Suche nach Verursachern: Illegaler Müll kostet die Stadt Bonn 200.000 Euro

Suche nach Verursachern : Illegaler Müll kostet die Stadt Bonn 200.000 Euro

Illegal abgeladener Abfall hat die Stadt im vorigen Jahr 200.000 Euro gekostet. Bonnorange sucht nach den Verursachern. Trotzdem könne ein leicht besseres Umweltbewusstsein festgestellt werden.

Zwei Kaffeemaschinen und ein Waffeleisen liegen am Rand des Trampelpfads am Meßdorfer Feld. „Wir machen das jetzt mal ganz pragmatisch“, sagt Heinz-Bert Kluth. Er nimmt den Reisekoffer, der auf der anderen Seite liegt, und packt den Elektroschrott ein. Warum jemand seinen Müll dort abgeladen und sich vor allem die Mühe gemacht hat, ihn dorthin zu bringen, darüber macht Kluth sich keine Gedanken mehr. „Es ist eigentlich nur ärgerlich. Das hätte man auch kostenlos zum Wertstoffhof bringen können.“ Jetzt, wo er als Bezirksbeauftragter von Bonnorange ausrückt, zahlen die Stadt und damit die Bürger knapp 80 Euro.

Knapp 200.000 Euro hat das Entsorgen illegalen Mülls im vergangenen Jahr gekostet. 2017 waren es sogar 25.000 Euro mehr. „Also geht der Trend wohl dahin, bewusster mit der Umwelt umzugehen“, sagt Bonnorange-Sprecherin Jasmin Mangold. Um die Müllsünder zu schnappen, beschäftigt das Abfallunternehmen vier solcher Bezirksbeauftragten in der Stadtreinigung. Täglich ist Kluth rund um den Hardtberg unterwegs und geht Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Sein Ziel: Diejenigen ausfindig machen, die den Müll abgeladen haben.

Kölscher Jung auf Suchenach den Müllsündern

Das macht er schon mehr als 30 Jahre. Kluth, 58, kennt nahezu jede Straße in Bonn. Er ist „ne Kölsche Jung“, wie er selbst sagt, was auch der gleichnamige Klingelton seines Diensthandys verrät. „Wat ist loss?“, ruft er in die Freisprecheinrichtung des weißen Kastenwagens. Ein Kollege aus dem Servicecenter, das die Anrufe der Bürger entgegennimmt, erzählt von Farbeimern und einem Staubsauger auf einem Parkplatz nahe des Wesselheidewegs in Medinghoven. Kluth macht sich auf den Weg – und findet nichts.

Fast eine halbe Stunde klappert er die Parkplätze ab, steigt aus, durchstöbert Büsche. „Die Angaben, die wir bekommen, sind oft ungenau. Und manchmal müssen wir dann einfach wieder fahren“, sagt er. Aber dann entdeckt er doch etwas: einen Stapel Strohmatten. Zum Mitnehmen sind sie zu groß. „Ich sage jetzt den Jungs mit der Pritsche Bescheid, die regeln das.“

Über seinen Job, der meist vor 7 Uhr morgens beginnt, sagt er ganz trocken: „Es gibt nichts, was es nicht gibt.“ Teilweise sei es lustig, teilweise erschreckend. Bei Hochwasser wurde mal eine Gartenbude aus Koblenz angeschwemmt. Am Waldrand hatte vor einigen Jahren jemand tonnenweise giftige Eternitplatten abgeladen. „Die zu entsorgen, ist richtig teuer. Die Kosten wollte sich jemand sparen.“ Die meisten Fälle seien aber Müll, den man ohnehin kostenlos bei den Wertstoffhöfen abgeben dürfe. „Aber dafür sind die Leute zu faul“, sagt er und schüttelt den Kopf. „Aber was willst du da machen? Sich darüber zu ärgern, bringt nichts.“ Stattdessen versucht Kluth herauszufinden, wer den Müll abgeladen hat. Um den Umweltsünder zur Kasse bitten zu können, sucht er nach Hinweisen. Und gerät an seine Grenzen.

„Die Kölner sind da viel strenger“, weiß Kluth. In der Domstadt setzt man schon seit mehreren Jahren richtige Mülldetektive ein, um bei größeren Fällen die Verantwortlichen zu überführen. Das ist in Bonn nicht möglich. „Wir haben hier, im Gegensatz zu Köln, keine ordnungsbehördlichen Befugnisse“, erklärt Mangold. Heißt: Bonnorange darf selbst keine Bußgelder ausstellen und hat auch keine Gebührenhoheit. Diese Rechte sind bei der Privatisierung bei der Stadt Bonn verblieben. „Wir melden die Verstöße an das Ordnungsamt, wenn wir eine Adresse ermitteln können, beziehungsweise wenn wir große Mengen an Müll finden.“ Das Ordnungsamt versucht dann den Verursacher zu ermitteln und ein Bußgeld zu erheben.

Es geht aber auch anders. „Auf dem kurzen Dienstweg“, wie Andreas Jambor sagt. Der 57-Jährige ist kein Bezirksbeauftragter, aber in der ganzen Stadt seit mehr als 30 Jahren für den Sperrmüll zuständig. „Und der ist überall ein Problem“, sagt er. Jeden Tag ist Jambor 200 Kilometer unterwegs, kennt jeden seiner „Problemfälle“. Etwa, wenn an den Hochhäusern in Tannenbusch wieder Sperrmüll herausgestellt wird, der keiner ist.

Bei seiner ersten Tour hat er an diesem Dienstag den Hausmeister angerufen. Der wiederum hat diejenigen ausfindig gemacht, die den Müll abgeladen haben. Bei seiner zweiten Tour, der Kontrolle, ist der Backofen verschwunden. „So geht das viel schneller, als wenn man da nun Knöllchen schreibt.“ Aber bis das so funktioniert hat, hat es Jahre gedauert.

Viele sehen ihren Fehler ein

Mancherorts kommt aber auch Jambor mit seinem Charme – „Du musst immer und zu jedem nett sein, viele sehen ihren Fehler nämlich ein“ – nicht weiter. In einem Wohnblock an der Hohen Straße sei das oft der Fall. „Wenn der Hausmeister sich nicht kümmert und die Umgebung nicht ordentlich halten will, müssen wir den Müll abholen.“ Diesmal stehen Sofas und Schränke genau dort, wo die Überwachungskameras nicht hinzeigen. „Der Verursacher weiß ganz genau, was er tut.“ Genauso wie derjenige, der auf dem Grünstreifen an der Oppelnerstraße einen Kühlschrank entsorgt hat. Dann ist es auch mit Jambors Charme vorbei. „Vielleicht bekomme ich ja doch noch heraus, wer das war.“

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