Sönke-Wortmann-Film mit Christoph Maria Herbst: Hunderte Teilnehmer bei Komparsen-Casting in Bonn

Sönke-Wortmann-Film mit Christoph Maria Herbst : Hunderte Teilnehmer bei Komparsen-Casting in Bonn

Am Mittwoch sind Hunderte Menschen zum Casting für einen in Bonn entstehenden Film von Sönke Wortmann auf den Campus Poppelsdorf der Universität Bonn gekommen. Die Hauptrolle spielt Christoph Maria Herbst.

"Ich schwöre, die Wahrheit zu sagen, auch wenn ich lügen werde wie gedruckt", sagt die Hauptdarstellerin des französischen Kinohits „Le Brio“, der 2018 in Deutschland unter dem Titel „Die brillante Mademoiselle Neïla“ zu sehen war. Demnächst verfilmt Regisseur Sönke Wortmann nach dem erfolgreichen „Der Vorname“ ein weiteres französisches Original (siehe Infokasten zum Kinofilm „Contra“). Zur realistischen Umsetzung im Universitätsmilieu benötigt die Produktionsfirma Constantin 2500 Komparsen, die in Bonner Hörsälen sitzen und den „ganz normalen“ Campusalltag nachstellen werden. Gedreht wird zwischen dem 8. und 15. Juli im Hauptgebäude der Universität.

Pro Drehtag gibt es für Komparsen 92 Euro Gage

Mit dem Aufruf, „Falls Ihr Lust habt, an einem oder sogar mehreren Tagen hinter die Kulissen einer großen Kinoproduktion zu gucken, durchs Bild zu laufen und ein bisschen Kleingeld zu verdienen“, sollte man sich am Mittwochmorgen auf dem Campus Poppelsdorf zum Casting einfinden. Schon zu Beginn des Vorstellungstermins waren die Gänge zu den Seminarräumen im Hörsaalzentrum an der Endenicher Allee überfüllt. Dort füllten künftige Komparsen oder Kleindarsteller ihre Personalbögen aus, wurden fotografiert und zu einem kurzen Gespräch gebeten. Geduldig stellte sich auch Frederick in die Warteschlange. „Ich habe Zeit“, sagte der 20-jährige Mathematikstudent aus Bonn. "Wird wahrscheinlich den Vormittag dauern", lautete seine Prognose.

Für Frederick war es das erste Casting. Was verfilmt wird oder wer hinter dem Projekt steckt, war ihm weniger wichtig als die versprochene Gage von 92 Euro pro Drehtag. Die liegt immerhin zehn Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn. Weniger das Honorar als vielmehr das Interesse, wie ein Kinofilm entsteht und der damit verbundene Besuch der Bonner Hörsäle, die Ursula Nötting noch von ihrem zahnmedizinischen Studium kennt, waren für die 60-Jährige der Anlass, schon recht früh am Morgen ins neue Hörsaalzentrum zu kommen. Nach etwa einer Stunde war sie fotografiert und registriert. Sie hatte unterschrieben, dass sie bereit ist, sich im Bedarfsfall die Haare färben oder schneiden zu lassen und auch einen Filmkuss nicht verweigern würde.

Casting soll "Karriereschubs" geben

„Ja, die werden mich wohl nehmen“, freute sie sich. „Es gibt wohl eine Debattierrunde mit Professoren und Eltern, in die auch meine Altersgruppe reinpasst“, sagte die Zahnärztin aus Ahrweiler und fügte nicht ganz ernst hinzu, dass sie sich nun wohl die schon existierende deutsche Fassung als „Hausarbeit“ vornehme. Nicht ganz so entspannt stand Timo in der sich kaum vorwärts bewegenden Warteschlange. Der 25-jährige Kölner will Schauspieler werden und hat sich eigenen Angaben zufolge schon nahezu in ganz Deutschland vergeblich beworben. Nun wollte ihm eine in Bonn studierende Freundin mit dem Hinweis auf das Casting einen „Karriereschubs“ geben.

Im Scheinwerferlicht zu stehen, würde für die Bonner Psychologiestudentin Leonie nicht neu sein. Die 27-Jährige spielt bereits in der Bonn University Shakespeare Company. Bleibt zu hoffen, dass Regisseur Wortmann sie nicht ausgerechnet am 8. Juli besetzen will, denn dann ist sie bereits in Oscar Wildes „Salomé“ in der Beueler Brotfabrik zu sehen.

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