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Haus der Nutzpflanzenwissenschaften: Institut zieht wegen Sanierung in Container um

Haus der Nutzpflanzenwissenschaften : Institut zieht wegen Sanierung in Container um

Einen ungewöhnlichen Weg geht der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) Köln bei diesem Bauvorhaben. Bevor das schöne alte Gebäude des Instituts für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) an der Nussallee 9 von Grund auf saniert wird, errichtet er für die Lehrenden und Studierenden ein Ausweichquartier.

Was BLB-Sprecher Frank Buch als "Containersiedlung" ankündigt, ist freilich eine Untertreibung. Die 32 Container, die auf der Wiese an der Alten Anatomie zweigeschossig aufgebaut werden, sind Spezialanfertigungen der ALHO Holding aus dem bergischen Land. Im Modulsystem aufgebaut, entstehen hier nicht nur durchaus komfortable Büros und Seminarräume, sondern auch hochmoderne Labors, in denen der Betrieb bis Ende 2015 weiter laufen kann.

Diese "Interimsbauten" - Stahlgerüst mit Alupanelen - sind nach Energiestandard gedämmt und kosten rund 2,9 Millionen Euro. "Das ist für uns ein Pilotprojekt", erklärt Kerstin Zähle, Objektmanagerin beim BLB. "Denn wenn wir bei laufendem Betrieb sanieren würden, würde das wesentlich länger dauern und mehr kosten."

Das Gebäude von 1926 steht unter Denkmalschutz, und das gilt nicht nur für die Grundarchitektur, sondern auch für etliche Details: den auffälligen türkisfarbenen Eingang mit den floralen Mustern, die Fenster, die schwarz-weißen Fliesen in den Fluren. Der Handlauf im Treppenhaus etwa ist nach heutigen Sicherheitsvorschriften zu niedrig.

Aber der Denkmalschutz erlaubt es nicht, einfach ein Gelände drüber zu schrauben. "Wir werden eine durchgehende Glasscheibe ins Auge der Treppe setzen", erläutert Christiane Feger, projektverantwortliche Architektin beim BLB. Gespannt ist sie, ob sich noch die originalen Terrazzostufen unter dem PVC befinden.

Die Fenster werden originalgetreu nachgebaut, die Fenstergriffe übernommen. Auch der Hörsaal X wird in seinen ursprünglichen optischen Zustand zurückversetzt, etwa was die vermutlich in den 1970er Jahren mit grüner Farbe übermalte Holzdecke betrifft. Die Sanierung des Hauses wird 5,3 Millionen Euro kosten.

Das aus Wissenschaftlersicht wichtigste indes sind die Labors. "Die sind geradezu archaisch", so Birgit Hoegen vom Fakultätsmanagement der Uni. "Die entsprechen gar nicht mehr den Laborrichtlinien." Zudem kommen Anforderungen an den Brandschutz. So wird rückseitig ein zweiter Rettungsweg in Form eines zusätzlichen Treppenhauses gebaut.

"Im Prinzip wurde hier jahrelang improvisiert", so Karl Schellander, Professor am Institut für Tierwissenschaften und früherer Dekan der Landwirtschaftlichen Fakultät. "Das freut mich ungemein, dass das Institut endlich grundsaniert wird."

Dem kann sich Professor Jens Léon nur anschließen. Der geschäftsführende Direktor des Instituts weiß, dass jetzt noch zwei schwierige Jahre auf ihn zukommen, denn die 14 Professoren sind auf verschiedene Standorte rund um das Institut verteilt. Denn trotz der 1000 Quadratmeter, die im Interimsinstitut entstehen, reicht der Platz natürlich nicht. Das zu sanierende Institut hat 2600 Quadratmeter.

Viele haben schon gepackt, die Bibliothek ist bereits komplett in Kartons verstaut. Im Oktober soll der Betrieb in den Containerbauten aufgenommen werden. "Aber wir wissen ja, wenn wir zurückkommen, erwartet uns etwas Schönes", meint Professor Léon.