chefin.

Läuft alles nach Plan, dann kann Farhad in einem Jahr mit seiner Ausbildung beginnen. Er und seine Frau Fahimeh, die mittlerweile eine zweite Tochter bekommen hat, verfolgen einen Traum. „Wir wollen hier in Frieden leben und arbeiten“, sagt der junge Iraner. „Mehr nicht.“