Kommentar zur Baustelle Nordfeld: Investor am langen Hebel

Kommentar zur Baustelle Nordfeld : Investor am langen Hebel

Die Stadt nimmt mit dem Verkauf des Nordfelds viel weniger ein als erhofft. Überraschend dürften die Wertminderung allerdings nicht kommen.

Bonn. Schlechte Nachrichten für die Kämmerei und damit alle Bonner Steuerzahler: Die Stadt nimmt mit dem Verkauf des Nordfelds, einem Filetgrundstück am Hauptbahnhof, viel weniger ein als erhofft. Wenn die beginnende Auseinandersetzung um sogenannte Residualkosten beendet ist, werden es vielleicht nicht die vollen 14 Millionen Euro sein, die der Investor „Die Developer“ von der Kommune verlangt. Aber ein hoher Millionenbetrag wird es zweifellos.

Klar: Wenn ein Baugrundstück besondere Tücken aufweist, mindert das den wirtschaftlichen Wert und den erzielbaren Kaufpreis. Das Ärgerliche an dieser Affäre ist, dass die Stadtverwaltung das Ausmaß dieser Tücken nicht vor dem Verkauf gutachterlich ermitteln lassen hat. Und wenn sie jetzt argumentiert, zu den „unerwarteten Funden“ im Baufeld gehörten beispielsweise Bunkertore, reibt sich der Laie verwundert die Augen. Solche Tore treten ja erfahrungsgemäß im Zusammenhang mit Bunkern auf – die keineswegs überraschend irgendwo auftauchen.

Die Developer führen zudem Mehrkosten für die Statik an, weil die Decke der Tiefgarage unter dem geplanten Neubau nicht tragfähig genug sei. Auch das hätte vor Vertragsschluss berechnet sein können. Jetzt aber muss sich die Stadt vom Investor treiben lassen, weil sie ihr stärkstes Druckmittel – die Unterschrift unterm Kaufvertrag – längst aus der Hand gegeben hat.

Keine Frage, 2015 atmete die halbe Stadt auf, weil das jahrzehntelange Trauerspiel um das Bonner Loch endlich ein Ende hatte: Bei der Kaufpreisermittlung war die Stadt aber etwas leichtfertig. Der Vorgang erinnert an den Bonner Bogen. Dort streitet die Stadt mit Investor Ewald Hohr, der sich millionenschwere Kosten für die Entsorgung von Erdreich vertragsgemäß von der Kommune zurückholen will. Auch dort hatte die Verwaltung die Sanierungskosten vorab nicht exakt ermittelt. Und beim Verkauf des Grundstücks, auf dem heute die Rheinlogen stehen, büßte die Stadt laut Rechnungsprüfungsamt rund 700 000 Euro ein, weil sie nicht die volle Quadratmeterzahl berechnet und preismindernde Aufwendungen des Investors nicht ordentlich geprüft habe. In all diesen Fällen wünschte man sich, dass die Verwaltung mit dem Vermögen der Bonner Bürger vorsichtiger umgehen würde.