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Rechenweltmeister Gert Mittring: In Quarantäne auf dem Kreuzfahrtschiff MS Artania

Rechenweltmeister Gert Mittring : In Quarantäne auf dem Kreuzfahrtschiff MS Artania

Zwei Wochen lang saßen die mehr als 800 Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff MS Artania wegen des Coronavirus vor der australischen Küste fest. An Bord waren auch Rechenweltmeister Gert Mittring und Petra Larssen aus Bonn.

Zwei Wochen saßen die Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff MS Artania wegen des Coronavirus vor der australischen Küste fest. An Bord waren auch Rechenweltmeister Gert Mittring und Petra Larssen. Beide sind nun wieder in ihrer Heimat Bonn und harren in Quarantäne aus. „Es war eine schwierige Zeit“, erzählt Larssen. Allerdings habe es auch schöne Momente gegeben, die vor allem dem Bonner Reiseveranstalter Phoenix zu verdanken gewesen seien.

Eigentlich sollte die Südseekreuzfahrt von Sydney bis nach Tahiti gehen. Aber schon bei der Landung in Australien war klar, dass die Reise nicht wie geplant verlaufen würde. „Uns wurde mitgeteilt, dass viele Häfen nicht mehr angefahren werden können“, sagt Larssen. Als alternative Route wurde angeboten, bis nach Bremerhaven zu fahren. „Das hielten wir für eine gute Idee, weil man zu diesem Zeitpunkt davon ausging, dass es keinen Coronavirus-Infizierten auf dem Schiff geben würde.“ Doch das stellte sich kurze Zeit später als Trugschluss heraus, 23 Gäste und 13 Crewmitglieder hatten sich infiziert. Mehr als 800 Passagiere waren an Bord – eine einfach Abreise nun unmöglich. Stattdessen ging es von Sydney im Osten des Kontinents ins westliche Fremantle nahe Perth. „Diese mehrtägige Überführung war zum Teil noch angenehm, da wir uns auf dem Schiff frei bewegen konnten“, sagt Mittring. In dieser „außergewöhnlichen Situation“, wie Mittring es beschreibt, hielt er Vorträge, um die anderen Urlauber zu unterhalten. „Das Gedächtnistraining kam gut an.“

Als man dann aber den Hafen anlief, habe sich alles schlagartig geändert – es war klar, dass auch Personen an Bord infiziert waren. Es gab kein Buffet mehr, gegessen wurde in den Kabinen. „Wir konnten Essen bestellen, was aber nur mäßig funktionierte“, sagt Larssen. An einem Tag habe man beispielsweise nur Obst serviert. Um immer über die aktuelle Lage in der Welt informiert zu sein, hielt Kapitän Morten Hansen regelmäßig Ansprachen, die auf die Fernseher übertragen wurden. „Und es gab freies Internet und kostenlose Getränke.“

Was für Unwohlsein sorgte, war die Situation außerhalb des Schiffs. Paparazzi kreisten mit Booten um die Artania, die schließlich im Hafen anlegen durfte. „Wir hatten zwei Schwerkranke an Bord, die behandelt werden mussten, aber nicht wegen des Coronavirus“, erzählt Larssen. Damit niemand anders von Bord ging, überwachten Hubschrauber und Drohnen der australischen Behörden das Schiff. „Es wurde seitens der Australier kommuniziert, dass wir schnellstens den Hafen wieder zu verlassen haben. Das war kein gutes Gefühl“, sagt Larssen, die aber auch Verständnis für diese Situation aufbringt. Dennoch: „Das Schlimmste war diese Ungewissheit. Gerade die letzte Woche war richtig dramatisch.“

Am 25. März kam dann die erlösende Nachricht: Reiseveranstalter Phoenix, deutsche und australische Behörden hatten einen Plan entworfen, die Urlauber bis zum 29. März auszufliegen. Das war nicht üblich: Anderen Schiffen, die dort ankerten, blieb das verwehrt. „Für diesen Einsatz sind wir sehr dankbar“, sagt Mittring. Mit vier Condor-Maschinen ging es über Phuket zurück nach Frankfurt. Gleichzeitig gab es die Information, dass man bald ein Schreiben wegen zu erstattender Kosten erhalten würde. „In so einer Krise merkt man, was einen guten Reiseveranstalter ausmacht. Der ist vielleicht nicht der Günstigste, aber stellt die Gäste in den Mittelpunkt.“