Jazztube-Festival eröffnet: In den Bonner U-Bahnhöfen erklingt wieder Musik

Jazztube-Festival eröffnet : In den Bonner U-Bahnhöfen erklingt wieder Musik

Das Jazztube-Festival bringt Musik in Bonner U-Bahnhöfe. Zum Auftakt spielten am Freitag vielversprechende Nachwuchsbands. Auch in den kommenden Wochen gibt es zahlreiche Konzerte.

Freitag, 17 Uhr, Rushhour in der U-Bahn. Viele Bonner sind jetzt unterwegs, kommen entweder früh von der Arbeit oder fahren bereits zum Feierabendbier an den Alten Zoll oder in die Rheinaue, um noch ein paar Stunden Sonne zu tanken. Die Haltestellen sind eigentlich nur Durchgangsstationen – doch an diesem Tag bleiben viele Passanten am Hauptbahnhof, an der Station Uni/Markt und an der Heussallee zumindest ein paar Minuten lang stehen. Und lauschen.

Zum inzwischen achten Mal findet jeden Freitag bis zum 20. September an den drei U-Bahnhöfen das Jazztube-Festival statt, das innovativen Bands ein ungewöhnliches Forum bietet. Free Jazz trifft auf lateinamerikanische Rhythmen und die Ästhetik des Grunge, eine Hammond-Orgel auf Saxofon, Gitarre, Cello und mehr. Ein Konzept, das die Straßen- zur Untergrund-Musik erweitert und damit den Nachwuchskünstlern als Sprungbrett dienen will. Mit Erfolg: Jin Jim haben sich hier vor sechs Jahren ausprobiert und sind inzwischen beim Top-Label ACT verpflichtet, und auch die Modern-Jazz-Saxofonistin und Echo-Jazz-Preisträgerin Anna-Lena Schnabel hat in den Tiefen der Bundesstadt ihre ersten Solo-Schritte unternommen. „Genau das will ich ja erreichen“, sagt Initiator Thomas Kimmerle. „Ich freue mich sehr, dass ich einige Künstler fördern kann, die es hinterher weit bringen.“

Die Musiker genießen aber auch einfach das Format, die Umwandlung eines Transitraums zu einem kleinen Konzertsaal. „Ich habe schon ein paar Mal in unterschiedlichen Formationen an der Jazztube teilgenommen und immer sehr viel Spaß gehabt“, sagt etwa Benedikt Hesse, der am Ausgang Thomas-Mann-Straße mit seiner aktuellen Band das legendäre Miles-Davis-Album „Bitches Brew“ mit kubanischem Groove interpretiert. „Für mich hat sich jedes Konzert in den U-Bahnhöfen gelohnt“, so Hesse. „Wir sind tatsächlich etwas bekannter geworden und haben sogar einige besondere Erlebnisse gemacht. Ich erinnere mich insbesondere an einen Auftritt, als eine Schülergruppe aus Israel angefangen hat, zu unserer Musik zu tanzen. Das war großartig.“

Eine Station weiter haben sich mehrere Dutzend Menschen an die Schaukästen gesetzt, um dem Andreas Theobald Organ Trio zuzuhören. Die drei jungen Studenten der Musikhochschule Köln spielen Standards wie „Night and Day“ in einer erfreulich frischen Fassung, aber auch entspannte Eigenkompositionen. Das kommt an. „Ich finde es toll, dass wir in Bonn so viel Auswahl haben“, sagt Shanna, die mit ihrer Freundin Alina für ein paar Minuten am Rand steht. „Wir wollen gleich zu den Stadtgartenkonzerten, aber diese besondere Sound hat uns direkt angesprochen.“ Und wem es nicht gefällt, der geht eben weiter, so wie Harold. „Ich kenne das Format schon länger und schnuppere immer überall rein. Mir gefällt nicht alles – aber manchmal entdecke ich doch etwas Neues.“ Mehr kann die Jazztube nicht wollen.

Weitere Infos unter www.jazz-tube-bonn.de.

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