Meist nur mit Warteliste: Impfstoffe gegen Grippe in Bonn vergriffen

Meist nur mit Warteliste : Impfstoffe gegen Grippe in Bonn vergriffen

Sowohl bei Apothekern als auch bei Ärzten in Bonn gibt es aktuell kaum noch Impfstoffe. Der Engpass ist deutschlandweit dramatisch. Viele Ärzte arbeiten mit einer Warteliste, auf der man sich eintragen lassen kann.

Die Grippeimpfung gerät in Bonn und der Region zur Glückssache: Sowohl bei Apothekern als auch bei Ärzten gibt es aktuell kaum noch Impfstoffe. Der Engpass ist deutschlandweit so dramatisch, dass das Bundesgesundheitsministerium erlaubt hat, Grippeimpfstoffe aus anderen Ländern zu importieren.

Bis diese Chargen jedoch bei den Patienten ankommen werden, kann es noch dauern. „Wie lange, können wir momentan nicht abschätzen“, sagt Brigitte Morgenroth vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen, das für die Zulassung und staatliche Chargenfreigabe von Impfstoffen zuständig ist. Für Patienten gibt es offenbar kaum noch Möglichkeiten, sich impfen zu lassen. GA-Leserin Marina Rieß rief eigenen Angaben zufolge etwa 20 Apotheken in Beuel, Bonn und Königswinter an. „Der Hausarzt meinte, man solle sich den Impfstoff selbst besorgen“, erzählt sie. Denn auch die Ärzte erhalten keine Impfstoffe mehr, die sie häufig bei Apotheken bestellen. Viele arbeiten deshalb mit einer Warteliste, auf der man sich eintragen lassen kann. Sobald neue Ampullen eingetroffen sind, werden die Patienten informiert.

In einigen Online-Apotheken gibt es zwar noch Bestände, dabei handelt es sich aber meist um Zehnerpackungen und nicht um Einzeldosen. Im Oktober und November registrierte das PEI noch eine „ungleiche Verteilung“ der Impfstoffe innerhalb Deutschlands, besonders schlecht sah es im Postleitzahlgebiet 5 aus (der GA berichtete). Doch Ende November wurde immer deutlicher, dass es tatsächlich zu wenig Impfstoff gibt – obwohl die einzelnen Hersteller mehr produziert hatten als im vergangenen Jahr.

„Die Gründe für den Engpass sind vielschichtig“, erklärt Morgenroth. Insgesamt wurden 15,7 Millionen Einheiten hergestellt, die sich in fünf verschiedene Mittel aufteilen. Im Vorjahr waren es 16,9 Millionen bei neun verschiedenen Impfstoffen. Davon mussten in der vergangenen Grippesaison laut PEI rund drei Millionen Ampullen weggeworfen werden. „Das sind dann Verluste, auf denen die Pharmaunternehmen sitzen bleiben.“

Wie viel Impfstoff pro Saison benötigt werde, sei schwer zu berechnen. So melden Apotheken und Ärzte beispielsweise nicht immer ihren Bedarf an. „In dieser Saison gibt es zudem eine hohe Nachfrage, weil die letzte Grippewelle stark war und die Bürger sensibilisiert sind“, so Morgenroth. Die Umstellung von Dreifach- auf Vierfachimpstoffe habe zusätzlich für Verzögerungen in der Produktion gesorgt. Das PEI rät, sich jedes Jahr gegen Grippe impfen zu lassen. „Dadurch verbessert sich nicht nur der Impfschutz, sondern auch die Nachfrage wird besser planbar.“ Engpässe könnten so vermindert werden.

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