Gastronomie: In Bonner Restaurants fehlen Kellner und Köche

Gastronomie : In Bonner Restaurants fehlen Kellner und Köche

Den Kneipen und Gaststätten in Bonn fehlt es an qualifiziertem Personal. Experten nennen als Gründe schlechte Arbeitszeiten und die fehlende Lust junger Leute, eine Ausbildung in der Branche zu machen.

Auf der Terrasse der „Kajüte Iberica“ in Graurheindorf steht ein Schild, das den Gast mit der Aufschrift „Biergarten – Selbstbedienung“ empfängt. Was auf den ersten Blick seltsam anmutet, hat einen einfachen Grund: Restaurantinhaberin Angelica Sabino sucht dringend Personal, doch der Markt gibt kaum qualifizierte Kräfte her. Der Personalmangel trifft die ganze Gastro-Branche, weil vor allem Nachwuchs fehlt. Die Ausbildung im Restaurantfach ist für junge Frauen und Männer offenbar wenig attraktiv.

„Die letzen zwei Jahre hatten wir schwer zu kämpfen“, berichtet Sabino. Um einen reibungslosen Betrieb aufrechterhalten zu können, brauche sie etwa acht Arbeitskräfte. Zuletzt seien es fast immer nur drei gewesen. „So sind uns viele Gäste abhandengekommen, weil wir es nicht mehr geschafft haben, alle zu bedienen“, sagt Sabino.

Neue Leute erst nach einem halben Jahr eingearbeitet

Den Grund für den Mangel sieht sie vor allem darin, dass nur wenige junge Leute Lust auf eine Arbeit in der Gastronomie hätten. „Die Dienstleistung ist bei ihnen einfach nicht mehr so beliebt wie früher.“ Ungelernte Arbeitskräfte helfen ihr gerade in der ersten Zeit wenig. „Es dauert mindestens ein halbes Jahr, bis wir neue Leute als Vollkraft zählen.“

Einen Mangel an Beschäftigten im sozialversicherungspflichtigen Bereich in der Gastronomie kann die Agentur für Arbeit in Bonn indes nicht in der Statistik ausmachen. „Wir sehen im Moment keinen Fachkräftebedarf“, sagt Pressesprecher Lars Normann. Im Mai seien etwa im Bereich Gastronomieservice 302 Fachkräfte arbeitslos, aber nur 126 Stellen gemeldet. Das Problem sieht Normann vor allem in der Ausbildung: Unter den zehn Berufen, in denen die meisten Ausbildungsstellen unbesetzt blieben, befänden sich Koch, Fachmann oder Fachfrau für Systemgastronomie, Restaurantfachfrau oder -mann und Hotelfachfrau oder -mann. „Man sieht ganz deutlich, dass es nicht zu einem Marktausgleich gekommen ist.“

Nicht nur die „Kajüte“ hat Pro-bleme, Personal zu finden. Auch das Hotel Sebastianushof in Bad Godesberg hat eigenen Angaben zufolge immer mal wieder mit Engpässen zu kämpfen. Viele junge Leute, die eine Ausbildung begännen, brächen diese später wieder ab. Dies bestätigt auch Elke Rheidt, stellvertretende Geschäftsführerin des Tuscolo Münsterblick. „Der Ausbildungsberuf ist absolut nicht mehr zeitgemäß und muss dringend überarbeitet werden.“ Das Restaurant habe zwar im Moment keinen Kräftebedarf, trotzdem gebe es Zeiten, in denen Personalmangel herrsche. Dies sei wegen der unattraktiven Ausbildung gerade bei gelernten Arbeitskräften der Fall. „Fachkräfte bekommen Sie sowieso nicht mehr“, sagt Rheidt. Das Tuscolo kompensiert die Lücke dann mit angelernten Arbeitskräften, zum Beispiel Studenten.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Nordrhein-Westfalen beklagt einen großen Arbeitskräftemangel. „Dies gilt im Prinzip für das gesamte Branchensegment“, so Pressesprecher Thorsten Hellwig. Als Gründe sieht er sowohl externe als auch interne Faktoren. Zu den externen Faktoren zähle beispielsweise eine steigende Akademisierung oder die weniger gewordenen Schulabgänger. Interne Faktoren wie die Arbeitszeiten in der Branche seien nur zum Teil beeinflussbar.

„Trotzdem müssen wir die Attraktivität der Ausbildung und der Berufe selbst steigern“, sagt Hellwig. Dies sei nur durch ein ansprechenderes Gesamtpaket zu erreichen, weswegen die Ausbildungsqualität noch weiter gesteigert werden müsse. Die Ausbildungsvergütung sei zuletzt schon auf 1000 Euro im dritten Lehrjahr erhöht worden. Aber auch flexiblere Arbeitszeiten seien notwendig, um vielleicht nur vier statt fünf Tage arbeiten zu müssen.

In der „Kajüte“ musste es nach mehr als einem Jahr mit akutem Personalwechsel eine Umstellung im System geben. Im Biergarten an der Estermannstraße mit Blick auf den Rhein herrscht seit diesem Jahr Selbstbedienung. „Die Leute sind jetzt zufrieden, die Erwartungshaltung ist eine andere“, erklärt Angelica Sabino. Auch für das verbliebene Personal wäre es anders nicht mehr machbar gewesen: „Manchmal frage ich mich, wie wir die letzten zwei Jahre überlebt haben.“

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