Stadt stockt Personal und Fahrzeuge auf: Immer mehr Einsätze für den Rettungsdienst in Bonn

Stadt stockt Personal und Fahrzeuge auf : Immer mehr Einsätze für den Rettungsdienst in Bonn

Die Zahl der Einsätze im Bonner Rettungsdienst ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Die Stadt Bonn stockt Personal und Fahrzeuge auf, die Kosten haben sich fast verdoppelt.

Der Bonner Rettungsdienst wird teurer als gedacht. Für das zweite Halbjahr 2018 muss die Stadt knapp 6,7 Millionen Euro mehr an die Hilfsorganisationen und das Unternehmen Falck zahlen, die sich den Rettungsdienst in Bonn aufteilen. Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich die Kosten fast verdoppelt. Zwar werden die Gebühren komplett durch die Krankenkassen ausgeglichen. Deren Anstieg schlägt sich allerdings auf die Beiträge der Versicherten nieder. Die Hilfsorganisationen können den Rettungsdienst mit seinen Krankentransporten nach eigener Aussage erstmals auskömmlich betreiben.

Der Blick in den Haushaltsplan für das Jahr 2019 verrät nur teilweise, warum der Rettungsdienst für die Stadt Bonn so teuer geworden ist. Die Posten: Personalaufwendungen für 4,9 Millionen Euro, Versorgungsaufwendungen für 1,49 Millionen Euro, sonstige Aufwendungen für 570 000 Euro. Der größte Preistreiber sind jedoch die „Sach- und Dienstleistungen“. Wofür 2016 noch knapp sechs Millionen Euro fällig wurden, muss die Stadtverwaltung ab dem kommenden Jahr 15,6 Millionen Euro einplanen – ab 2023 sogar noch eine Million mehr.

Mangel unter Notfallsanitätern

Das sind Zahlen, hinter denen sich ein stark verändertes Rettungswesen verbirgt. Denn nicht nur die Einsatzzahlen sind rapide gestiegen – binnen fünf Jahren von 28 000 auf 37 000 –, sondern auch das Personal ist teurer geworden. Vor allem durch eine Änderung im Notfallsanitätergesetz. Aus den bisherigen Rettungsassistenten werden Notfallsanitäter. Deren Ausbildung dauert aber drei Jahre, für die frühere brauchte man nur zwei Jahre. Notfallsanitäter werden aber auch gern von Krankenhäusern eingestellt, wodurch sich der Personalengpass verstärkt.

Die Kosten für diese längere Ausbildung geben die Leistungserbringer direkt an die Kommunen und damit die Stadt Bonn weiter. „Es gibt unter Notfallsanitätern wie bei den Kitas einen Mangel“, sagt Stefanie Zießnitz vom Bonner Presseamt. Weniger verfügbare Kräfte auf dem Arbeitsmarkt bedeuteten, dass die Hilfsorganisationen und das private Rettungsunternehmen Falck um das begrenzte Personal buhlten, „und ihm auch höhere Angebote machen müssen“.

Tarifanpassung in Ausschreibung festgehalten

Dass der Stellenmarkt angespannt ist, berichtet auch Georg Fenninger vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Bonn. Die Hilfsorganisation stellt mit dem Arbeiter-Samariter-Bund, den Maltesern und dem Unternehmen Falck den Rettungsdienst in der Stadt sicher. Bisher hätte das DRK mit dem Rettungsdienst jedes Jahr mehrere Zehntausend Euro Verlust gemacht. „Vorher sind diverse Posten einfach nicht eingepreist worden“, sagt Fenninger. Das sei nun anders. Beispielsweise ist für die nächsten viereinhalb Jahre, in denen die Ausschreibung gilt, auch eine Tarifanpassung festgehalten. „Wenn die Tarife steigen, werden sie uns proportional dazuerstattet.“ Um die Masse an Einsätzen bewältigen zu können, sind im neuen Rettungsdienstbedarfsplan Personal und Fahrzeuge aufgestockt worden. So gibt es drei neue Rettungswagen – vorher waren es 14 – sowie zehn zusätzliche Krankentransportwagen.

In der Leitstelle am Lievelingsweg werden zwei neue Einsatzleitplätze eingerichtet. Hinzu kommt ein Rettungsdienststützpunkt, der im Süden Bad Godesbergs eingerichtet wird, um die Hilfsfrist von acht Minuten einhalten zu können. Neu sind auch 25 Ausbildungsplätze für Notfallsanitäter pro Jahr. Gleichzeitig wird ein System für die elektronische Patientendatenerfassung eingeführt.

Kostenexplosion in Bonn

Die Kostenexplosion trifft nicht nur Bonn, wie Sigrid Averesch-Tietz vom Verband der Ersatzkassen erklärt. „Die Maßnahmen, die den Patienten zugutekommen und die dazu beitragen, die gute Qualität des Rettungsdienstes zu verbessern, begrüßen wir“, sagt sie. Deshalb trage man auch die gestiegenen Kosten mit. „Kritisch sehen wir allerdings, dass die Zahl der Einsätze seit Jahren steigt.“ Ein Grund sei, dass die Rettungsdienste immer häufiger auch dann gerufen würden, wenn kein Notfall vorliege. Dieser Missbrauch, wenn auch unbeabsichtigt, blockiere nicht nur die Rettungsmittel, sondern überlaste auch das Personal. „Diese Fehlentwicklung führt dazu, dass die Kosten weiter steigen werden.“

Aus den Gesamtkosten wird eine Gebühr ermittelt, die sich nach den Einsatzzahlen des jeweiligen Rettungsmittels berechnet. Sie muss derjenige zahlen, der das Rettungsmittel in Anspruch nimmt. „Um das Verfahren zu vereinfachen, werden die Rechnungen allerdings direkt den Krankenkassen geschickt, die diese prüfen und begleichen“, erklärt Sigrid Averesch-Tietz.

Somit tragen sie auch zu höheren Ausgaben in der Krankenversicherung bei, die wiederum zu höheren Beiträgen der Versicherten führen.

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