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Nach Schäden an Grabsteinen: In diesem Zustand ist der Alte Friedhof in Bonn

Nach Schäden an Grabsteinen : In diesem Zustand ist der Alte Friedhof in Bonn

Die Vorsitzende des Fördervereins für den Alten Friedhof in Bonn zeigt, wie es mit Verfall, Wildwuchs und Restauration aussieht. Letztes Jahr wurden Gräber durch Arbeiter beschädigt.

Aus den riesigen Platanen am Eingang des Alten Friedhofs klingt Vogelgezwitscher. Ein paar Meter hinter dem Haupttor ist der Verkehr der Bornheimer Straße nur noch dumpf zu hören. „Wir befinden uns auf der zweitgrößten Grünfläche der City und inmitten eines einzigartigen Kulturensembles“, sagt Eva Hüttenhain. Die Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs kennt diesen vor rund 300 Jahre angelegten und unter Denkmalschutz stehenden Gottesacker aus dem Effeff.

Und schlägt auch schon mal Alarm: Etwa als 2018 städtische Mitarbeiter bei einer Standfestigkeitsprüfung acht Grabsteine massiv beschädigten. Der Planungsausschuss für Denkmalschutz forderte daraufhin zügige Reparaturen. Alle damals umgestürzten Steine seien befestigt worden, teilte das Amt für Stadtgrün dem GA auf Anfrage mit.

Hüttenhain macht sich auf die Suche nach den Objekten. Am Familiengrab der aus'm Weerths streicht sie über Reparaturspuren. Der Sandstein war beim Routinetest aus der Mauer gebrochen. „Er ist gut wieder zusammengeführt“, sagt Hüttenhain sichtlich zufrieden. Nicht weit steht das vom Verein für 10.000 Euro restaurierte Grabensemble für Kreisdirektor Philipp Joseph Rehfues.

Ein Stück weiter fährt Hüttenhains Hand an den Blessuren des 2018 beschädigten Kreuzes der Familie Bredow entlang. „Wir haben geweint, so tragisch war es, dass der seltene Marmor in drei Teile zerbrochen war“, sagt die pensionierte Sozialwissenschaftlerin. Auch hier gibt sie grünes Licht.

„Lassen Sie uns nach Stephanus schauen.“ Hüttenhain ist schon unterwegs in die nächste Gräberreihe. Wohin man blickt, haben bekannte Bonner des 19. Jahrhunderts ihre letzte Ruhe gefunden. Trauernd beugen sich kunstvolle Frauenstatuen über die Grabstellen. Gebrochene Säulen, steinerne Urnen und geigende Engel prägen das Bild. Büsten, Reliefs und Medaillons erinnern daran, welche Prominenz hier zu Grabe getragen wurde.

Denkmalschutz wird enger eingebunden

Am Grabstein der Familie Stephanus angekommen, sagt Hüttenhain: „Er war beim Test umgekippt. Jetzt steht auch er wieder.“ Mit der Stadt sei übrigens ausgemacht, dass bei Festigkeitstests jetzt immer der Denkmalschutz dabei sein müsse. Üppiger Farn macht sich auf der Stephanus-Grabfläche breit. „Wir haben jetzt schon über 200 Paten, die sich um Gräber kümmern. Hoffentlich findet sich auch hier jemand“, sagt Hüttenhain. Und weist dann auf ein mit wunderbaren Rosen bewachsenes Nebengrab hin, auf dem ein Pflegeschild des Prälat-Schleich-Hauses der Caritas steckt. Insgesamt fünf Gräber werden von Obdachlosen betreut. Im Morgenlicht blitzt zwischen meist nur noch von struppigem Wildwuchs bedeckten Gräbern schon mal eine frisch genutzte Grabstätte. Auf dem 1884 geschlossenen Friedhof kann sich nur noch beerdigen lassen, wer zuvor Stein- oder Grabpflege übernommen hat.

„Nur mit Paten können wir dem Verfall begegnen“, sagt Hüttenhain und kratzt am Stein für den schwedischen Militär Carl Pontus Lilljehorn, auf dem sich Efeuspuren einfraßen. Fürs Grab des Theologen Karl Heinrich Sack hat die evangelische Kirche gespendet. Fürs Ehrengrab von Mildred Scheel, der Gründerin der Deutschen Krebshilfe, sei nun ebenfalls gesorgt. Auch die Universität engagiere sich. „Sie ist leider klamm mit Geld. Ich muss sie aber unbedingt wieder angehen“, murmelt die Vorsitzende erschrocken, als sie die verwahrloste Ecke um das Tempelchen des Mathematikers Julius Plücker betrachtet. Etwas weiter sind Grabsteine schwer beschädigt oder eingesunken.

Arbeiten werden zügig weitergeführt

An der Mauer zur Bornheimer Straße zeigt Hüttenhain wiederum zufrieden, wie gekonnt die Stadt die Hälfte der Umfassung hat restaurieren lassen. Dem Antrag des Vereins die Arbeiten nun zügig weiterzuführen, haben die Politiker in der Bezirksvertretung Bonn entsprochen. Am schön gepflegten Mauergrab von Beethovens Mutter Maria Magdalena stehen Touristen. Sie beobachten verschreckt, wie sich ein Drogensüchtiger in Sichtweite eine Spritze setzt.

„Wir stellen jetzt einen Bürgerantrag auf Aufstockung der halben Friedhofsgärtnerstelle. Nur permanente Präsenz kann solche Szenen verhindern“, sagt Hüttenhain verärgert. So könne auch dem Wildwuchs Einhalt geboten werden. Sie zeigt auf Flächen, auf denen sich die Natur den Friedhof zurückerobert. Die Touristen haben nach ihrer Kurzvisite kehrtgemacht. Sie passieren Flächen neben dem Beethoven-Grab, die gerade erst von der Stadt wieder hergerichtet wurden. Den längere Zeit erschreckenden Zustand dieser exponierten Gräberzeile hatte kürzlich die Bonner SPD kritisiert – und die Stadt hat prompt reagiert.