Parkhaus an der Quantiusstraße: Hotelneubau hinter dem Bonner Hauptbahnhof?

Parkhaus an der Quantiusstraße : Hotelneubau hinter dem Bonner Hauptbahnhof?

Die Deutsche Bahn als Eigentümerin des Parkhauses hinter dem Bonner Hauptbahnhof ist in Verkaufsgesprächen für das Grundstück. Die Kommunalpolitik will eine Nutzung als Hostel verhindern.

Noch steht das Parkhaus auf der Rückseite des Bonner Hauptbahnhofs. Allerdings verdichten sich die Hinweise, dass die Deutsche Bahn (DB) als derzeitige Eigentümerin das Grundstück an der Quantiusstraße an einen Investor verkaufen will, der dort ein Hotel errichten möchte. Das bestätigte die Stadt auf Anfrage. Die DB selbst gibt sich dazu einsilbig. Ein Bahnsprecher sagte lediglich: „Unserem Statement von Ende Januar ist nichts hinzuzufügen, da die Verkaufsverhandlungen derzeit noch nicht beendet sind.“

Damals hatte die Bahn mitgeteilt, dass aktuell Gespräche über die Zukunft des Grundstücks liefen. Ein „Nutzungskonzept und einen Realisierungshorizont“ gebe es noch nicht. Nach Auskunft des Bahnsprechers ist mit dem Abriss des maroden und für heutige Verhältnisse viel zu engen Parkhauses frühestens im ersten Quartal 2018 zu rechnen, denn dann erst kann die im Erdgeschoss untergebrachte Radstation der Caritas planmäßig in das neue Studentenwohnheim ein paar Meter weiter südlich ziehen, und die Liegenschaft wäre mieterfrei.

Aus Sicht der Stadt sollten an dieser Stelle „Mobilitätsnutzungen“ entstehen, beispielsweise Car-Sharing-Angebote, Parkplätze für Bring- und Abholverkehr und Fahrradinfrastruktur, teilte Markus Schmitz aus dem Presseamt mit. Sowohl der Ratskoalition als auch Hoteliers aus der Region ist zu Ohren gekommen, dass dort über den Bau eines Hostels, also einer Herberge für den schmalen Geldbeutel nachgedacht werde. CDU, Grüne und FDP wollen das verhindern.

Im Planungsausschuss haben sie der Verwaltung deutlich gemacht, dass sie eine Parkmöglichkeit in der Quantiusstraße für die Bonner, die westlich der Bahnschienen wohnen, für dringend notwendig halten. „Es geht nicht, dass dort einfach 150 Parkplätze ersatzlos wegfallen. Wenn wir den ÖPNV stärken wollen, müssen wir auch Platz schaffen, um Autos am Hauptbahnhof abzustellen“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der CDU, Henriette Reinsberg. Der „Parksuchverkehr in den umliegenden Wohngebieten“ müsse auf jeden Fall verhindert werden, meinte Rolf Beu von den Grünen. „Ein angemessenes Stellplatzangebot ist sicherzustellen“, erklärte Frank Thomas (FDP).

Der Planungsausschuss beauftragte die Stadtverwaltung, das Vorhaben in der Quantiusstraße im Auge zu behalten. Ursprünglich hatte die Ratskoalition vor, eine Veränderungssperre für die Nutzung zu erwirken. Da der Verwaltung zum jetzigen Zeitpunkt allerdings kein Bauantrag vorliegt, sei es für einen solchen Antrag zu früh, hieß es im Ausschuss.

Das Problem: Es gibt zwar einen Beschluss aus dem Jahr 2003, für das Parkhaus-Areal einen Bebauungsplan aufzustellen; das ist aber bis heute nicht geschehen. Nach Auskunft der Verwaltung gehört die Fläche derzeit zum Eisenbahngelände und müsste für eine geänderte Nutzung zunächst entwidmet werden. Erst im Anschluss könne das Bebauungsplanverfahren weitergeführt und eine Nutzung festgelegt werden.

Die Parksituation für Autos am Hauptbahnhof wird sich in den kommenden Jahren verändern. 280 Parkplätze fallen mit den beginnenden Bauarbeiten ab Herbst für das Projekt Urban Soul auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs über dem Nordfeld weg. Von den 300 Stellplätzen des neu zu bauenden Parkhauses an der Rabinstraße sind allerdings viele für Mitarbeiter, Kunden und Anwohner gedacht.

Christoph Becker, für Bonn zuständiger Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), rät zur Zurückhaltung, was die Neuansiedlung von Hotels und anderen Unterkünften angeht: „Nachdem das Kongressgeschäft im WCCB-Kongresszentrum gerade erst angelaufen ist, wäre es sinnvoll, zunächst abzuwarten, wie sich die Auslastungszahlen entwickeln“, sagte Becker. Er hatte seinerzeit bereits die Pläne von Oberbürgermeister Ashok Sridharan kritisiert, ein neues Hotel am Erzberger Ufer zu bauen.

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