Alter Friedhof: Ippendorfer kämpfen gegen Schließung ihres Friedhofs

Alter Friedhof : Ippendorfer kämpfen gegen Schließung ihres Friedhofs

Die von der Stadt geplante Schließung des Alten Friedhofes an der Ippendorfer Allee schlägt im Ort hohe Wellen. Das wurde am Mittwochnachmittag bei einer Ortsbegehung deutlich, zu der die SPD eingeladen hatte.

Die einhellige Meinung der rund 20 Teilnehmer: Der Alte Friedhof muss für die Ippendorfer weiter geöffnet bleiben. „Das ist ein Stück Heimat, das wir unbedingt behalten wollen“, sagte ein Bürger, dessen Angehörige dort bestattet sind.

Weil die Stadt Bonn eine ungewöhnlich große Anzahl von 40 Friedhöfen hat und sich die Bestattungskultur verändert hat, hat die Stadt eine Streichliste erstellt, auf der neben dem Alten Ippendorfer Friedhof auch der Alte Kessenicher Friedhof steht.

Hier wie dort sollen keine neuen Bestattungsrechte mehr vergeben werden, ab 2022 soll der Ippendorfer Friedhof auch für Bestattungen in Familiengräbern nicht mehr genutzt werden dürfen. Danach sind notfalls auch Umbettungen möglich, wenn es um Familienzusammenführung geht. „Da muss man sich mal in die Angehörigen reinversetzen“, sagte ein Bürger aufgebracht. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der Leute.“ Pfarrer Bernd Kemmerling steht auf der Seite der Kritiker, er hat auch große Bedenken gegen den geplanten Abriss der kleinen Kapelle. „Das wäre ein unsensibler Akt und würde den Bürgern viele Schmerzen bereiten“, meinte er. Laut Stadt wird die kleine Kapelle sehr selten genutzt, 2012 und 2016 sogar kein einziges Mal.

Pfarrer Kemmerling weiß auch warum: „Die Stadt lässt sich die Nutzung der Trauerhallen gut bezahlen.“ Da sei es klar, dass Hinterbliebene die Trauerfeiern lieber in der Pfarrkirche Sankt Barbara stattfinden ließen.

Auch SPD-Ratsfrau Gabriele Klingmüller, die nach eigenen Worten immer wieder Beschwerden über den ungepflegten Zustand des Alten Ippendorfer Friedhofs erreichen, steht auf der Seite der Bürger: „Der Alte Friedhof hier ist anders als viele andere und passt nicht zur allgemeinen städtischen Argumentation“, sagte sie.

Die Stadt führt ins Feld, durch den erhöhten Anteil an Urnenbestattungen wird auf lange Sicht weniger Friedhofsfläche benötigt; zugleich aber müssten die ungenutzten Flächen weiter gepflegt werden. Langfristig komme somit zumindest theoretisch auch die Arrondierung von Flächen infrage. Für den Alten Ippendorfer Friedhof wird allerdings eine künftige Nutzung für Wohnbebauung ausgeschlossen.

In Ippendorf will man die Pläne der Stadt nicht wahrhaben. Es gebe einige Ehrengräber von früheren Lehrern, es seien auch Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg sowie viele Einheimische dort beerdigt, hieß es. Darauf müsse die Stadt Rücksicht nehmen. Auch der Ippendorfer Heimatforscher Bernhard Berzheim hat hier seine letzte Ruhestätte.

Insgesamt sollen stadtweit 13 Trauerhallen – gegen einigen Widerstand in den jeweiligen Ortsteilen – geschlossen werden, davon zwei im Stadtbezirk Bad Godesberg (Lannesdorf und Mehlem), drei in Beuel (Geislar, Holzlar und Vilich-Müldorf), fünf im Bonner Westen (Röttgen, Kottenforst, Lengsdorf alt und neu, Ippendorf alt) sowie jene auf den Friedhöfen in Kessenich (neu), Lessenich und Graurheindorf.

Der Alte Friedhof in Ippendorf, der in Terrassenform angelegt ist, wird vor allem in seinem unteren Teil kaum noch für Beerdigungen genutzt. Mehrmals sind schon Stücke des Hangs abgerutscht. Die Wege sind überwachsen, das Unkraut sprießt. Die Kapelle ist in einem schlechten Zustand, was einen Bürger zu der Aussage verleitete: „Wenn man eine solche Kapelle so verkommen lässt, hat man auch einen Grund, um sie abzureißen.“

Die SPD setzt sich seit einiger Zeit aktiv mit den Plänen der Stadt auseinander und diskutiert vor Ort mit den Bürgern. Auch auf dem Lessenicher Friedhof gab es bereits einen Ortstermin. Die Partei hält das Konzept für überarbeitungswürdig. An diesem Samstag, 28. April, will SPD-Umweltsprecher Stephan Eickschen mit den Lengsdorfern diskutieren. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der Trauerhalle auf dem neuen Friedhof an der Provinzialstraße/Ecke Uhlgasse. Auch diese Trauerhalle ist von der Stadt zum Abriss vorgesehen. An dem Ortstermin wird auch Dagmar Hänel vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte teilnehmen, eine Expertin für Friedhofskultur.

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