Geschenk ans Frauenmuseum: Immerather Jesus steht jetzt in Gertrudiskapelle

Geschenk ans Frauenmuseum : Immerather Jesus steht jetzt in Gertrudiskapelle

Die Gertrudiskapelle im Frauenmuseum ist um eine Attraktion reicher: Familie Moll übergab ihr den Immerather Jesus aus dem Bestand des zerstörten Immerather Doms. Dass er den Weg nach Bonn fand, ist ein Glücksfall.

Was den Bomben im Zweiten Weltkrieg nicht gelang, das besorgten die Abrissbagger im Auftrag von RWE: Am 8. Januar wurde der Immerather Dom wegen des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler II dem Erdboden gleichgemacht. Doch einige Teile der neoromantischen Kirche aus dem Jahr 1890 konnten gerettet werden – etwa das steinerne Kreuz, das sich heute an der Apsis der Kirche Sankt Franziskus in der Nordstadt befindet.

Den Bericht über die Rettung des Immerather Kreuzes las Beate Beißel-Moll im General-Anzeiger: „Ich habe mich gefreut, dass ein Stückchen alte Heimat in Bonn ein neues Zuhause gefunden hat.“ Da erinnerte sich die 50-Jährige an die Herz-Jesu-Figur aus Immerath, die sich noch in ihrem Elternhaus in Mönchengladbach-Wanlo befinden musste.

Nach Rücksprache mit ihrer Mutter Wilhelmine und Bruder Dieter übergab die Familie Moll die Figur dem Bonner Frauenmuseum für die Gertrudiskapelle. „Dort befinden sich ja auch schon einige Steine aus dem Immerather Dom, aus denen einmal ein kleines Glockengestühl für die Gertrudiskapelle erstellt werden soll“, erläutert Beate Beißel-Moll. Über die Schenkung freuen sich Petra Peter-Friedrichs vom Frauenmuseum und der Kustos der Gertrudiskapelle, Curt Delander. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagt der 68-Jährige, der mit seinem Team das Immerather Kreuz sowie einige Steine der Kathedrale für die Nachwelt rettete.

Schon vor dem Abriss des Immerather Doms habe er den Pfarrer der Gemeinde Sankt Lambertus gefragt, ob noch Erinnerungsstücke aus dem Dom vorhanden seien – leider ohne Erfolg. So kam die Herz-Jesu-Figur quasi wie durch ein kleines Wunder nach Bonn. Und das hat die Gertrudiskapelle letztlich auch Karl Schumacher (1891-1957) zu verdanken. Er war von 1940 bis 1953 Pfarrer in Immerath war und schenkte die Figur aus Sankt Lambertus der Familie Moll. Beate Beißel-Moll weiß aus den Erzählungen ihres Vaters, dass sich der Pfarrer damit offenbar für geleistete Arbeiten an der Pfarrkirche in den 1940er Jahren bedankte. „Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei diesen Arbeiten um Hilfe für den Wiederaufbau der Kirche nach dem Kriegswinter 1944/45 handelte“, sagt sie. Denn der Immerather Dom wurde in den letzten Kriegstagen durch Artilleriebeschuss beschädigt und später wiederhergestellt.

Die Familie Moll hat einen Brief von Karl Schumacher verwahrt, in dem er am 9. Februar 1945 seinen beiden evakuierten Messdienern Hans und Anton Moll in thüringischen Schmalkalden schreibt: „Während ich an der Maschine sitze, brausen schwere Kampfflugzeuge über uns hinweg. Wenn sie nur unser Immerath in Ruhe lassen! Wir haben ja schon so manchen Fliegerschaden erleiden müssen. Aber wir wollen froh sein, wenn es dabei bleibt. Möge uns unsere schöne Kirche erhalten bleiben, in der Ihr wie Eure Brüder Joseph und Theo so oft und gern als Altardiener fungiert habt!“

Nach dem Tod der Tante Luise Moll 1996 wurde der Haushalt des Hauses an der Pescher Straße in Immerath aufgelöst – und die Herz-Jesu-Figur kam auf dem Dachboden wieder zum Vorschein. Beate Beißel-Molls Vater Theodor nahm die Figur mit ins benachbarte Wanlo und stellte sie in seiner Schreinerei auf. Beate Beißel-Moll hat als gebürtige Wanloerin einen besonderen Bezug zu den Heimatorten ihrer Eltern. „Wir waren als Kinder fast jedes Wochenende beim Großvater in Immerath oder bei der Großmutter mütterlicherseits“, berichtet sie. Die andere Oma wohnte nicht weit weg in Garzweiler, einem weiteren Ort, der dem Tagebau weichen musste.

Die Gertrudiskapelle ist laut Kustos Curt Delander ein „ökumenisch geweihter Dialograum, in dem ich mit Menschen Kontakt aufnehme, die mit der Kirche lange Jahre unzufrieden waren, aber durch den versöhnlichen und menschlichen Führungsstil unseres Papstes Franziskus wieder Hoffnung geschöpft haben auf einen neuen Weg in der katholischen Kirche“. Die Gertrudiskapelle bietet auch Segnungen für alle Formen von Lebenspartnerschaften an. Über seinen Bezug zur Kirche sagt Delander: „Ich bin Mitglied der weltoffenen Pfarrgemeinde St. Petrus, in der ich mich wohl und angekommen fühle und in der ich auch die Heilige Kommunion austeilen darf. Das sagt alles über den Zeitgeist in dieser wunderbaren Pfarrgemeinde aus.“