Verein "Peter, Paul und Freunde": In der Bonner Altstadt funktioniert die Nachbarschaftshilfe noch

Verein "Peter, Paul und Freunde" : In der Bonner Altstadt funktioniert die Nachbarschaftshilfe noch

Die Mitglieder des Vereins „Peter, Paul und Freunde“ in der Bonner Altstadt setzen sich für die Gemeinschaft im Viertel ein. Das Internet halten sie dabei für überflüssig.

An diesem Freitag ist der erste bundesweite Tag der Nachbarschaft, initiiert vom Onlineportal nebenan.de. Eine komische Sache findet Dieter Schöck vom Nachbarschaftsverein „Peter Paul und Freunde“ aus der Bonner Altstadt. Nachbarschaft spiele sich im realen Leben, in der Wohnung nebenan oder zumindest in derselben Straße, aber nicht im weltweit umspannenden Datennetz ab. „Ich brauche kein Onlineportal, um meine Nachbarn kennenzulernen“, sagt der freischaffende Künstler. 2016 hat er mit weiteren Mitstreitern aus der Altstadt den Verein gegründet.

Schöck erinnert sich noch genau an eine Postwurfsendung, unterschrieben mit zwei Vornamen. Die kannte er jedoch gar nicht. Und Schöck kennt eigentlich die meisten Nachbarn in seiner und den Nebenstraßen. „Ich fand das damals schwachsinnig und oberflächig“, sagt der 63-Jährige. Zumindest betrachtet er diese Postwurfsendung rückblickend als Initialzündung für die Gründung des Nachbarschaftsvereins.

Manchmal sind es die einfachen Dinge, wie die schnelle Hilfe im Haushalt, das Tragen von schweren Möbeln oder Paketen, die eine gute Nachbarschaft ausmachen – und nicht zuletzt die Geselligkeit, wie Schöck sagt, während er aus dem Fenster seiner Wohnküche auf die Peterstraße schaut. Ein gewohntes Bild für seine Nachbarn. Schöck raucht gern am Fenster, und dabei kommt er häufig mit vorbeigehenden Passanten ins Gespräch. So wie mit Uwe Feierabend. In der Altstadt kennt man sich eben. Schöck wohnt in einem der Genossenschaftsbauten aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Dort gab es schon immer ein gutes Miteinander.

Feste und Aktionen

Im Verein geht es aber um weit mehr als um Geselligkeit. Es geht um ein gemeinsames Miteinander, auch wenn es um gestalterische Dinge wie Verkehrsberuhigung oder die Zukunft der Poliklinik geht. Auch da hat der Verein seine Finger im Spiel. Wenn es nach Schöck und vielen anderen geht, soll dort eine Genossenschaft einziehen. Es ist der genossenschaftliche Gedanke, der ihn umtreibt. Genossen sind nämlich keine einfachen Mieter. „Wir sind alle Miteigentümer“, sagt Schöck. Das sei etwas ganz anderes, man identifiziere sich viel mehr mit der Immobilie und pflege sie besser.

Vieles im Verein ähnelt dem Genossenschaftsgedanken, auch wenn beide nichts miteinander zu tun haben. Zwar sind einige Mitglieder gleichzeitig Bewohner der Genossenschaftswohnungen, ein Aufnahmekriterium ist das aber nicht. Auch eine Altersgrenze gibt es nicht. Studenten sind ebenso Mitglied wie Senioren über 70 Jahren. Noch nicht einmal in der Altstadt wohnen müssen Neumitglieder. Wichtig ist es Schöck als Vorsitzendem und Mitbegründer des Vereins, dass die Ziele von jedermann mitgetragen werden. Dazu gehört es, Nachbarschaftshilfe selbst zu organisieren ohne beengte soziale Kontrolle und ohne das Gefühl, man schulde jemandem etwas über den Tag hinaus. Außerdem schafft der Verein Begegnungsmöglichkeiten, regt zum Austausch über nachbarschaftliche Anliegen an und kommuniziert diese öffentlich.

Nachbarschaftsfeste, Straßenflohmärkte und verschiedene Aktionen etwa zur Kirschblütenzeit bilden den programmatischen Teil des Vereins, der zurzeit etwa 60 Mitglieder zählt. Auf den Punkt gebracht, möchte „Peter, Paul und Freunde“ die „sozialromantischen Ideale“ von einem gemeinsamen Miteinander neu beleben.

Mehr Informationen auf peterpaulundfreunde.de.