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Vorbereitungsklasse für Flüchtlingskinder an der Liebfrauenschule: „Integration heißt, dass alle lernen“

Vorbereitungsklasse für Flüchtlingskinder an der Liebfrauenschule : „Integration heißt, dass alle lernen“

An der Liebfrauenschule startet eine internationale Vorbereitungsklasse für Flüchtlingskinder. Die Kinder nehmen am normalen Unterricht teil, werden aber auch in kleinen Gruppen zusätzlich gefördert.

Lilara hat schon viele sinnvolle deutsche Vokabeln gelernt, da sei der Zwölfjährigen diese verziehen: „Supercool“ war ihre Antwort auf die Frage, wie es ihr an der Liebfrauenschule in der Südstadt gefalle. Wichtiger ist, dass sie auf Deutsch ihr Herkunftsland benennen kann: „Ich komme aus Syrien.“ Sie ist eines von 16 Flüchtlingskindern zwischen zwölf und 18 Jahren, die an dem Erzbischöflichen Mädchengymnasium die internationale Vorbereitungsklasse besuchen – ein Pilotprojekt, das am Montag vorgestellt wurde. Dazu hatten sich die Schülerinnen in der Turnhalle versammelt und tanzten unter anderem alle gemeinsam zu dem Song „Break the Chain“, den die „One-Billion-Rising“-Bewegung gegen Gewalt und Unterdrückung von Frauen zum diesjährigen Mottolied auserkoren hat.

Die Flüchtlingskinder nehmen am normalen Regelunterricht teil und kommen an elf Schulstunden in der Woche zusätzlich zusammen, um in kleinen Gruppen je nach Alter und Reifegrad von einer eigens eingestellten Fachkraft Deutsch zu lernen. Für das syrische Mädchen Sidra (13) kein Problem: „Deutsch ist leicht zu lernen.“ Das Projekt startete Anfang Februar und geht zunächst über 24 Monate. Neben dem Erzbistum unterstützen die Universität Bonn, das Katholische Bildungswerk und die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit das Projekt.

Schulleiterin Mechthild Wolber dankte den Lehrern, Eltern und Schülerinnen für ihre große Bereitschaft und ihr außerschulisches Engagement, die 16 Mädchen zu integrieren. Die fühlen sich gut aufgenommen: „Jeder akzeptierte uns und war so freundlich“, sagte Rama (13), die aus dem Libanon kommt.

Als Schirmherrin konnte die ehemalige Bundesministerin Ursula Lehr gewonnen werden. „Flüchtlinge sind Herausforderung und Chance zugleich“, sagte sie. Die Migranten könnten – auch mit Blick auf den bekannten demografischen Wandel – ein Segen für Deutschland sein, „wenn sie integriert sind, sich daheim und zugehörig fühlen“. Man müsse sie schnellstmöglich aus den Sammelunterkünften holen und beschäftigen, sagte Lehr. „Wer keine Aufgabe hat, gibt sich auf.“

Neben dem Unterricht werden weitere Projekte angeboten, darunter „Sich orientieren in Bonn“. Solange die Sprachbarriere da ist, kommuniziere man mit Übersetzungen über mehrere Ecken, so Eva Sewing, die die internationale Vorbereitungsklasse koordiniert. Vieles müsse man auch selber erst mal lernen über die verschiedenen Glaubensrichtungen, meinte der katholische Schulpfarrer Dominik Schultheis. „Integration heißt, dass alle lernen“, sagte Bernadette Schwarz-Boenneke vom Generalvikariat im Erzbistum. Man schaffe im Gymnasium auch Begegnungsräume und wolle die Kinder erst mal behüten, erklärte Wolber. Wichtig sei, „dass derjenige, der betroffen ist, das Tempo vorgibt“, betonte die evangelische Pfarrerin Wibke Janssen.