Kommentar zu Bonner Großbaustellen: Intelligente Koordination

Kommentar zu Bonner Großbaustellen : Intelligente Koordination

Mit einem Baustellenkoordinator will Straßen NRW die Belastungen durch die anstehenden Großbaustellen im Bonner Raum minimieren. Die Personalie ist eine unverzichtbare Instanz. Ein Kommentar von GA-Mitarbeiter Martin Wein.

Die S 13 wird nach Jahren des Wartens und Planens nun endlich – wenn auch ohne Anschluss an die Bonner Innenstadt – rechtsrheinisch gebaut, der Tausendfüßler ersetzt und die Nordbrücke saniert: Alles gute Nachrichten für die Region. Der jahrzehntelange Investitionsstau in der Verkehrsinfrastruktur wird damit ein bedeutendes Stück abgebaut. Jeder Verkehrsteilnehmer wird die Einschränkungen in Kauf nehmen müssen, die sich daraus ergeben.

Zudem war es ein Zeichen der Einsicht seitens der Straßenbauer, für die nötigen Arbeiten den Schulterschluss mit allen Akteuren in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis zu suchen. Aber ein Baustellen-Koordinator ist angesichts der Vielzahl beteiligter Stellen allein bei Straßen NRW keine PR-Maßnahme, sondern eine unverzichtbare Instanz, bei der alle Informationen zusammenlaufen.

Allerdings macht das Vorgehen der Straßenbau-Verwaltung noch nicht den Eindruck, als hätten die dort Verantwortlichen den Ernst der Lage tatsächlich verinnerlicht. Es muss deutlich mehr geschehen, als einen Oberhäuptling nur anzukündigen. Sonst droht nicht nur die Gefahr des Dauerstaus. Es droht auch das Risiko, dass die zahllosen Baustellen sich bei Personal und Baufirmen gegenseitig Konkurrenz machen und sich damit die Fertigstellung absehbar verzögert. Die Koordination setzt – bildlich gesprochen – schließlich erst kurz vor zwölf ein.

Zur Koordination gehört auch die Suche nach intelligenten, vielleicht auch originellen Schlupflöchern für den stockenden Verkehr. Auch die Stadt Bonn muss hier mit Vorschlägen ihren Beitrag leisten. Die Idee, Berufspendler angesichts voller Regionalzüge auch auf die Intercityzüge zwischen Köln und Bonn umzulenken, hat besonderen Charme. Mancher kommt womöglich auf den Geschmack und lässt sein Auto dauerhaft stehen. In anderen Teilen der Republik ist das längst möglich – und technisch praktisch von heute auf morgen umsetzbar. Es kostet nur etwas Geld.

Das Land und die Stadt, die durch unerfreulich hohe Abgaswerte in der Innenstadt demnächst vermutlich sowieso unter Zugzwang geraten werden, sollten aus der Not eine Tugend machen und neben dem Ausbau der Straßen schleunigst für bessere Schienenverbindungen und Fahrradwege sorgen. Ein Jahrzehnt im Dauerstau kann sich die Region schlicht nicht leisten.

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