Pauke-Bistro in Bonn: Inklusive Theatergruppe „Fulminant“ spielt „Transit“

Pauke-Bistro in Bonn : Inklusive Theatergruppe „Fulminant“ spielt „Transit“

Kontrakt? Visum? Transit? Visa de sortie? Die bürokratischen Bestimmungen, mit denen Flüchtlinge im Zweiten Weltkrieg konfrontiert waren, könnten den Flüchtenden von heute bekannt vorkommen. Auch das war ein Grund, warum die inklusive Theatergruppe „Fulminant“ das Stück „Transit“ einstudiert hat und Premiere im Pauke-Bistro feierte.

Elf Schauspieler mit und ohne Handicap spielen 33 Szenen, die in eine Lesung des Romans „Transit“ eingebettet sind. Der autobiographische Roman der deutschen Jüdin Anna Seghers beschreibt die Flüchtlingsströme, die 1940 aus ganz Europa in Marseille zusammenliefen.

„Das Stück passt sehr gut in unsere Zeit“, erklärte Sozialpädagogin Ulrike Pyll-Heidkamp, die die Theatergruppe seit zehn Jahren leitet. „Es ist eine ähnliche Situation wie heute: Etwa dieser Bürokratismus, dass man 1000 Stempel braucht, ehe man abfahren kann, aber dann fährt gar kein Schiff.“

Acht der elf Laiendarsteller sind chronisch psychisch krank. „Einige der Darsteller habe ich in meiner Zeit an der Kölner Uniklinik kennengelernt und mit in die Gruppe gebracht“, erläuterte Pyll-Heidkamp.

David Poll zum Beispiel. Er spielt die Hauptrolle in „Transit“, den Ich-Erzähler. „Vor zehn Jahren habe ich in einem Wohnheim für psychisch Kranke gewohnt, wo ich Frau Pyll-Heidkamp kennengelernt habe – seitdem bin ich bei Fulminant dabei“, sagte Poll. Besonders gefalle ihm das gute Arbeitsklima in der Gruppe.

Ein Jahr lang haben die Darsteller auf die Premiere hingearbeitet, zweimal in der Woche wurde geprobt. „Uns häufiger zu treffen, wäre schwierig, auch weil etwa eine Studentin, ein Altenpfleger und eine Sozialarbeiterin dabei sind“, erklärte Pyll-Heidkamp. Ihre Theatergruppe hat mehr Mitglieder, als an der aktuellen Inszenierung beteiligt sind.

Zuletzt hatte „Fulminant“ mit 20 Personen das Musical „Anatevka“ gespielt. Bei der Premiere im Pauke-Bistro haben die Schauspieler die Räumlichkeiten voll ausgenutzt. Einige Szenen spielten mitten im Publikum, andere an der Bar oder auf der kleinen Bühne. Sogar die Wirtin durfte eine Nebenrolle übernehmen und in einer Szene den Roséwein bringen. „Wir sind eben wahrhaftig integrativ“, so Pyll-Heidmann.

„Transit“ ist am Montag, 28. November, ab 19 Uhr noch einmal in der Pauke zu sehen. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen und auf www.bonnticket.de

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