Familientag zum Thema Flucht und Migration: Im Bonner Haus der Geschichte werden aus Fremden Freunde

Familientag zum Thema Flucht und Migration : Im Bonner Haus der Geschichte werden aus Fremden Freunde

Der Familiensonntag im Haus der Geschichte hat sich dem Thema Flucht und Migration gewidmet. Im Mittelpunkt stand ein Theaterstück mit Schaf Wolle und Huhn Gack.

„Fremd ist man nur, wenn man sich nicht kennt“, sagte Katrin Orth. „Man muss Menschen eine Chance geben, aufeinander zugehen.“ So, wie es die Schauspielerin in dem Kindertheaterstück „Wolle und Gack“ vormacht. Darin spielt sie das Huhn Gack, das neben einem Schaf namens Wolle einzieht, was dem zunächst gar nicht gefällt. Damit passte dieses Stück hervorragend in den Familiensonntag zum Thema Flucht und Migration, den das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland am Sonntag unter dem Titel „Neue Heimat Deutschland?“ ausrichtete.

Wolle, gespielt von Tina Schoch, lebt mit der Einstellung „Was ich nicht kenne, mag ich nicht“ vor sich hin. Dann kommt dieses Huhn, bietet ihm Würmer als Nachbarschaftsgeschenk an und zupft auch noch Wolles Lieblingsblume versehentlich aus dem Boden. Das Schaf will das Huhn loswerden, baut den Zaun zwischen beiden Grundstücken höher, aber dann kommt es zur zaghaften Annäherung. Am Ende wird aus den Zaunlatten eine Brücke, Wolle akzeptiert sogar Gacks Glauben an das Weltenei.

Das Stück, das sich das Osnabrücker Musiktheater Lupe ausgedacht und inzwischen auch zum Bilderbuch verarbeitet hat, ist ein Statement für eine multikulturelle Gesellschaft und gegen Fremdenfeindlichkeit. Es bereitet das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen für Kinder verständlich auf. Amüsante Notiz am Rande: Es entstand schon vor vier Jahren, also vor der Flüchtlingswelle und damit beinahe prophetisch.

„Wir wollten immer schon etwas zu anderen Kulturen machen“, so Orth. Zunächst spielten sie zu zweit, dann holten sie sich die Syrer Ahmad Kiki und Souad Bulbul dazu, die immer wieder Passagen ins Arabische übersetzten. Daneben unterstützen die Schauspieler den Osnabrücker Hilfsverein Exil und machen viele Projekte mit Flüchtlingen.

Das Theaterstück war nicht der einzige Programmpunkt. Im Foyer des Museums bastelten Kinder und füllten Steckbriefe aus, die über Fäden auf einer Weltkarte mit ihren Herkunftsländern verbunden wurden. Es gab auch eine Vorleseecke, zudem wurden Führungen durch die Dauerausstellung mit Schwerpunkt zum Thema Migration angeboten. Viele Familien fanden sich dort ein und machten bei den Aktionen mit.

Auch die Foto-Ausstellung von Jennifer Zumbusch im Atelier wurde gut besucht. Die Fotografin hat ab 2015 anderthalb Jahre lang eine irakische Flüchtlingsfamilie von der Erstaufnahmestelle in der Ermekeilkaserne bis zur eigenen Wohnung in einem Ort der Stadt Rietberg in Ostwestfalen begleitet. Der Kontakt, erzählte sie, kam dadurch zustande, dass der Vater im Irak auch Fotograf war und als solcher wieder arbeiten will. „Das hat auf jeden Fall meine Perspektive erweitert“, sagte sie. „Die kommen mit einem Rucksack her und sind froh, dass sie angekommen sind.“ Man betrachte sein eigenes Leben anders und lerne seinen eigenen Reichtum zu schätzen.

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