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Debatte um Bonn/Berlin-Umzug: IHK fordert schnell Plan B

Debatte um Bonn/Berlin-Umzug : IHK fordert schnell Plan B

Für Resignation ist keine Zeit, jetzt muss es Schlag auf Schlag gehen. "Wir brauchen so schnell wie möglich einen Plan B", bäumt sich Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, gegen den Vorstoß von Bundesbauministerin Barbara Hendricks zum Komplettumzug der Bundesregierung nach Berlin auf.

"Bonn und die Region müssen jetzt mit einer Stimme sprechen." Denn der Abzug der Ministerien würde die ganze Region bis ins Mark treffen. "Es geht nicht allein um die Verlagerung der Schreibtische in den Ministerien", so Hille. "Rund 30.000 Arbeitsplätze sind zusätzlich betroffen."

Das reiche vom Einzelhandel und der Gastronomie bis zum Immobiliensektor. "Taxifahrer, Zimmermädchen, Handwerksbetriebe - überall wären Auswirkungen zu spüren", so der IHK-Chef.

Mit allen Mitteln müsse vor allem verhindert werden, dass Ministerien mit Schlüsselressourcen für Bonn abwandern. "Bildung und Forschung, Umwelt sowie Entwicklung müssen unbedingt hierbleiben", fordert Hille mit Nachdruck.

Das Abwandern von Arbeitsplätzen würde zudem zu geringeren Steuereinnahmen für die Kommunen führen. "Wir alle würden den Umzug in unserem direkten Umfeld spüren", so der IHK-Chef.

"Für Engagement Global ist ein Umzug kein Thema", sagt Petra Gohr-Guder, Sprecherin der zentralen Anlaufstelle für Entwicklungsinitiativen. "Wir arbeiten eng mit dem BMZ zusammen, das seinen ersten Dienstsitz in Bonn hat. Darüber hinaus sind hier viel UN-Büros sowie international tätige Organisationen, die für unsere Arbeit wichtig sind", so die Sprecherin.

"Wir sehen die Angelegenheit ganz gelassen", erklärt auch Caroline Hendricks ("Ich bin nicht verwandt mit der Ministerin") von der Aktion Mensch. "Wir bleiben in Bonn, daran wird sich nichts ändern."

Für die Deutsche Forschungsgemeinschaft stellt sich die Frage eines eigenen Umzugs nach Berlin aktuell nicht. "Die DFG ist nicht direkt dem Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstellt. Wir sind vielmehr eine gemeinsam vom Bund und von den Ländern getragene Einrichtung, die in Form eines privatrechtlichen Vereins organisiert ist", so Pressesprecher Marco Finetti.

Als solcher hat sie die Frage ihres Sitzes in ihrer Satzung selbst geregelt. Der entsprechende Passus wurde gerade erst im vergangenen Jahr präzisiert. Seit 1951 hieß es darin: Sitz des Vereins ist "zunächst" Bonn.

Diese Formulierung einer solchen Übergangslösung erschien aus Sicht der DFG nach mehr als sechs Jahrzehnten nicht mehr zeitgemäß. Deshalb heißt es nun: "Der Verein ... hat seinen Sitz in Bonn."

"Wir bleiben in Bonn"

Für die Deutsche Welthungerhilfe ist Bonn ebenfalls eine gute Adresse. "Wir bleiben in Bonn", stellt Simone Pott klar. Außerdem würden die meisten Kooperationen über Brüssel laufen. "Und Bonn-Brüssel ist nun einmal näher als Berlin-Brüssel", erklärt sie.

Auch die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) wird der Stadt nicht den Rücken kehren. "Die für uns zuständige Abteilung Sport im Bundesinnenministerium ist bereits nach Berlin gezogen", erklärt Eva Bunthoff. "Zwar haben wir dadurch teilweise neue Ansprechpartner, der Umzug hat die Zusammenarbeit aber nicht verändert. Wir arbeiten weiterhin eng mit dem Ministerium zusammen." Die Verlagerung der Sportabteilung bedeute nicht, dass auch die Nada umzieht. "Wir bleiben im Rheinland", so die Sprecherin.

"Wir sind überzeugte Bonner", stellt auch Annette Debusmann von Don Bosco Mondo fest. Da die Organisation im Ausland tätig sei, kooperiere man ausschließlich mit internationalen Partnern. "Wir werden unseren Standort in Bonn sogar noch ausbauen", ergänzt sie.

Nicht Berlin, sondern "die Europäische Union spielt in der humanitären Hilfe eine große Rolle", erklärt auch Sabine Wilke von Care. Eine ähnliche Aussage kommt von Help: "Wir haben die Nähe zur Bundesregierung natürlich begrüßt, sind aber von dem Komplettumzug nicht betroffen", so Sandra Schiller.

"Wir würden einen Abzug der Ministerien nach Berlin schon sehr bedauern", kommentiert Dr. Volker Wille von der Tropenwaldstiftung "OroVerde" die aktuelle Diskussion. Die Organisation ist erst vor ein paar Jahren von Frankfurt nach Bonn gekommen. "Da wir nicht lobbyorientiert sind, sondern vielmehr Projektarbeit leisten, ist Bonn für uns weiter der richtige Standort."