Gelände in Dransdorf: Hunde-Trainingsplatz wird Flüchtlingsheim

Gelände in Dransdorf : Hunde-Trainingsplatz wird Flüchtlingsheim

Der Pinscher- und Schnauzer Klub Bonn hat durch einen Zufall erfahren, dass das Vereinsgelände als Standort geprüft wird. Stadt räumt Fehler bei der Kommunikation ein.

Als die Stadt Bonn im Frühjahr händeringend auf der Suche nach Grundstücken war, um Notunterkünfte für Flüchtlinge zu bauen, geriet auch dieser Standort auf der Prioritätenliste ganz nach oben: ein Areal an der Gerhart-Hauptmann-Straße. Und man durfte davon ausgehen, dass es eine städtische Freifläche ist. Ist es auch, allerdings eine, die seit Jahren verpachtet ist, was offensichtlich kaum ein Entscheidungsträger in der Politik wusste.

Die Pächter, der Pinscher- und Schnauzer Klub Bonn, der dort seit 40 Jahren sein Vereinsgelände hat, fiel jedenfalls aus allen Wolken, als plötzlich ein Vermessungstrupp anrückte. „Da sind wir dann hellhörig geworden“, berichtet der Vereinsvorsitzende Gottfried Eschbach. Er rief das Liegenschaftsamt als Verpächter des Vereins an und erfuhr, dass eine entsprechende Anfrage des städtischen Gebäudemanagements vorliege, das Gelände zu untersuchen. Der Grund: Es sei als Container-Standort zur Unterbringung von Flüchtlingen vorgesehen.

„Ich war entsetzt, dass unser Verein auf der Liste auftauchte“, sagt Eschbach, der laut Vertrag eine Kündigungsfrist von sechs Monaten hat und fürchtet: „Wenn wir die Kündigung erhalten, sind wir erledigt.“ Selbst wenn nur ein Teil des Areals belegt werde, würden dann alle Parkplätze wegfallen. Eschbach gibt bei der Bewertung des Grundstücks zu bedenken: „Wir sind keine Hundeschule, sondern ein Traditionsverein“. Es gibt ihn seit 90 Jahren, 180 Mitglieder sind organisiert und gehen ihrem Hobby nach. In zwei Wochen findet dort die Deutsche Meisterschaft für Turnierhunde statt.

Die Kommunikation über die künftige Nutzung des Geländes hätte sicher besser sein können, räumt die Stadt ein. „Wenn die Vermessung ohne vorhergehende Erläuterung erfolgte, ist dies sicher unglücklich“, erklärte Stadtsprecherin Monika Hörig. Der Verein, der sich an Oberbürgermeister Ashok Sridharan gewandt habe, sei inzwischen aber über den Stand der Dinge informiert. „Sollte sich etwas konkretisieren, wird die Verwaltung Kontakt mit dem Verein aufnehmen“, so Hörig

Das Gelände gehört zu einem Block von Grundstücken, welche die Stadt eventuell für temporäre Unterkünfte nutzen will. Diesen Plan hat sich die Verwaltung vom Rat beschließen lassen. Theoretisch könne dort für drei Jahre eine Unterkunft erstellt werden. Im Augenblick gehe es nur um Vorplanungen, um Rahmenbedingungen sowie die Machbarkeit der Bebauung zu prüfen, so die Stadt weiter.

Für den Verein hat damit allerdings eine ungewisse Zukunft begonnen. Neben der Betreuung des Zuchtgeschehens haben sich die 180 Mitglieder vor allem der Erziehung und Ausbildung ihrer eigenen Hunde sowie der aller Rassen von anderen interessierten Hundebesitzern verschrieben. „Wir fördern das Miteinander von Mensch und Hund und bringen Kindern und Jugendlichen den Umgang mit Hunden näher“, so der Vorsitzende. Alle Mitglieder und Ausbilder arbeiten ehrenamtlich.

„Bei einer Kündigung des Pachtvertrages durch die Stadt wären wir aus eigener Kraft nicht in der Lage, den Rückbau des Vereinsgeländes und einen Neuanfang zu finanzieren“, schreibt Eschbach in einem Brief an Politiker. Pressesprecher Martin Stuke ergänzt: „Wir sind schon etwas irritiert, dass diese Beschlüsse ohne Anhörung oder Information an uns als Pächter gefasst wurden.“ Das sei nicht besonders bürgernah.

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